Andrej Woronin hat am Wochenende die 1000. rote Karte der Bundesliga gesehen. Die ungewöhnlichste Verwarnung indes gab es bei einem Elfmeter in England.
Es ist für einen Sportler immer schön, wenn er einen Titel oder einen Preis verliehen bekommt. Es muss nicht gleich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft sein oder ein Pokalsieg oder die Auszeichnung "Weltfußballer des Jahres". Es sind schon die kleinen Freuden, die das bisweilen triste Dasein eines Fußballprofis versüßen.
Andrej Woronin nach seiner roten Karte. (© Foto: ddp)
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Das kann das "Tor des Spieltags" sein oder ein anerkennendes Nicken durch Mark van Bommel - für Christian Lell wäre es schon ein schöner Titel gewesen, hätte er am vergangenen Mittwoch wenigstens den Preis für den "einzigen gewonnenen Zweikampf des Abends gegen Lionel Messi" mitgenommen.
Es gibt allerdings Titel, die Sportler nicht so gerne entgegennehmen. Lell etwa gilt nach sueddeutsche.de-Recherchen als Spieler mit den "meisten Minuten ohne gewonnenen Zweikampf gegen Lionel Messi" und als Spieler mit den "meisten Minuten ohne anerkennendes Nicken durch Mark van Bommel". Negative Meilensteine, die für einen Spieler schwer wieder wegzuheben sind.
Ein solcher Meilenstein der unangenehmen Art ereilte auch Andrej Woronin. Er ertrotzte sich am vergangenen Spieltag die 1000. rote Karte der Bundesliga-Geschichte, die nicht nur deshalb in Erninnerung bleiben wird, weil sie eben die 1000. war, sondern auch aufgrund des Zustandekommens. Der gefrustete Woronin stellte seinem Gegner Leo Andreasen ein Bein und kickte danach noch den Ball nach dem am Boden liegenden Spieler von Hannover 96. Es war die 89. Minute in diesem Spiel, Hertha lag mit 0:2 in Rückstand, weshalb ein Reporter den Platzverweis als "den unnötigsten der Geschichte" bezeichnete.
Nun muss man sich freilich die Frage stellen, wie nötig Hinausstellungen überhaupt sind. War es etwa nötig, dass Per Mertesacker vor wenigen Wochen Bastian Schweinsteiger umgrätschte, um ein Tor zu verhindern. Danach nämlich mussten seine Kollegen 79 Minuten lang mit neun Feldspielern das 0:0 gegen den FC Bayern verteidigen.
Selbst Paul Breitner schrieb in seinem Buch "Ich will kein Vorbild sein" aus dem Jahr 1981: "Bevor ich dem Gegner erlaube, ein Tor zu schießen, muss ich ihn mit allen Mitteln daran hindern - und wenn ich das nicht mit fairen Mitteln tun kann, dann muss ich es eben mit einem Foul tun."
Diese Philosophie nahm sich ein englischer Fußballer in der vergangenen Woche zu Herzen. Beim Regionalliga-Spiel zwischen Chorlton Villa und dem International Manchester FC gab es einen Elfmeter für die Gastmannschaft. Gerade als der Schütze antreten wollte, ließ ein Chorlton-Spieler seinen Darmwinden freien Lauf - der Schütze war abgelenkt und setzte den Elfmeter in die Hände des Torhüters.
Das jedoch bemerkte der Schiedsrichter. Er ließ den Elfmeter wiederholen und zeigte dem flatulierenden Fußballer die gelbe Karte. "Der Spieler erhielt eine Verwarnung, weil er sich nicht wie ein Gentleman verhalten hat", sagte der Unparteiische nach dem Spiel.
Der Verwarnte spielte bis zum Schluss weiter und verhalf seiner Mannschaft zu einem 6:4-Erfolg. Der Daily Telegraph nannte die gelbe Karte danach die "skurrilste Verwarnung aller Zeiten". Ob der Spieler jedoch seinen Enkeln von dieser Leistung erzählen wird, ist indes fraglich.
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(sueddeutsche.de/cmat)
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"Nicht wie ein Gentleman verhalten"? Ist das Bestandteil der Regeln? Bei dem Gespucke auf dem Platz wäre der Platz ganz schnell leer.
Jedenfalls eine furztrockene Reaktion des Schiedsrichters.
Vielleicht will Christian Lell der SZ-Online Redaktion auch seit Monaten den Preis "erster Beitrag ohne Rechtschreib- oder Tippfehler" vergeben. Allein, die Redaktion läßt es nicht zu oder kann sich nicht "Erninnerern" wie es geht.
Da fehlt mir aber doch ein bisschen die Hintergrundrecherche: Wodurch war der Schütze denn nun im Detail abgelenkt? Durch das Geräusch? Den Gestank? Keine freie Sicht zum Tor mehr, verursacht durch Darmwinddunst? Droht Wiederholungstätern die Braune Karte?
Vielleicht könntet ihr da noch ein paar Informationen liefern. Ein Interview mit Schiedrichterobermaxe Eugen Striegel wäre schick. Vielleicht könntet Ihr auch eine Rubrik zum Thema einführen, analog zum ZDF Sportstudio: "Der (Dünn)Pfiff des Tages".
In dankbarer Erwartung
Euer treuer Leser
wawerka