Deutsche Nationalelf in Amerika Rechenaufgabe gegen Klinsmann

Einst zusammen auf der Bank, bald immerhin Testspiel-Rivalen: Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und US-Coach Jürgen Klinsmann.

(Foto: AFP)

In acht Wochen reist die Nationalelf nach Amerika. Der Termin liegt so ungünstig, dass zur spannenden Frage wird, wen Löw überhaupt mitnehmen kann. Womöglich muss er auf alle Bayern- und BVB-Profis verzichten.

Von Christof Kneer

Am Ende kam noch die Frage auf, was Philipp Lahm am 1. Juni lieber machen würde: mit der deutschen Nationalelf Amerika bereisen oder mit dem FC Bayern das deutsche Pokalfinale bestreiten. "Das können Sie sich doch denken", antwortete er höflich: Wenn er die Wahl hätte, würde er sich die Reise sparen und stattdessen "am liebsten einen Titel gewinnen".

Es sind noch acht Wochen hin, bis eine DFB-Delegation ein Flugzeug besteigen wird, um nach Amerika aufzubrechen, wo Testspiele gegen Ecuador (29. Mai in Boca Raton) und Jürgen Klinsmanns US-Auswahl (2. Juni in Washington) verabredet sind. Wer aber an Bord der Maschine sein wird, das könnte sich noch zur kniffligen Rechenaufgabe auswachsen.

Sollten die Bayern das Pokal-Halbfinale gegen Wolfsburg überstehen, würden neben den Auslandsprofis auch alle Münchner für Amerika ausfallen; sollten die Dortmunder zusätzlich das Champions-League-Finale am 25. Mai erreichen, wäre zur Vervollständigung der Passagierliste erhebliches Improvisationstalent gefragt, zumal Löw auch U21-Trainer Rainer Adrion versprochen hat, seinen Pool nicht anzuzapfen; die U21 spielt im Juni ihre EM in Israel.

Demnächst werden sie beim DFB überlegen, wie sie auf die Sollstärke von 18 Feldspielern plus drei Torhüter kommen. Aufgefüllt werden könnte der Kader mit einem Mix aus Rückkehrern, interessanten Bundesligaprofis und jungen Perspektivspielern. Neben Westermann und Jansen könnten auch Ehemalige wie Dennis Aogo oder Serdar Tasci wieder Aufnahme finden; aus der Liga dürften sich Überraschungsgäste wie der Freiburger Max Kruse Hoffnungen machen.

Womöglich könnte Löw auch auf jene U21-Spieler zugreifen, die Adrion nicht mit zur EM nimmt, oder er entscheidet sich, einige ganz Junge kennenzulernen, die irgendwann mal A-Elf-Kandidaten werden könnten, Matthias Ginter, 19, aus Freiburg (falls der nicht ebenfalls das Pokalfinale erreicht) oder gar Leon Goretzka, 18, aus Bochum - falls die wiederum nicht mit zur U21-EM fahren.