Bei den spektakulären Freestyle-Sportarten zeigt sich wieder einmal, wie schwer sich die Bob- und Biathlon-Nation Deutschland mit der finanziellen Förderung ihrer Pioniere tut.
Die Trophäe hatte Simon Stickl schon vor dem ersten Rennen in Vancouver sicher. Der Deutsche hatte bei der Auslosung der Startnummern die 1 erwischt. "Manche wollten mir das Ding hinterher sogar abkaufen", erzählt Stickl.
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"Als würde man mit einem Kampfjet durch eine Besenkammer fliegen" - Martin Fiala. (© Foto: dpa)
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Der Deutsche hat zwar keine Medaille von den Olympischen Spielen mitgebracht, aber er war der erste Skicrosser, der jemals bei Olympia ein Rennen absolviert hat. "Mein Bruder ist Schreiner, dem habe ich schon gesagt, dass er mir einen passenden Rahmen für die 1 baut", sagt Stickl. Als Erinnerung an die historische Fahrt und an die Premierenparty, die Skicross in Vancouver gefeiert hat.
Die Sportwelt wunderte sich erst über die Fahrer, die sich aus den Steilkurven heraus über sogenannte Kicker in die Luft schießen, in den Endläufen immer zu viert im Parcours. Wer als Erster unten ankommt, gewinnt. "Das ist so, als würde man mit einem Kampfjet durch eine Besenkammer fliegen", sagt Stickls Teamkollege Martin Fiala. Dann liebte die Sportwelt diese Skichaoten. 6,5 Millionen Zuschauer sahen die Skicross-Premiere in Deutschland, was einen sagenhaften 30 Prozent Marktanteil für die unbekannte Disziplin bedeutete. Stickl wurde 19., dennoch sagt er: "Besser hätte die Premiere nicht laufen können."
Und jetzt?
Jetzt folgt das Zusammenkehren nach der Feier und das Nachdenken über die Frage, wie es weitergeht mit einer Sportart und ihren Athleten, die vor allem in Deutschland kaum jemand kannte. Fünf deutsche Fahrer waren in Vancouver am Start, aufs Podest schaffte es keiner von ihnen, aber das war fast egal bei diesem bunten Spektakel. "Jetzt muss doch jeder gesehen haben, wie spektakulär Skicross ist. Ich hoffe, die Deutschen trauen sich, die Sportart zu fördern", sagt Stickl.
In den Worten schwingt Hoffnung mit, in ihnen klingt aber auch Zweifel durch. Der 22-Jährige weiß, dass sein Sport in Nordamerika wegen des Wildwest-Eventcharakters eine große Zukunft vor sich hat. Dort sind Freestyle-Disziplinen wie Snowboard-Halfpipe, Boardercross oder eben Skicross mittlerweile auf dem Weg zu Kernsportarten. Die Skicross-WM findet nächstes Jahr in den USA statt, die Wiederholung des Spektakels von Vancouver ist gewiss.
Aber in Deutschland, dem Land der Bobfahrer und Biathleten? "Das könnte nicht ganz einfach werden", sagt Stickl.
"Bei uns passt das nicht ins Schema"
Neue Sportarten, die nicht den traditionellen Wintersport-Vorstellungen entsprechen, haben es in Deutschland schwer, selbst wenn der Einzug unter die olympischen Ringe gelingt. In Disziplinen wie Buckelpiste (seit 1992 bei Olympia), Ski-Freestyle Aerial (1994), Snowboard-Halfpipe (1998) und Snowboardcross (2006) hinkt Deutschland der internationalen Spitze hinterher. Die vermeintlich lockere Einstellung der Skicrosser, die ebenso wie die Snowboarder viel Wert auf Individualität und Eigenständigkeit legen, kollidiert mit Förderrichtlinien und Kaderplanungen eines Verbandes, so sieht das zumindest mancher Funktionär. "In Amerika mit seinem starken Glauben an die Freiheit des Einzelnen geht das vielleicht, aber bei uns passt das nicht ins Schema", sagt Wolfgang Maier, Alpin-Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes.
Im Video: Aus deutscher Sicht waren die olympischen Spiele in Vancouver ein großer Erfolg. Der Teamchef des DOSB spricht von einer fantastischen Leistung. 29 Medaillen hat das deutsche Team bisher gewonnen, so viele wie vor 4 Jahren in Turin.
