In Belgien hat ein Schiedsrichter nach einer Fehlentscheidung den Torhüter angefleht, seinen Fehler auszubügeln - ein weiteres Indiz dafür, dass im Fußball derzeit etwas nicht in Ordnung ist.
Es gibt Monate, in denen der Sportfan glaubt, seine Welt sei aus den Fugen geraten - weil nichts so ist, wie er es gewohnt ist. Da steht etwa Hertha BSC Berlin mit vier Punkten Vorsprung an der Spitze der Bundesliga-Tabelle und muss sich ernsthaft Sorgen machen, nach 78 Jahren Durststrecke wieder Deutscher Meister zu werden. Menschen mit historischem Wissen werden nun einwenden, dass der MSV Duisburg in der Saison 1993/94 nach dem 22. Spieltag Tabellenführer war - mit einer Tordifferenz von minus eins übrigens - und am Ende Neunter wurde.
Andreij Woronin von Hertha BSC Berlin: die Mannschaft ist Tabellenführer. (© Foto: ddp)
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Ein weiteres Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt im Fußball, ist die Tatsache, dass Werder Bremen in der Bundesliga zwei Mal in Folge 0:0 spielt. Ja, jene Elf, die sich gewöhnlich für Ergebnisse wie 5:4, 3:3 oder 8:1 verantwortlich zeigt und in der Saison 2006/07 in drei Auswärtsspielen jeweils sechs Tore erzielte. Der Statistik-Freund kann sich damit trösten, dass Thomas Schaaf nicht elf Verteidiger aufs Feld schickt - die Bremer haben einfach nur aus 130 Schüssen in der Rückrunde gerade einmal drei Tore erzielt.
Der deutlichste Beweis indes, dass da gerade etwa überhaupt nicht in Ordnung ist, stammt aus Belgien. Da gab tatsächlich ein Schiedsrichter einen Fehler zu - und das noch auf dem Spielfeld. Peter Vervecken hatte im Erstliga-Spiel zwischen KAA Gent und dem AFC Tubize nach einer Attacke von Gäste-Torwart Nicolas Ardouin auf einen Genter Stürmer auf Elfmeter entschieden - eine offensichtliche Fehlentscheidung, wie auch Vervecken erkannte. Doch was tun?
Vervecken wandte sich reumütig an den Torhüter, die TV-Kameras zeichneten ein Gespräch der beiden auf. "Retten Sie mich!", soll er gesagt haben. "Halten Sie den Ball!" Ardouin allerdings flog trotz der unparteiischen Aufmunterung in die falsche Ecke, Gent erhöhte zum Endstand von 2:0. Vervecken dementierte nach dem Spiel, den Torhüter zu einer Parade aufgefordert zu haben: "Vielleicht hat er mich falsch verstanden. Ich habe Ardouin einfach nur ermuntert, seinen Fehler wieder auszubügeln." Er gestand jedoch untröstlich, einen Fehler gemacht zu haben.
Da kann man nur von Glück sagen, dass die Belgier humorvolle Menschen sind. Man stelle sich so eine Situation nur einmal in Deutschland vor: Ein Schiedsrichter zeigt beim Spiel Schalke gegen Dortmund dem Brasilianer Rafinha die rote Karte und läuft dann auf Jermaine Jones zu mit den Worten: "Retten Sie mich! Gewinnen Sie das Spiel!" Jones und Rafinha würden zur Doppelgrätsche gegen den Referee ansetzen, es gäbe Tumulte und Spielabbruch.
Als Trost bleibt da nur, dass im Fußball wie in der Wirtschaft hin und wieder eine unsichtbare Hand - nicht die von Diego Maradona - eingreift und die Dinge ordnet. Die Schiedsrichter in Deutschland werden weiterhin mit selbstauferlegter Unfehlbarkeit agieren und Werder Bremen wird auch bald wieder ein Tor erzielen. Nur bei Hertha BSC ist sich nicht einmal der gottähnliche Franz Beckenbauer sicher, ob die Hand noch etwas bewirken kann: "Sie müssen nur so weitermachen, dann holen sie den Titel." So etwas hat Beckenbauer nicht einmal über den MSV Duisburg im Jahr 1994 gesagt.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Wenn hinterrücks des Pfeifenmanns ein Spieler mittels bewegtem Ellbogeneinsatz einem Gegenspieler versucht, dessen Jochbein in Fragmente zu zerlegen, ermittelt der DFB doch auch danach 'anhand der Viedeoaufzeichnungen'?
Die Tatsachenentscheidung ist heilig! Diesen Grundsatz hat man zementiert, um den Schiedsrichter nicht in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Dieses Heiligtum ist aber meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Jeder Fußball-"Konsument" weiß heute inzwischen, wie schwer es im Fußball ist, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er hat heutzutage Verständnis für Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Man sollte daher die Tatsachenentscheidung kippen, um auf diese Weise hinterher wenigstens in der Lage zu sein, unberechtigte Sperren zu vermeiden oder auch nachträglich einen Spieler sperren zu können, der vom Schiedsrichter trotz einer Tätlichkeit nur Gelb oder nur eine Ermahnung bekam. Man könnte dann auch gegen unsportliche Schwalben, die kein Mensch mehr sehen will, konsequent und rigoros vorgehen.
Angenommen, es gäbe den Fußball nicht. Und weiter angenommen, jemand würde nun ein neues Ballspiel vorschlagen, welches exakt dem heutigen schnellen Fußball, wie wir ihn kennen, entspricht: Man würde diesen Vorschlag als absurd zurückweisen mit der Begründung: Nicht durchführbar! Wie soll man denn bitteschön richtig entscheiden können, ob jemand abseits steht oder nicht? Wie soll man zweifelsfrei ein elfmeterwürdiges Foul erkennen? Was ist, wenn der Ball von der Latte in den Bereich der Torlinie springt? Tor oder kein Tor? Lächerlich, dieser Vorschlag!
da werden gerade banken mit garantien überhäuft, die, wenn sie erfüllt werden müssen, das land auf jahrzehnte massiv verschulden ließe und er sieht die unsichtbare hand.
die hand maradonas war auch nicht wirklich unsichtbar. es ist ja lobenswert schöne bilder/metaphern sprechen zu lassen, allerdings sollte ein minimum an kohärenz und oder gegenwartsbezug nicht fehlen.
danke für das beispiel.
ich wusste nur dass vor kurzem eine sperre für frank lampard annulliert wurde.
aber trotzdem: videobeweis wäre mal was.
Paging