Deutsche Nationalmannschaft Schwierige Suche nach dem richtigen Quartier

Fühlte sich 2014 im Campo Bahia sauwohl: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: dpa)

Wo lässt sich die deutsche Mannschaft während der WM in Russland nieder? Die Wahl des Quartiers ist so delikat, dass sie sogar dem tiefenentspannten Bundestrainer Stress bereitet.

Kommentar von Philipp Selldorf

Der Bundestrainer musste sich hier und da ein wenig Spott gefallen lassen, als er am Dienstag in Köln seinen Mitmenschen ein frohes Weihnachtsfest gewünscht hatte, mancher machte sich über seine ausgedehnten Semesterferien lustig, aber natürlich ist es keineswegs so, dass sich Joachim Löw jetzt zum Winterschlaf auf die Seychellen verzieht. Tatsächlich war er schon am Donnerstag wieder im Einsatz, indem er der Bambi-Gala in Berlin Glanz verlieh. Dort saß er im Smoking neben Claudia Schiffer, und es kam die Frage auf, wer nun eigentlich das Top-Model wäre.

Bis er am 23. März 2018 wieder ein Fußballspiel dirigieren wird (dann geht es gegen die edlen Spanier), muss Löw jedoch noch weitere Dienstpflichten absolvieren, die für das Schicksal der Nation sogar noch mehr Bedeutung haben als die traditionelle Fernsehpreis-Verleihung. Am 1. Dezember wohnt der DFB-Chefcoach im Moskauer Kreml der Auslosung für die WM-Endrunde bei, und sobald anhand der Gruppenzuteilung einigermaßen Klarheit über den Weg durch das Turnier besteht, muss Löw eine Entscheidung treffen, die für die Öffentlichkeit weniger wichtig zu sein scheint, für das Projekt Titelverteidigung von größter Bedeutung ist. Es geht um das empfindliche Thema, wo sich die deutsche Mannschaft während der Zeit in Russland niederlassen wird. Zwei Optionen stehen zur Wahl: Das eine Quartier befindet sich in Sotschi am Schwarzen Meer, das andere in der Nähe von Ramenskoje, ungefähr 50 Kilometer östlich der Hauptstadt Moskau.

Es versteht sich, dass es den Spielern in beiden Unterkünften vom Schwimmbad bis zum elektrischen Hosenbügler an nichts mangeln wird. Doch Luxus ist nicht der Maßstab. Es kommt auf den Geist des Ortes an, den man gar nicht überschätzen kann, und auf die Beherrschung der logistischen Herausforderungen. Die Ansprüche sind hoch.

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Wenn es bei Turnieren um das Wohnen der Fußballer ging, waren die Leute vom DFB immer auf sehr deutsche Art gründlich und vorausschauend. Bloß in Brasilien nahm man Abstand vom Frühbucher-Prinzip und suchte das Abenteuer. Als sich Oliver Bierhoff und Jogi Löw vor vier Jahren für das Campo Bahia in Santo André entschieden, war das Domizil nicht viel mehr als eine schöne Fantasie. Der Bau der Hotelanlage befand sich im frühen Stadium und war längst nicht abgeschlossen, als die Spieler ihre Bungalows bezogen. Doch als die Deutschen das Campo verließen, um zum Endspiel nach Rio de Janeiro aufzubrechen, herrschten Wehmut und Dankbarkeit, und Löw rühmte den "extremen Wohlfühlfaktor" der spirituellen Wohngemeinschaft.

Sotschi oder Ramenskoje kommen infrage

Die Olympia-Stadt Sotschi hat zwar eher Ähnlichkeit mit Rimini als mit dem stillen Dorf am Atlantik, aber auch Sotschi hat seinen speziellen Charme, wie der Bundestrainer aus den Erfahrungen beim siegreich beendeten Confed Cup weiß. Lieber würde Löw seinen Espresso mit Ausblick auf den Strand und die Schweinswale (im Wasser) nehmen als mit Blick in die Birkenwälder im platten Umland der Elf-Millionen-Metropole. Sotschi verspricht Leichtigkeit und Sonnenschein.

Und Ramenskoje? Verspricht Ramenskoje zu sein. Andererseits soll die Mannschaft nicht auf dem Weg zu den Spielen Abertausende Flugkilometer absitzen. Sotschi ist der südlichste Spielort, die Wege ins Land sind weit, und Moskau ist das Zentrum des Turniers. Falls es die Deutschen ins Finale schaffen sollten, würden sie bis zu vier Partien in Moskau absolvieren, zwei sind es mindestens.

Die Wahl des WM-Quartiers ist folgenschwer und schwierig. Beinahe möchte man meinen, dass sie dem Bundestrainer ernsthaft Stress bereiten könnte.

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