Konzernchef Herbert Hainer, als Fußballspieler ehemals nur in der Bayernliga, will Adidas zum größten Sportartikler der Welt machen
Auf sein Geburtsdatum ist Herbert Hainer stolz. Denn nicht irgendein 3. Juli ist jener des Jahres 1954 gewesen, sondern der Tag vor dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Bern.
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"Eigene Firmenkonjunktur geschaffen": Adidas-Chef Herbert Hainer (© Foto: dpa)
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Damals kickten Deutschlands Nationalfußballer ihr Land aus der Nachkriegsdepression. Und geht es nach Hainer, dem Vorstandsvorsitzenden der Adidas AG, dann soll nun die WM 2006 Konjunkturfrust und Zukunftsängste hierzulande vertreiben helfen. "Unsere Taktik heißt Offensive", sagt Hainer angriffslustig.
Flaue Konjunktur? "Wir haben uns längst abgekoppelt und unsere eigene Firmenkonjunktur geschaffen."
In der Tat glänzt Europas mit weitem Abstand größter und weltweit zweitgrößter Sportartikelhersteller mit imposanten Erfolgszahlen, seit der Metzgerssohn aus dem niederbayerischen Dingolfing vor fünf Jahren das Kommando übernommen hat.
Mit 383 Millionen Euro fuhr Adidas 2005 den höchsten Nettogewinn der Firmengeschichte ein. Hainer stieß die ungeliebte und wenig profitable Wintersportmarke Salomon zu ordentlichen Konditionen ab, und er verantwortet eines der spektakulärsten Übernahmegeschäfte der jüngeren Zeit: Für 3,2 Milliarden Euro kaufte Adidas den US-Konkurrenten Reebok.
Damit katapultieren die Franken ihren Umsatz in diesem Jahr auf voraussichtlich 9,5 Milliarden Euro und verkürzen den Abstand auf den lange unerreichbar scheinenden Branchenführer Nike (über 11 Milliarden Euro).
Und nun auch noch die Fußball-WM auf dem Heimatmarkt. Adidas ist dort präsenter als jedes andere Unternehmen. Man ist nicht nur einer von 15 Hauptsponsoren, sondern auch Lizenznehmer und vor allem offizieller Ausrüster des Turniers.
Adidas kleidet sämtliche Schiedsrichter, Balljungen und Offizielle ein und stellt den Spielball. Daher nimmt es Hainer offiziell gelassen, dass Adidas mit sechs dreigestreiften Nationalmannschaften als Team-Ausrüster hinter dem viel kleineren Herzogenauracher Lokalrivalen Puma (12) und Nike (8) nur Rang drei Rang einnimmt.
Dass ausgerechnet der amtierende Weltmeister Brasilien in Nike aufläuft, lässt ihn offiziell ebenfalls kalt. So ganz nimmt man ihm diese Coolness allerdings nicht ab, denn Hainer wirkt vom Ziel getrieben, der Beste, die Nummer eins, zu sein.
Er gilt als ungeduldig, direkt und bodenständig. Ehrgeiz und Rastlosigkeit sprechen aus seinen Interviews und Reden. "An uns dribbelt keiner vorbei", rief er unlängst bei der Hauptversammlung den Aktionären zu, eine verärgerte Replik auf die kühne Behauptung Nikes, Adidas als Nummer eins im Geschäft mit Fußballprodukten längst abgelöst zu haben.
Kein Wunder, dass der leidenschaftliche Fußballfan nach eigener Aussage am liebsten Stürmer einer Profimannschaft geworden wäre. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der es mit dem TSV 1860 München bis in die Bundesliga schaffte, gipfelte seine Kickerkarriere allerdings in der früheren Bayernliga - zwei Stufen unter der Bundesliga.
Nach dem Betriebswirtschaftsstudium heuerte er 1979 beim Konsumgüterkonzern Procter&Gamble an, wo er Windeln der Marke Pampers vertrieb. Adidas steckte in der Krise, als Hainer 1987 als Vertriebsmann für Taschen, Schläger und Bälle nach Herzogenaurach kam. Er selbst legte einen rasanten Aufstieg hin.
1996 verantwortete Hainer bereits Verkauf und Logistik in Europa, Afrika und dem Nahen Osten, ein Jahr später wurde er in den Vorstand berufen. Im November 1997 wurde er Stellvertreter von Vorstandschef Robert Louis-Dreyfus und kümmerte sich fortan um die Restrukturierung des Konzerns. Er reduzierte die Produktpalette, straffte Betriebsabläufe und Logistik.
Nach Hainers Aufstieg an die Konzernspitze im Jahre 2001 war eine seiner ersten Handlungen die zehnprozentige Beteiligung von Adidas an der FC Bayern München AG. Damit schob Hainer dem drohenden Einstieg von Nike beim deutschen Renommierclub einen Riegel vor.
Die laufende WM nennt Hainer "eine Jahrhundertchance für Adidas". Die Franken wollen sie dafür nutzen, ihren Umsatz in der Fußballsparte von 900 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro zu treiben. Hainer selbst stürmt dabei vorne weg. 19 Spiele will er besuchen und dabei am Rande Funktionäre, Spieler und andere Verantwortliche des Milliardengeschäftes Fußball treffen.
Gleich nach dem Finale, in dem Hainer erklärtermaßen am liebsten die Adidas-Partner Deutschland und Argentinien sähe, bricht der Manager in die USA auf. Dort wartet in Canton/Massachusetts sein größtes und schwierigstes Spiel: Er muss die zuletzt arg schwächelnde Neuerwerbung Reebok auf profitablen Kurs bringen.
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