Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Die Erkenntnis aus dem Norwegen-Spiel: Das deutsche Team ist nicht so schlecht, wie es sich präsentiert hat - aber auch nicht so gut, wie es von sich glaubt.

Der Fußballweise Franz Beckenbauer hat es schon vor vielen Jahren festgestellt: Testspiele sind Testspiele sind Testspiele und verdienen deswegen keine Fernsehübertragung und kein großes Publikum. Das trübe Länderspiel gegen Norwegen hat ihn nun wieder bestätigt. Den Zuschauern vor den Bildschirmen wurden ein paar schöne Stunden geraubt, den Besuchern des Stadions in Düsseldorf ist obendrein noch finanzieller Schaden entstanden. Die zumindest aufrichtigen Eröffnungen einiger beteiligter Spieler, in einem solchen Spiel ohne zählbaren Wert die rechte Motivation zu vermissen, wird zum Trost nicht beigetragen haben.

Nationalelf - Joachim Löw

Joachim Löw konnte mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden sein. (© Foto: dpa)

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Beckenbauers Empfehlung, Tests zur Fortbildung von Mannschaft und Trainer sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit im privaten Labor aufzuführen, ist natürlich nicht zeitgemäß. Sie ist es nie gewesen: Der Fußball musste auch vor dreißig Jahren schon auf großer Bühne rollen, damit der Verband daran verdient, schließlich ist die Nationalelf nicht nur der bedeutendste DFB-Vertreter, sondern auch der einträglichste.

In Frankfurt wird man daher die Tendenz zum laschen Auftritt mit Sorge und Ärger sehen, sie ist peinlich und im fortgesetzten Fall sogar geschäftsschädigend. Auch der Bundestrainer erinnerte sich beunruhigt einer Reihe von ziemlich lustlosen Vorstellungen in heimischen Arenen: Zum Beispiel bei den Partien gegen Tschechien (0:3) und gegen Wales (0:0) in der EM-Qualifikation, zuletzt im November beim 1:2 gegen England.

Joachim Löw muss dabei nicht nur den Ansehensverlust für seine Mannschaft und seine Arbeit bedenken. Er muss auch befürchten, dass mit dem Phänomen ein sportliches Problem einhergeht. Wenn die Nationalmannschaft eingehend eingeschworen wird wie im Oktober vor dem Spitzenspiel gegen Russland, dann ist sie zu ihrer besten Leistung bereit und imstande. Ohne dieses Gefühl der stärksten Spannung bringt sie die nötige Leidenschaft nicht auf. Selbst im relevanten Wettbewerb ist dieser Unterschied schon deutlich geworden. Während der Europameisterschaft waren die Deutschen das Opfer ihrer Selbstüberschätzung, als sie im Gruppenspiel gegen Kroatien verloren und sich im Halbfinale beinahe den Türken geschlagen geben mussten.

Das Treffen mit Norwegen bringt daher die Erkenntnis, dass das deutsche Team sicher nicht so schlecht ist, wie sie sich präsentiert hat, dass sie aber auch nicht so gut ist, wie sie von sich glaubt. Sie hat nicht die spielerischen Vorteile, um einen solchen Gegner mit graziöser Leichtigkeit zu besiegen. Sie braucht dafür alles was sie hat, vor allem Kraft und Entschlossenheit. Wenn diese simple Botschaft angekommen ist, dann hat dieses, das Publikum beleidigende Testspiel wenigstens ein bisschen Nutzen gehabt.

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(SZ vom 13.02.2009/jüsc)