Deutsche Athleten bei Biathlon-WM Kleine Versöhnung in Nove Mesto

Biathletin Miriam Gössner: im Stehendschießen ohne Fehler

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Miriam Gössner kann wieder lachen: Bei der Biathlon-WM in Nove Mesto wird sie Sechste, eine Ukrainerin überrascht die Konkurrenz. Für die deutschen Männer geht es nach dem Debakel zum Auftakt mit einer Enttäuschung weiter. Erik Lesser wird Zwölfter, während der Norweger Emil Hegle Svendsen bereits zum zweiten Mal Gold holt.

Von Saskia Aleythe

Es würde eine anstrengende Woche werden, das war von Anfang an klar. Miriam Gössner tat viel dafür, den Ausgang versöhnlich zu gestalten, vor dem Sprint bei der Biathlon-WM in Nove Mesto präsentierte sie sich als Stehauf-Frauchen. Am Donnerstag noch hatte sie den Kopf in den Armen ihrer Teamkollegen vergraben, die Tränen nicht zurückgehalten über die schlechte Leistung mit der Mixed-Staffel. Kaum einen Tag später sprach dann die frisch motivierte Miriam Gössner: "Es gibt eine neue Chance, und das Rennen geht bei Null los. Es heißt Vollgas geben, von Anfang an. Ich freue mich drauf."

Der selbstbewussten Ansage folgte beim Sprint zwar keine Medaille: Der Sieg ging an Olena Pidhrushna aus der Ukraine, Silber holte sich die Norwegerin Tora Berger vor der Ukrainerin Vita Semerenko. Eine deutlich befreite Gössner schaffte es aber auf Rang sechs und wurde damit beste Deutsche.

So richtig verstehen konnten die deutschen Athleten ihr Abschneiden zum Auftakt der WM selbst nicht, allesamt waren neben dem Schießen auch auf der Loipe nicht überzeugend - selbst die sonst so laufstarke Gössner kam an der Konkurrenz nicht vorbei. Das Wort "verwachst" mochte keiner der Athleten in den Mund nehmen, auch Bundestrainer Uwe Müßiggang verteidigte die Techniker vehement. Aber er gab auch zu verstehen, dass Gössner mit dem eisigen Kunstschnee nicht zurechtgekommen sei.

Der Schnee blieb freilich der gleiche, auch beim Sprint musste sich Gössner über die Strecke quälen, am Anfang gleich in zwei zusätzlichen Strafrunden. Da waren sie wieder, die Fehler im Schießen. "Das ist bisschen ärgerlich", sagte Gössner danach, "ich habe auf der Strecke extra Gas rausgenommen, um liegend fehlerfrei zu bleiben und heute eine gute Biathletin zu sein."

Die gute Biathletin kam im zweiten Durchgang am Schießstand wieder durch, das Stehendschießen meisterte sie bravourös - es passte wieder vieles zusammen bei Gössner und auch das Laufen, ihre alte Stärke, offenbarte keine Probleme. Sie lieferte die zweitschnellste Zeit hinter Tora Berger.

Überhaupt, Tora Berger: Die Norwegerin war als Favoritin ins Rennen gestartet, sechs Einzel-Siege feierte sie in der aktuellen Weltcup-Saison und bei der Mixed-Staffel klappte es bereits mit einer WM-Medaille. Die sonst so überzeugende Schützin patzte jedoch im zweiten Schießen. Für die Überraschung sorgten zwei Ukrainerinnen: Die Athletinnen Pidhrushna und Semerenko, die gar nicht in die Mixed-Staffel berufen wurden, glänzten mit null Fehlern und einer starken Vorstellung auf der Loipe.

Für die anderen deutschen Athletinnen brachte der Tag durchwachsene Ergebnisse: Franziska Hildebrand platzierte sich als einzige fehlerfreie Deutsche auf Rang 13. Bitter lief es für Andrea Henkel, drei Fehler im Schießen katapultierten sie auf Platz 33, Nadine Horchler wurde mit vier Strafrunden gar 84.

Dass sie nun fitter sei als vor zwei Tagen, wollte Gössner nicht bestätigen, sie sei auch beim Auftakt schon in Form gewesen, das Abschneiden zum Auftakt habe an "anderen Dingen" gelegen. Für die Verfolgung am Sonntag hat sich die 22-Jährige nun in Position gebracht. "Die Abstände sind ziemlich eng, das wird richtig spannend werden." Beste Chancen also, die Woche doch noch versöhnlich enden zu lassen.