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Der Flügelflitzer
Es ist doch breite Erkenntnis, daß Höchstleistungen und Medaillen nur erreicht werden, wenn genügend Geld zur Förderung der Spitzensportler vorhanden ist. Die DDR hat es mit der Förderung des Sports von Staatswegen vorgemacht. Jetzt endlich hat man dies auch in der Bundesrepublik begriffen. Nur in der DDR kamen die Medaillengewinner nicht so einseitig wie heute von den "bewaffneten Organen". Von den 29 deutschen Medaillen holten 23 die Sportsoldaten der Bundeswehr, der Bundespolizei und des Zolls. Zwei Drittel der deutschen Olympiateilnehmer kamen ebenfalls von dort. Wo bleiben die übrigen Sportvereine? Scheinbar fördert der Bund nur die Uniformierten und die Länder tun nichts.
.... aber so was saudummes wie bobfahren oder rodeln, noch schlimmer skeleton, ist doch nur zum gähnen.
der "tödliche" eiskanal in vancouver hat übrigens 75 mio. dollar gekostet, und nicht 10 mio., wie "joseph conrad" meint.
aber die staatliche verkrustung geht halt bis hoch hinauf in die sportfunktionäre, auch da alles nur ein geschachere um viel geld.
Wie kompetent die Damen und Herren beim Deutschen Skiverband und der FIS in diesen neuen Themen & Sportarten sind, das beweisen die Aussagen von DSV Teamchef Maier - hier und auch in der aktuellen ZEIT.
Es macht wirklich Vergnügen, diese nochmal zu zitieren:
"Einer wie White zieht bei uns nicht."
"Es gibt ja die Halfpipes in unseren Skigebieten,
aber keiner geht rein."
"Vielleicht bin ich schon zu alt, um beurteilen zu können,
ob das wirklich die jungen Leute anzieht."
Aber womöglich ist das letzte Statement ja tatsächlich das ultimative Eingeständnis und Erkenntnis,
sich auch mal von Experten in diesem Bereich helfen zu lassen.
Ich finde, man sollte hier keine Sportarten gegeneinander ausspielen - weder von Medien-, noch von Aktivenseite aus. Unabhängig davon wie etabliert eine Sportart jetzt aber ist, sollte man von Seiten des darüberstehenden Verbandes dafür sorgen, dass man Trainigsmöglichkeiten anbietet.
Und von Seite der Medien, v.a. der ÖR, kann man ja auch mal das ein der andere Sonowboard-Event übertragen. Ich persönlich könnte dafür bspw. darauf verzichten, dass man im Skispringen auch schon den Quali-Durchgang zeigt.
...zeigen sich jetzt die Auswirkungen eines wohl schon von Vielen vergessenen Ereignisses:
Der internationale Skiverband FIS (und damit auch der deutsche DSV) hat Mitte der neunziger Jahre die Zuständigkeit für Snowboardwettbewerbe vom damals bestehenden Snowboardweltverband usurpiert und unter Ausnutzung seiner, aufgrund seiner langen Geschichte durchaus vorhandenen guten Verbands- und Vereinsstruktur und seiner starken Stellung im IOC dafür gesorgt, dass Snowboard nur unter seiner Ägide olympisch werden konnte. Die FIS hat damals geerntet wo sie nicht gesät hat! Tatsächlich war ihr aber wohl das Snowboard als Konkurrenz zum klassischen Ski ein Dorn im Auge. Der damalige Snowboardweltverband ist übrigens inzwischen Pleite - von der FIS da reingetrieben. Wo soll also die Lobby fürs Snowboard herkommen? Snowboardfahren hat übrigens mit Skifahren nichts zu tun - das wir jeder der beides kann bestätigen. Es mag Berührpunkte geben, aber die gibt 's auch zwischen Skilanglauf und Schlittschuhfahren.
Statt innovative Sportarten zu fördern knallt man lieber bei jeder Olympiade eine mehrere zehn Millionen teure Bob- und Rodelbahn in die Landschaft, die man meist nach einigen Jahren wieder abreisst, weil es für Kunstbahnbob- und rodel halt nunmal absolut Null Breitensport gibt. Es gäbe die Alternative Naturbahnrodeln.
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