Warum gerade im Profisport jede psychische Schwäche als Makel gilt und Torhüter unter einem ganz speziellen Druck stehen.
Sport kann Depressionen lindern, zumindest leichte und mittelschwere. Therapeuten verweisen auf die Endorphine, die bei Bewegung im Körper ausgeschüttet werden und dem Menschen ein Gefühl des Glücks bescheren. Schwieriger ist die Situation für Berufssportler, die unter Depressionen leiden. Die Witwe von Robert Enke hat am Mittwoch eindrucksvoll das Dilemma beschrieben.
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Ein gebrochener Mann? Robert Enke bei einem Bundesliga-Spiel für Hannover 96. (© Foto: ddp)
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Ihr Mann sehnte sich nach dem Fußball, Training und Spiel und vor allem nach der Gemeinschaft mit den Teamkollegen, die ihm Halt gab. Teresa Enke erklärte aber auch, wie der Sport einer Therapie im Wege stand: Robert Enke hatte Angst, aus dem Profifußball zu fliegen, sobald seine Krankheit öffentlich bekannt würde.
Der Profisport, vor allem der Fußball, ist nach wie vor eine Welt der vermeintlich unverwundbaren Gladiatoren. Das gilt vor allem für die Position des Torwarts. Oliver Kahn prägte viele Jahre lang das Bild des deutschen Torwarts: kraftstrotzend, nervenstark, aggressiv. Torhüter stehen unter ganz speziellem Druck. Sie greifen nur sporadisch ins Geschehen ein, aber jede ihrer Aktionen kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Fehler sind nicht wiedergutzumachen. Kahn schien diese Herausforderung in Kraft umzusetzen. Nach der Karriere bekannte er, er habe unter einem schweren Burn-out-Syndrom gelitten und professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Das Burn-out-Syndrom gilt als naher Verwandter der Depression, nur klingt der Begriff in der modernen Leistungsgesellschaft schicker: Wer unter Burn-out leidet, hat sich im Beruf überfordert, Depression klingt nach innerer Schwäche. Robert Enke schien zu beweisen, dass es nicht der Aggressivität und der schlechten Manieren eines Oliver Kahn bedurfte, um ein großer Torwart zu sein. Er galt als äußerst ausgeglichen - was für eine Fehleinschätzung.
Ob der sportliche Druck die Depressionen Enkes verstärkte oder gar verursachte? Jedenfalls traten sie offenbar erstmals auf, als er 2003 beim FC Barcelona aussortiert wurde. Sein Tod lenkt den Blick auf die psychischen Belastung von Profisportlern. Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler, verweist nach Enkes Tod darauf: "Der Druck auf die Spieler nimmt zu. Es kommt vor, dass Spieler beim Training bedroht, rassistisch beschimpft oder von Trainer und Mitspieler gemobbt werden."
Sein Verband bietet psychologische Hilfe an, und immer mehr Vereine integrieren Sportpsychologen in ihre Teams. Jürgen Klinsmann, inspiriert von amerikanischen Trainingsmethoden, holte Hans-Dieter Hermann als Psychologen zum Nationalteam und danach Philipp Laux zum FC Bayern.
Aufgabe der Sportpsychologen ist es aber vor allem, Teamgeist, Motivation und Stressresistenz der Spieler zu stärken. Eine Krankheit, die seine Zugehörigkeit zur Gruppe gefährdet, wird der Spieler eher vor ihm zu verbergen versuchen. Der Nationalteam-Psychologe Hermann hat von den schweren Depressionen des Robert Enke nichts bemerkt.
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(SZ vom 12.11.2009)
Bergkirchweih in Erlangen
Ich glaube, nein ich weiß, es gibt noch mehr Profis in solch einem Dilemma. Zeichen dafür gibt es viele, alleine in der Vergangenheit hat sich das bei einigen wenigen, die den Schritt mit ihrer Problematik an die Öffentlichkeit zu gehen getan haben, gezeigt. In meiner Praxis habe ich immer wieder mit Sportler/innen zu tun, denen der Druck zu groß wird. Es kommt zum Burnout, die Depression ist unausweichlich. Die Ängste sind mannigfaltig, allen voran die sich selbst nicht zu genügen, Existenzängste und wie im Fall Robert Enke die Angst zu versagen. Hier zeigt es sich immer wieder, dass gerade alte, aus der Vergangenheit tief liegende Blockaden (Ängste und Traumata) eine große Rolle spielen. Diese treten aber oft erst Jahre später, durch das Drücken von bestimmten Knöpfen (Ereignisse) zu Tage. Diese gilt es aufzudecken und abzukoppeln, doch das geht nur, wenn wir als Gesellschaft endlich anfangen zu respektieren, dass diese Leute(Profisportler u.a.) ein Leben neben der Öffentlichkeit haben und hier meistens diese Knöpfe gedrückt werden. Da höre ich viele wider rufen, die bekommen doch ein Haufen Geld dafür, aber gibt uns das wirklich das Recht, im Privaten dieser Personen, bis in die kleinste Ritze herumzuschnüffeln oder jederzeit 100%igen Perfektionismus zu verlangen? Nein, das gibt es uns nicht und jeder sollte einmal über das, in letzter Zeit in unserer Gesellschaft verlorengegangene, Wort- Respekt- und der damit verbundenen Verantwortung uns selbst gegenüber, vor allem aber gegenüber unseren Mitmenschen nachdenken.
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Wer baut denn den Druck auf, der auf Spitzensportlern speziell im Fußballgeschäft lastet?
Sicher zuerst die Vereine (wollen erfolg) und die Geldgeber (wollen fürs Geld was sehen). Die echten Fans stehen da ganz hinten. Davor kommen die Rivalen und Kollegen im Kader - alles richtig erkannt.
Doch was ist mit den Medien?
Aufmacher und Reißer sind heute doch bald wichtiger, als seriöse Berichte. Vor allem die bunte Presse und die Privaten TV-Sendern gieren doch nach Sensationen. Und diese Macht, Meinung zu steuern, Druck aus zu üben wird mit dem Hinweis auf 'Informationspflicht' oft schamlos eingesetzt.
1990 war es die Münchner Presse, die Heynckes absägte. Rehagel stand vor UEFA-Cup und Meisterschaft - die Medien in München mochten ihn nicht, weg mit ihm. Nur zwei Beispiele.
Manchmal ist es menschlicher, etwas nicht zu bringen, doch über diese Stufe der humanitas sind wir leider schon lange gesprungen.
Ich könnte mir vorstellen, das das Leben eines Profisportlers sehr desillusionierend sein muss. Ins Profigeschäft kann man es nur mit sehr viel Training und daher auch Liebe zum Sport schaffen. Wenn man es dann geschafft hat und dann die wirtschaftliche Seite in den Vordergrund tritt, gehen wichtige Ideale des Sports verloren. Es kommt zu einem massiven Bruch mit der Kindheit und dem Spaß an der "Arbeit". Nen Kind/Jugendlicher will spielen wie Zinedine und Co., die denken nicht daran, das Leben eines Stars und Multimillionärs mit zig Werbeverträgen zu führen.
Ähnliches stelle ich mir auch bei Ärzten, Polizisten usw. vor.