Deutschland bei der Handball-WM 30:30 gewonnen

Stark gegen die Dänen: Patrick Groetzki.

(Foto: dpa)

Nur ein Tor fehlt zur noch größeren Überraschung: Die deutschen Handballer bleiben durch einen hochklassigen Auftritt gegen Dänemark bei der WM unbesiegt. Das Achtelfinale ist nah - und die Spieler wollen mehr.

Von Joachim Mölter, Doha

Vorneweg schlichen die Verlierer, die einst so stolzen Dänen, ihre Köpfe hingen herab, sie waren geknickt, ihre Blicke am Boden. Ihnen hinterher schlenderten die Sieger aus der Halle, die aufgekratzten Deutschen, Kopf hoch und mit breiter Brust. Selten hat man nach einem Unentschieden eine so unterschiedliche Körpersprache gesehen wie am Dienstagabend nach diesem 30:30 (16:16) bei der Handball-WM in Katars Hauptstadt Doha.

Die Dänen, zuletzt zweimal WM-Zweiter, sie hatten schon wieder nicht gewonnen, zum zweiten Mal in ihren bisherigen drei Vorrundenspielen. Und die Deutschen, die mangels sportlicher Qualifikation nur mittels einer Wildcard ins Turnier gekommen waren, sie haben immer noch nicht verloren und es sogar in der Hand, als Gruppensieger ins Achtelfinale einzuziehen. "Das muss jetzt unser Ziel sein", sagte der Kreisläufer Hendrik Pekeler, dreifacher Torschütze in dieser Partie.

Deutsche Handballer erkämpfen Unentschieden

Was für ein Kampf im dritten Gruppenspiel: Gegen den WM-Zweiten Dänemark zeigen die deutschen Handballer die nächste starke Leistung. Kurz vor Schluss ist gegen den Favoriten sogar der Sieg möglich. mehr ... Spielbericht

Die Situation in der Vorrundengruppe D sieht jetzt so aus: Deutschland führt sie an mit 5:1 Punkten, dahinter folgen Dänemark und Polen mit jeweils 4:2. Die Russen (2:4) sind in der Tabelle eingeklemmt zwischen den beiden letzten Gegnern der deutschen Mannschaft, Argentinien (3:3) und Saudi-Arabien (0:6). "Um den Gruppensieg wird am Donnerstag gespielt", gegen Argentinien, sagt Bob Hanning, der Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB); das Team aus Saudi-Arabien müsse man, bei allem Respekt, "jeden Tag und zu jeder Zeit schlagen".

Hanning bescheinigte den Mannschaften der beiden gemeinsamen WM-Ausrichter 2019 Dänemark und Deutschland, "das bisher beste Spiel bei diesem Turnier" gezeigt zu haben. Es war in der Tat ein hochklassiger Vergleich in der Lusail Multipurpose Hall, ein Vergleich vor allem der beiden isländischen Trainer Gudmundur Gudmundsson, 54, auf Seiten Dänemarks, und Dagur Sigurdsson, 41, auf Seiten Deutschlands; der Ältere war einst der Coach des Jüngeren im Nationalteam ihrer Heimat.

An diesem Dienstag erwies sich Sigurdsson indes als der Cleverere und Mutigere der beiden. Er hatte wieder mal mit der Wahl seines Torhüters überrascht, für Silvio Heinevetter stand diesmal Carsten Lichtlein zu Beginn auf dem Feld, der nach seinen Einwechslungen in den Partien gegen Polen (29:26) und Russland (27:26) mit spektakulären Paraden für die Wende in den bis dahin ausgeglichenen Partien gesorgt hatte. Noch überraschender war jedoch Sigurdssons Kniff, Dänemarks Ausnahme-Handballer Mikkel Hansen zunächst von seinem Rechtsaußen Patrick Groetzki in Manndeckung nehmen zu lassen. Damit nahm Sigurdsson den torgefährlichsten Akteur des Gegners aus dem Spiel, zumindest zeitweise. Am Ende war Hansen mit sechs Treffern trotzdem der erfolgreichste Schütze seines Teams.

Gudmundur Gudmundsson hatte vor der Partie von einer "interessanten Aufgabe" gesprochen und präzisiert: "Deutschland spielt bis jetzt sehr schnell, also bereiten wir uns auf diese Herausforderung vor." Es war nur so, dass die DHB-Akteure an diesem Abend extrem langsam angriffen, sie reizten die Zeit bis aufs Äußerste aus, die ihnen die Schiedsrichter bis zum Wurf aufs Tor gewährten. Häufig war der Arm der Unparteiischen schon oben, um anzuzeigen, dass sie gleich ein Zeitspiel abpfeifen würden.