Der Fall Robert Lewandowski Amateurhaft agierende Agenten

Robert Lewandowski: Schlecht beraten

(Foto: dpa)

Die Berater von Robert Lewandowski haben ihrem Berufsstand ein paar neue Kerben zugefügt. Die Art und Weise, in der der angekündigte Wechsel ihres Mandanten in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, kann dem Ansehen des Spielers nicht nützen.

Ein Kommentar von Freddie Röckenhaus

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich die beiden Gesellschafter der Firma "Eurosportsmanagement", mit Sitz in Liechtenstein, noch an Robert Schwan erinnern. Dabei hat der Mann jenen Berufsstand sozusagen erfunden, in dem Cesary Kucharski und Maik Barthel heute ihr Geld verdienen. Ein berühmter Satz von Schwan, der einst der erste persönliche Manager eines deutschen Fußballers war, nämlich von Franz Beckenbauer, wird so überliefert: "Ich kenn' nur zwei vernünftige Menschen: Robert Schwan am Vormittag und Robert Schwan am Nachmittag."

Ob die Methoden von Schwan, der praktischerweise eine Zeitlang zusätzlich noch Manager von Beckenbauers Klub FC Bayern war, heute noch funktionieren würden, ist kaum zu beantworten. Aber die Mentalität, jeden anderen tendenziell für unvernünftig bis blöd zu halten, soll bis heute in dem von Schwan geprägten Berufsfeld des Spielerberaters nützlich sein. Wie sonst überzeugt man einen jungen Fußballer mit potenziellen Millionen-Einkünften, dass man besser als jeder andere weiß, was gut für ihn ist? Für den Spieler, wohlgemerkt.

Ob man sich in einigen Jahren an das Duo Kucharski/Barthel noch so erinnern wird wie an Robert Schwan, ist fraglich, aber die Berater des polnischen Stürmers haben in den vergangenen Monaten ihrem ohnehin schillernden Berufsstand ein paar neue Nuancen zugefügt. Oder sollte man sagen: Kerben?

Ein Spieler wie Beckenbauer hat zu seiner Zeit vermutlich noch einen Manager wie Schwan gebraucht. Schauspieler hatten damals längst Agenten, bei den Fußballern musste sich das Berufsbild des Künstlers erst etablieren. Heutzutage aber stellt sich die Frage, ob ein Weltklasse-Spieler wie Lewandowski mit dem eigenen Menschenverstand, einem guten Rechtsanwalt und/oder Steuerberater nicht besser zurecht käme.

Die Art und Weise, in der Lewandowskis angekündigter Wechsel nun seit beinahe einem Jahr in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, kann dem Ansehen des Spielers nicht nützen, der da zum Spielball von bisweilen offenbar amateurhaft agierenden Agenten wird.

Im Showgeschäft Fußball spielen Image- und Sympathiewerte eine immer wichtigere Rolle, für die Sponsoren und Fernsehsender am Ende zahlen. Robert Lewandowski ist ein menschlich etwas spröder Typ, der sich für Werbung ohnehin weniger eignet als Strahlemänner wie Thomas Müller oder Mats Hummels. Aber immerhin gilt Lewandowski als rechtschaffener Fußballer, der ehrliche Arbeit abliefert. Schade, dass ausgerechnet so einer so erstaunlich schlecht beraten wird, dass sein Wechsel monatelang zur Seifen-Oper ausartet.

Dass Lewandowski aus seiner Karriere möglichst viel an Geld und Ruhm herausholen möchte, liegt in der Natur des Profifußballs. Vielen Spielern gelingt das allerdings diskreter und besser. Und manche von ihnen haben nicht einmal einen Spielerberater.