Fußball-Länderspiel-Moderator Gerhard Delling plant seine Zukunft - auch mit Günter Netzer
Partnerschaften, die in der Fernsehwelt geschlossen werden, muss man ausschließlich sportlich bewerten. Niemand konnte das einst so luzide besingen wie der Profikicker Franz Beckenbauer (Gute Freunde kann niemand trennen), der seit Jahren als guter altersjunger Freund ständig wechselnder Sender und Unternehmen durchs schöne deutsche Land zieht.
Ein Bild aus besseren Tagen: Günter Netzer und Gerhard Delling 1998. (© Foto: dpa)
Anzeige
Nur noch im Film gilt zuweilen der Imperativ Auf ewig und einen Tag. Für alle anderen, für Gerhard Delling zum Beispiel, gelten bestenfalls Verträge.
So kam es, dass auch über die Pressestelle des Norddeutschen Rundfunks (NDR) ein Sachverhalt verbreitet wurde, der Delling auf dem Weg in den Balearen-Urlaub irritierte. Er werde Günter Netzer von Sommer 2008 an im Stich lassen, hieß es. Von getrennten Wegen war die Rede, und dabei, sagt nun Delling, habe er das so ultimativ nie geäußert.
Langweilige Muppetkopien oder Publikumslieblinge?
Auch beim NDR fühlt man sich plötzlich falsch zitiert. Seit 1998 tritt Delling mit Netzer bei Fußball-Länderspielen für die ARD auf. Delling ist der Moderator und als Moderator die Anspielstation für den Experten Günter Netzer. Netzer gewann in den Siebzigern EM- und WM-Titel, Netzer/Delling gewannen 25 Jahre später den Grimme-Preis und die Gunst des Publikums.
Auch während der zweiten WM in Deutschland kamen sie im Juni, sofern man auf die Quoten blickt, gut an. Doch weil das ZDF in der Kombination Johannes B. Kerner (empathischer, konditionsstarker Präsentator), Jürgen Klopp (empathischer, taktikschlauer Trainer von Mainz 05) und Urs Meier (ehemaliger Schweizer Schiedsrichter) jubelblond patriotisch in Erscheinung trat, fanden einige die beherrschten Traditionalisten vom Ersten, die sich wie stets als Waldorf & Statler-Muppetkopien högten und zankten, langweilig.
Delling reizt das Infotainement
Aber von im Stich lassen, sagt Delling, könne keine Rede sein. Er habe nur geäußert, dass nach über einem Jahrzehnt die Abschiedstournee beginne. Erstens, weil beide vertraglich bis 2008 inklusive EM in Österreich und der Schweiz gebunden seien.
Zweitens, weil die WM 2010 in Südafrika mit großer Wahrscheinlichkeit die letzte Länderspiel-Schau von Netzer/Delling sein wird, was nach vier Weltmeister- und drei Europameisterschaften nachvollziehbar wäre. Eine Vereinbarung für 2010 würde allerdings erst im Anschluss an die EM 2008 geschlossen.
Ausschließen möchte Delling seinen Rückzug als ARD-Angestellter. Bloß Sportchef mag er nicht mehr sein beim NDR, doch das ist bekannt. Sportschau-, Olympia-, also Großveranstaltungsmoderator will er bleiben, immer dem Sport die Treue halten, vielleicht mal in Infotainment machen.
Doch gute Freunde kann niemand trennen. "Wer sagt denn", sagt Delling, "dass Netzer/Delling nicht zusammen was anderes machen?" Natürlich niemand.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 21.07.2006)
Migros zeichnet Produkte aus Israel speziell aus