Bei Andreas Birnbacher waren die Sorgen schnell vergessen. Der Auftakt der Biathlon-WM, der für die deutsche Mixed-Staffel so schlecht verlief wie nie zuvor, ließ ihn weniger deprimiert zurück als seine Kolleginnen. Vorwürfe musste er sich ohnehin keine machen: Als Schlussläufer war für ihn nicht mehr viel zu holen, das Rennen war vorher schon verloren, das Debakel besiegelt. Dass Birnbacher am Ende doch noch zum Zielsprint ansetzte, sprach für sich. Gegen den Schweizer Benjamin Weger hatte er dann zwar das Nachsehen, doch couragierter konnte man ein Rennen mit dem Resultat Rang 13 nicht beenden.

Biathlet Erik Lesser: stark erschöpft nach Platz zwölf im Sprint

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Courage verhalf Birnbacher beim Sprint über 10 Kilometer nicht dazu, in den Medaillenkampf einzugreifen: Emil Hegle Svendsen holte seine zweite Gold-Medaille bei der WM, Zweiter wurde Martin Fourcade aus Frankreich vor Jakov Fak aus Slowenien. Birnbacher landete auf Rang 23 und musste sich im deutschen Duell Erik Lesser auf Rang zwölf geschlagen geben.

Zwei Rennen konnte Birnbacher in dieser Weltcup-Saison schon gewinnen, den Sprint in Hohenfilzen und den Massenstart im slowenischen Pokljuka. Große Hoffnungen machen wollte er vor dem Sprint trotzdem nicht. "Klar ist das Ziel eine Medaille", so Birnbacher, "aber ich bin immer gut damit gefahren, wenn ich ein bisschen tiefstaple und nicht vorher auf den Putz haue. Die Chancen sind definitiv da."

Bei der Auslosung der Startnummern hatte Birnbacher Glück, er durfte als Achter auf die Strecke, die dann noch frisch und unversehrt daherkam. Das erste Schießen ging Birnbacher mutig an und wurde dafür belohnt: Fünf Treffer, keine Strafrunde, beste Aussichten also. Das alte Manko aber blieb auch bei der WM das Stehendschießen: Zwei Fehler leistete er sich da. Zu viel angesichts der starken Konkurrenz.

Das Duell der Favoriten konnte Svendsen für sich entscheiden: Mit einem Schießfehler kam er ins Ziel, mit 8,1 Sekunden Vorsprung vor Martin Fourcade mit ebenfalls einer Strafrunde. Noch bevor der Norweger erschöpft zu Boden sinken konnte, reichte ihm Fourcade schon zum Glückwunsch die Hand. Es sei für ihn von Vorteil gewesen, sagte Svendsen später, nach Fourcade gestartet zu sein, "da konnte ich mich immer mit ihm vergleichen". Ob er nach Gold in der Mixed-Staffel und nun Gold im Sprint einen neuen Medaillen-Rekord aufstellen werde? "Die WM hat erst angefangen, das wird sehr spannend." Die Ergebnisse des Sprints bilden die Ausgangslage für die Verfolgung am Sonntag.

Erik Lesser, der in der laufenden Weltcup-Saison bereits einmal Dritter wurde, überzeugte auf der Loipe als bester Deutscher mit einem Fehler im Schießen und einer soliden Laufleistung. "Ich bin heute wirklich ganz zufrieden", sagte Lesser nach dem Rennen und wirkte gelöst. Arnd Peiffer musste ebenfalls eine Strafrunde laufen und landete auf Rang 16. Simon Schempp schoss zweimal vorbei und wurde 28.

Weltmeisterschaften sind für Andreas Birnbacher keine unbekannte Herausforderung, fünf Medaillen konnte er schon gewinnen, einmal Gold mit - ja, das ist wahr - der Mixed-Staffel in Östersund 2008. In Nove Mesto scheint die Konkurrenz diesmal zu stark zu sein. "Man muss eine sportliche Karriere nicht unbedingt nur an Titeln messen", sagte Birnbacher einst. Bei dieser WM wird das wohl vorerst das Beste sein.