Auch bei Polen und Costa Rica läuft noch nicht alles rund: die einen haben noch keine Nummer eins, die anderen verloren zum dritten Mal hintereinander.
Die Polen wurden von ihren eigenen Fans verhöhnt, die Costa Ricaner fühlten sich als Sieger: Die deutschen Vorrundengegner bei der Fußball-Weltmeisterschaft reagierten völlig unterschiedlich auf ihre Niederlagen in der Vorbereitung. "Das war ein Skandal", schimpfte Abwehrspieler Michal Zewlakow nach der 1:2 (0:1)-Pleite der Polen gegen Kolumbien und den hämischen "Ole"-Rufen der Zuschauer bei gelungenen Aktionen des Gegners.
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Aufgebracht hatte die 20.000 in Chorzow das kuriose 0:2. Torhüter Tomasz Kuszczak verschätzte sich nach einem weiten Abschlag seines kolumbianischen Kollegen Luis Martinez total, der Ball sprang vor dem Strafraum auf und flog über den verdutzten Keeper ins Tor (64.). Von da an pfiffen die Fans ihre eigene Mannschaft gnadenlos aus und feuerten den Gegner an.
Costa Rica wähnte sich derweil trotz der 0:1 (0:0)-Niederlage in Tschechien auf dem richtigen Weg. "Wir haben unseren Kritikern gezeigt, was wir wirklich können", sagte Mittelfeldspieler Douglas Sequeira. Nach zuvor indiskutablen Leistungen und hämischen Kommentaren aus der Heimat zeigte sich der deutsche Auftaktgegner vor allem in der Abwehr deutlich verbessert.
Mit müden Beinen und hängenden Köpfen landeten die Polen in der Nacht zu Mittwoch in Hannover und bezogen umgehend ihr WM-Quartier in Barsinghausen. "Wenn wir so gegen Costa Rica und Ecuador in der WM-Vorrunde spielen, haben wir keine Chance", gab Trainer Pawel Janas nach dem verpatzten WM-Test wenige Stunden zuvor zu, schränkte aber ein: "Wir haben lange nicht in dieser Formation zusammengespielt und zuletzt hart gearbeitet. Beim WM-Auftakt werden wir uns anders präsentieren."
Die größten Sorgen bereitet Janas die Besetzung der Torwartposition. Nachdem er Routinier Jerzy Dudek nicht in den WM-Kader berufen hatte, durften sich gegen Kolumbien Artur Boruc und Kuszczak jeweils eine Halbzeit lang zwischen den Pfosten versuchen. Während Boruc nach 20 Minuten von Elkin Murillo bezwungen wurde, taugte Kuszczaks Einsatz allenfalls fürs Kuriositätenkabinett. "Dennoch wird einer dieser Keeper meine Nummer 1 sein", meinte Janas.
Währenddessen werteten die Costa Ricaner, am 9. Juni in München Gegner der deutschen Mannschaft im Eröffnungsspiel, ihre dritte Niederlage hintereinander als Erfolg. "Wir haben gegen eine große europäische Mannschaft bewiesen, dass wir mithalten können", sagte Kapitän Luis Marin: "Das ist gut für die Moral und gibt uns in den nächsten Tagen Ruhe zum Arbeiten." Mit Blick auf das Spiel gegen Deutschland fügte der Abwehrchef hinzu: "Wir dürfen jetzt nicht übermütig werden, denn das Auftaktspiel wird sehr schwer, etwas für Krieger."
Ihren Optimismus schöpften die Mittelamerikaner, die zuvor von der heimischen Presse heftig kritisiert worden waren ("Die Lächerlichen"), in erster Linie aus der deutlich verbesserten Defensivarbeit. Nach den chaotischen Auftritten beim 0:2 gegen eine Katalonien-Auswahl und beim 0:4 in der Ukraine errichtete Trainer Alexandre Guimaraes ein regelrechtes Abwehrbollwerk mit drei Verteidigern, sechs Mittelfeldspielern und Paulo Wanchope als einziger Spitze.
Durchaus mit Erfolg: Die Tschechen, die noch ohne ihre Stars wie Pavel Nedved, Tomas Rosicky oder Milan Baros antraten, bissen sich an der geballten Defensive die Zähne aus und kamen erst in der 82. Minute durch den früheren Bundesliga-Stürmer Vratislav Lokvenc zum Siegtor.
"Die Abwehr steigert sich, aber der Angriff bleibt auf niedrigem Niveau", urteilte die Tageszeitung La Nacion und brachte damit das Hauptproblem der "Ticos" auf den Punkt. Das tschechische Tor geriet nicht einmal ernsthaft in Gefahr, in drei Testspielen gelang nicht ein einziger Treffer.
"Es gibt noch viel zu verbessern", gab Trainer Guimaraes zu, ergänzte aber mit Blick auf die harsche Kritik der vergangenen Tage: "Wir haben immer die Ruhe behalten. Keiner kennt diese Mannschaft und ihre Fähigkeiten besser als wir selbst."
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