Mit dem Größenwahn in den goldenen Jahren begann der Abstieg des Deutschen Tennis Bundes. Heute ist seine schiere Existenz bedroht.
Rothenbaum. Hundekehlesee. Das sind schöne, alte Namen. Orte, die nach Tradition klingen. Bei den German Open in Hamburg und Berlin leuchteten die goldenen Zeiten des deutschen Tennis besonders hell. Bilder von früher: Die Verzweiflung von Boris Becker nach seinen vergeblichen Anläufen, am Rothenbaum zu siegen, die Tränen von Michael Stich, als er es endlich geschafft hatte, die Steffi-Graf-Festspiele am Berliner Hundekehlesee.
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Eine Turnierdirektorin Steffi Graf? Noch haben die Berliner kein Glück. (© Foto: dpa)
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Es regnete damals Grand-Slam-Titel, Davis-Cup- und Fedcup-Siege auf das deutsche Tennis, dazu Millionen von D-Mark, die Ion Tiriac, Becker-Manager und Veranstalter, in Umlauf hielt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass nun, da die guten alten German Open, Flaggschiffe des Tennis-Bundes, von der Bildfläche verschwinden, wieder der schnauzbärtige Rumäne die Finger im Spiel hat, in Madrid - als wolle er zeigen, wie das deutsche Tennis seine Zukunft hätte sichern können.
Im Mai dieses Jahres wird in Madrid auf einer hypermodernen Anlage erstmals ein großes Sandplatzturnier ausgespielt. Im Frühjahr ist damit kein Platz mehr für Deutschland. Tiriac organisierte Unterstützung für das große, nationale Turnier bei Politik, Wirtschaft und Fernsehen, zu Hilfe kamen ihm die Erfolge von Nadal und Kollegen. All das fehlt dem deutschen Tennis seit Jahren.
Die Gründe für den Verfall sind hinlänglich bekannt, voran der Größenwahn der goldenen Jahre, die Abwanderung ins Privat-TV, mangelhafte Nachwuchsarbeit. Die Frage, ob der DTB mit umsichtiger Politik ein Projekt wie jenes in Madrid stemmen könnte, ist müßig. Er muss nun seinen schieren Fortbestand sichern.
Präsident Georg von Waldenfels hat zu Beginn seiner Amtszeit 1999 den Konkurs des Verbandes verhindert, aber zu dem Preis, dass der große Sport verloren ging. Mit seiner Klage gegen die Degradierung des Rothenbaum-Turniers bringt er den Verband jetzt in eine existenzbedrohliche Lage.
Als Akteur auf der großen Bühne fällt der ruhmreiche Deutsche Tennis-Bund erst einmal aus. Profitennis in Deutschland hängt davon ab, ob es Unternehmen wie Mercedes in Stuttgart, BMW in München oder Gerry Weber in Halle als Marketinginstrument nutzen. In Hamburg verwaltet dieses Jahr Michael Stich als Turnierdirektor ein zweitklassiges Turnier. Und was Berlin betrifft, hilft nur träumen: von einer Turnierdirektorin namens Steffi Graf, die mit ihrem Namen und ein paar Millionen als Starthilfe die alten Zeiten wieder aufleben lässt.
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(SZ vom 15.01.2009)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
der unverschähmterweise so viel Geld verdienten, daß drittklassige deutsche Gernegroße meinten, das auch können zu müssen. Vorgehensweise wie immer: Neidkampagne, Steuerfahndung, Staatsanwaltschaft, Gerichte.
Und jetzt (oder schon seit 15 Jahren): Nix mehr, Michel.
Da gab es mal eine laue Phase. Tennis in Deutschland war eine teure Elite Angelegenheit in exklusiven Clubs. Dritteklassige Spieler hatten ein gutes Auskommen in drittklassigen Vereinen oder als Trainer.
Da wurde gar das Wort "Finalist" erfunden, weil ein Deutscher nach Gottfried von Cramm nichts mehr gewonnen hatte und einer mal ins Finale von Wimbledon einzog um dort sang und klanglos unterzugehen. In den USA war das bereits der "First Loser", der erste der Verlierer.
Dann kamen Bors und Steffi und der Größenwahn.
Jetzt sind wir wieder unten. Würde man das so wie in den USA betreiben,wo gepflegte, öffentliche Tennisplätze ohne Eintritt bis abends um 22:00 Uhr beleuchtet werden und das als billiger Breitensport betrieben wird, hätte man bald auch wieder Talente.
Es ist vieles besser geworden seit damals, aber eben immer noch zu teuer. Das Söhnchen vom Innenarchitekten mag zwar mit Geld im Rücken die Kreisklasse gewinnen, dann aber flacht es ab, weil eben nur Talent ausschlaggebed ist.