Deutscher Erfolg im Test gegen Frankreich Argument gegen sich selbst

Dabei stand selbst nach der Absage von Bastian Schweinsteiger längst nicht fest, dass Gündogan den frei werdenden Posten im defensiven Mittelfeld neben Sami Khedira bekommen würde. Noch vor kurzem wäre dort Toni Kroos als erster Ersatz aufgelaufen. Mit Kroos steht die deutsche Mannschaft allerdings arg offensiv auf dem Platz, das Erlebnis gegen Schweden mit vier Gegentoren in einer halben Stunde könnte beim Bundestrainer und seinem Team nun zu einem strategischen Umdenken geführt haben: Lieber noch einen echten Sechser zur Absicherung als noch einmal so ins Verderben laufen.

Ilkay Gündogan (li.) zeigte gegen Frankreich eine starke Vorstellung. 

(Foto: dpa)

Zudem hat sich Gündogan bei der Borussia zu einem stabilen Faktor im Spielzentrum entwickelt. Defensiv stark, viele Kilometer unterwegs, eine (fast) perfekte Technik und dazu die Vorzüge der Dortmunder Taktikschule - der 22-Jährige hat sich rasant entwickelt im vergangenen Jahr. "Ich bin als Persönlichkeit gereift in Dortmund, auch durch die Meisterschaft und den Pokal-Sieg. Das prägt einen charakterlich", erklärte er. In Paris zeigte er nun in seinem fünften Länderspiel seine beste Leistung.

Im Tor nichts Neues

Ob sie ihm allerdings helfen wird, die Platzhalter Khedira oder Schweinsteiger dauerhaft den Kampf anzusagen? Löw sprach zuletzt zwar häufig von einem neuen Konkurrenzkampf um die Plätze, doch so ganz glauben wollen ihm das viele nicht. Zu sehr hielt der Bundestrainer in den vergangenen Jahren an bewährten Kräften fest, denen er vertraut und die ihm schon einige Freude bereitet haben.

So hat sich an den Kräfteverhältnissen im deutschen Tor durch den Test in Paris sicher nichts verändert, der starke René Adler hat lediglich seine Position zwei hinter Manuel Neuer gefestigt. Mario Gomez machte wenig Werbung für sich, weder im Kampf gegen Miroslav Klose noch gegen Mario Mandzukic beim FC Bayern.

Der inzwischen hinter den diesmal fehlenden Marco Reus und Mario Götze zurückgefallene Lukas Podolski konnte bis auf emsige Defensivarbeit keine Argumente für sich sammeln. Und ob Benedikt Höwedes noch einmal in seinem Leben Linksverteidiger spielen wird? Bleibt als Gewinner aus der zweiten Reihe vor allem Ilkay Gündogan.

Wird der Bundestrainer ihn im nächsten Spiel dennoch wieder auf die Ersatzbank setzen, gab ihm der Spieler gleich selbst eine mögliche Begründung an die Hand. Wo sich denn Ilkay Gündogan noch verbessern könne? "In puncto Torgefährlichkeit" antwortete Gündogan. Das sage ihm auch Jürgen Klopp häufiger. Sein Ziel sei, mal sechs bis acht Tore in der Saison zu schießen. Ein Dortmunder kann eben nie, nie, nie perfekt genug sein.