Der letzte Ehrgeiz fehlt

Im glanzlosen Duell zweier WM-Favoriten geben sich Argentinien und die Niederlande mit einem 0:0 zufrieden.

Von Peter Burghardt

Ein bisschen mehr hatten sich die 48.000 Eintrittskartenbesitzer im Frankfurter Waldstadion schon erwartet, als am lauen Mittwochabend erstmals bei dieser WM zwei Mannschaften aufeinander trafen, die sich schon mal in einem Finale begegnet waren.

Viel Zweikampf, wenig Glanz: Das Spiel Argentinien gegen Holland wird man bald vergessen haben.

(Foto: Foto: dpa)

Auf dem grünen Spielfeld leuchteten die hellblau-weißen und orangefarbenen Trikots wie damals 1978 beim heimischen 3:1-Sieg in Buenos Aires, doch diesmal beschränkten Argentinien und Holland ihr Engagement - sie hatten sich ja nach ihren beiden Siegen zuvor bereits für die nächste Runde qualifiziert.

Mit dem eher glanzlosen 0:0 waren offenbar beide zufrieden. Gruppenerster bleiben damit die Argentinier, die nun wie erhofft am Samstag in Leipzig auf Mexiko treffen. Die Niederlande bekommen es am Sonntag in Nürnberg mit Portugal zu tun.

Argentinisch-Niederländisches Ehepaar

Mindestens ein Ehepaar unter den Gästen hatte sich von Anfang an nicht einigen können, wer diesen leicht entwerteten Klassiker gewinnen sollte.

Hollands Kronprinz Willem Alexander hat eine Argentinierin geheiratet, Prinzessin Maxima, und so saßen die beiden mit unterschiedlichen Vorlieben auf der Tribüne, nachdem sie zuvor den hessischen Ministerpräsidenten versetzt hatten und direkt in die Arena gefahren waren.

Umgeben wurden ihre Hoheiten von weiteren Würdenträgern wie dem niederländischen Premier Balkenende, dem inoffiziellen König Johan Cruyff und dem inoffiziellen Staatsoberhaupt Diego A. Maradona, der an diesem Donnerstag das 20. Jubiläum seines göttlichen Regelverstoßes begeht.

Als Edelfan ist Maradona nun bereits Standard auf den Rängen dieser WM, diesmal war er vor Anpfiff unter anderem dabei zu besichtigen, wie er Michel Platini herzte. Doch die größten Attraktionen schienen dennoch auf dem Spielfeld zu besichtigen zu sein, trotz aller Wechselspiele und Vorsichtsmaßnahmen.

Unauffälliger Wirbler

Beide Trainer hatten zwar zunächst fünf Mann aus der Stammelf zuschauen lassen, um sie vor Verletzungen oder der zweiten gelben Karte zu bewahren. Marco van Basten verzichtete auf die vorbestraften Arjen Robben, Mark van Bommel, Giovanni van Bronckhorst, John Heitinga sowie Joris Mathijsen und schickte nur Verteidiger Khalid Boulahrouz mit einer Verwarnung aufs Feld, um ihn Praxis sammeln zu lassen.

Jose Pekerman schonte Kapitän Juan Pablo Sorin, (die Binde trug wieder Vorgänger Roberto Ayala), Gabriel Heinze und das Stürmerduo Javier Saviola/Hernan Crespo. Dessen Rolle allerdings übernahmen die Herren Lionel Messi und Carlos Tevez, und so bekam das Publikum erstmals bei diesem Turnier von Anfang an zwei der umschwärmtesten Begabungen des Weltfußballs zu sehen.

Anfangs hatte sie Pekerman hauptsächlich auf der Ersatzbank sitzen lassen, auf dass sie sich ja nicht weh tun, ehe sie beim 6:0 gegen Serbien-Montenegro je ein Tor schießen durften. Diesmal also wirbelte Tevez links und Messi rechts, wobei der erste auffälliger begann als der zweite.

Tevez schoss nach 17 Minuten knapp am holländischen Tor vorbei - ein erster Warnschuss, weitere folgten. Einzig Dirk Kuyt unterbrach anfangs das argentinische Kurzpassspiel mit einem strammen Rechtsschuss von der linken Seite, allein gelassen vom später verletzten und ausgewechselten Nicolas Burdisso.

Mit Kraft an die Latte

Ansonsten durften Pekermans Männer weitgehend ungestört kombinieren. Erneut Tevez wurde in letzter Not von Kew Jaliens gestoppt, nach Freistoß von Juan Roman Riquelme traf er gemeinsam mit Boulahrouz dann nach 28 Minuten kraftvoll die Latte, was auch in der Wiederholung auf dem Videowürfel sehr eindrucksvoll aussah.

Und weil die Südamerikaner schon wieder so gut in Schwung waren, schoss Maxi Rodriguez mächtig aus 25 Metern und verfehlte sein Ziel nur knapp. Laut Halbzeitstatistik hatte Holland in Teil eins öfter den Ball, doch besser umgehen konnten damit bei weitem die Argentinier, wenn auch zum ersten Mal bei dieser WM 45 Minuten lang ohne Ertrag.

Die argentinischen Anhänger um Maradona sangen trotzdem inbrünstig, "Argentinien, jeden Tag lieben wir dich mehr", und nach der Pause ging die Sturm- und Drangzeit erstmal weiter.

Riquelme trat die Plastikkugel mit den merkwürdigen Flugeigenschaften knapp links vorbei, Maxi Rodriguez scheiterte mit einem weiteren Versuch aus der Distanz. Schon begann man das effektivere Duett Saviola/Crespo zu vermissen, denn Tevez und Messi spielten eher alleine als zusammen.

Messi enttäuscht

Nach 69 Minuten schlicht Messi mit hängendem Kopf vom Platz, ohne sein außerordentliches Talent wirklich genutzt zu haben, ihn ersetzte Julio Cruz.

Van Basten wiederum nahm seinen Torjäger Ruud van Nistelrooy in Verwahrung, das sah nach erhöhter Vorsicht aus, der quirlige Kuyt und zweimal Phillip Cocu jedoch brachten die nachlassenden Argentinier vorübergehend in Schwierigkeiten, Cocu verpasst kurz vor Abpfiff noch eine weitere Gelegenheit.

Tevez stellte gegenüber Edwin van der Saar auf die Probe, aber der letzte Ehrgeiz schien auf beiden Seiten zu fehlen. Zehn Minuten vor Schluss verabschiedete sich auch Regisseur Riquelme widerwillig, und Messi bohrte auf der Bank Nase. 0:0 - immerhin gibt es beim holländisch-argentinischen Prinzenpaar keine Probleme.