Von Thomas Hummel

Auf der Insel ist eine wüste Debatte entbrannt, ob bei Olympia 2012 in London eine britische Fußballmannschaft spielen soll. Streit entzündet sich an der Rolle der Schotten.

Da hatte man gedacht, es sei nun zu Ende mit den "politischen Spielen", da geht es nur Stunden nach Olympia in China schon wieder los. Dabei haben die Chinesen diesmal ausnahmsweise nichts damit zu tun, und das ist - nach allem, was geschehen ist vor und während Peking 2008 - auch gut so. Nein, nur einen Tag, nachdem Londons Bürgermeister Boris Johnson die olympische Fahne in Empfang genommen hatte, begannen auf der Insel die Politiker zu streiten. Es geht dabei um ein Thema, das den Briten die Vorfreude auf ihre Spiele in London richtig vermiesen könnte - und die Rolle David Beckhams bei der Abschlussfeier in ein völlig neues Licht stellt.

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Überraschende Vereinigung? Ob bei Olympia 2012 in London Schotten und Engländer gemeinsam in einer Mannschaft spielen, ist umstritten. (© Foto: Getty)

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Wird der Gastgeber 2012 mit einer eigenen Fußballmannschaft um Medaillen spielen?

Diese Frage hört sich im ersten Moment recht profan an. Klar, sie sollen elf Männer und elf Frauen auf den Platz schicken und kicken lassen. Schließlich ist das Spiel ja just dort erfunden worden. Die weltberühmt stimm- und trinkfesten Fans singen im Chor: "Glory, Glory England!" Und genau hier beginnt das Problem.

England? Und was ist mit Schottland? Wales? Nordirland? Der Weltverband Fifa zollt dem Mutterland des Fußballs Tribut, indem es den vier Regionalverbänden des Vereinigten Königreiches zugesteht, mit eigenen Mannschaften zu spielen. Doch für das Internationale Olympische Komitee gibt es nur Großbritannien! Sonst könnte es ja auch Bayern zugestehen, eine eigene Biathlon-Staffel laufen zu lassen. Und Maryland wäre allein mit Michael Phelps auf Platz zehn im Medaillenspiegel gelandet.

Glory, Glory, United Kingdom?

Nun sind die Briten politisch unter der Königin vereint, das geht noch in Ordnung. Aber beim Fußball hört der Spaß auf. Seit 1960 gibt es keine Beteiligung britischer Fußballer bei Olympia, die Gefahr wäre zu groß, dass sie sich in der Umkleidekabine beschimpfen und auf dem Platz gegenseitig niedergrätschen würden. Sollen nun kernige Schotten, Waliser oder Nordiren zusammen mit den verachteten Snobs aus England in einer Mannschaft spielen, nur weil sich in London die Jugend der Welt trifft? Glory, Glory, United Kingdom?

Eine wüste Debatte ist auf der Insel entbrannt, die Premier Gordon Brown noch tiefer in den Umfragenkeller ziehen könnte. Brown, immerhin selbst Schotte, sagt, er könne sich kein olympisches Fußballturnier in London ohne britische Beteiligung vorstellen. Er hat sogar schon einen Trainer: Alex Ferguson, ebenfalls Schotte. Doch den schottischen Nationalisten ist das nicht genug. Der First Minister von Schottland, Alex Salmond, erwidert, Mister Brown habe mit seinem Vorschlag "ein massives Eigentor" geschossen. Mister Brown müsse sich weit von Schottlands Seele entfernt haben. Er solle doch nach Hause gehen und noch einmal darüber nachdenken.

Das Boulevardblatt The Sun ging dennoch weiter: Nicht Ferguson, sondern (jetzt kommt's!) David Beckham soll der erste britische Nationaltrainer seit Jahrzehnten werden. Beckham ist in Schottland vermutlich so beliebt wie Uli Hoeneß auf Schalke. Doch der Vorschlag hat auch Charme: Vielleicht coacht Beckham ja aus Werbegründen seine Mannschaft im Doppeldeckerbus sitzend mit einem Brausegetränk in der einen und einem Burger in der anderen Hand. Und seine Frau singt dazu: "There is only one David Beckham!" Bürgermeister Boris Johnson versprach schließlich schon im Pekinger Vogelnest, London werde "auf den britischen Witz, Einfallsreichtum und Genialität setzen."

Was die Schotten, Waliser und Nordiren dazu sagen, bleibt abzuwarten.

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(sueddeutsche.de/jüsc)