deinfussballclub.de User an die Macht!

Der 48-malige Nationalspieler Jens Nowotny soll sportlicher Berater einer Online-Community bei Fortuna Köln werden. Aber nur, wenn die Mitglieder das auch so wollen.

Von Thomas Becker

Die Idee ist nicht neu, kommt zudem aus England, doch ihre Ankunft im deutschen Fußball beschleunigt sich nun um ein paar Monate: Das vom englischen Fünftligisten Ebbsfleet United inspirierte Projekt deinfussballclub.de (DFC) soll bei Fortuna Köln nun schon im Februar statt wie geplant im August nächsten Jahres starten - mit prominenter Unterstützung: Der ehemalige Nationalspieler Jens Nowotny soll den sportlichen Berater geben.

Doch der Reihe nach: Das Prinzip von deinfussballclub.de ist es, dass Fans sich in einer Online-Community mit ihrem Jahresbeitrag einkaufen und via Internet an allen relevanten Entscheidungen des Klubs teilhaben. Im Frühjahr beschloss der derzeit in der NRW-Liga spielende Verein mit den Anteilseignern eine gemeinsame Betriebsgesellschaft zu gründen. Mit dem ehemaligen Kicker Sönke Wortmann fand man einen prominenten Fürsprecher für das Projekt. 30.000 Anmeldungen wollte man abwarten, um dann im August 2009 zu starten.

Doch nun ist die Ungeduld und die Vorfreude zu groß geworden. Auf einer Pressekonferenz verkündete der DFC nun den Start der Plattform bereits zum Februar. Dazu wird die erste Mannschaft aus dem Verein ausgegliedert. Es wird eine Spielbetriebsgesellschaft gegründet, an der Fortuna 51 Prozent und DFC 49 Prozent halten werden. Es wird zwei Geschäftsführer mit Klaus Ulonska und Dirk Stoeveken geben, sowie einen sechsköpfigen Beirat, der paritätisch besetzt wird. "Wir haben Bilanz gezogen. Der Wunsch der Community war groß, schon früher zu starten", erklärt Dirk Daniel Stoeveken, der Erfinder von DFC, "deshalb werden wir Anfang Februar mit www.deinfussballclub.de beginnen. Wir wollen den Mitgliedern zeigen, dass wir halten, was wir versprochen haben. Und wir erhoffen uns natürlich durch den Start auch noch mehr Mitglieder."

Da die 30.000 geplanten Mitglieder noch nicht erreicht wurden, werden die bisherigen Mitglieder neuen Geschäftsbedingungen bis 9. Dezember zustimmen müssen. Lehnen sie dies ab, können sie vorerst nicht mehr an Leistungen wie Abstimmungen teilnehmen, bis die 30.000 Mitglieder erreicht sind. Spätestens dann würde der Jahresbeitrag von 39,90 Euro fällig. Bis zum Abschluss der Transferperiode am 31. Januar bliebe somit genügend Zeit und Möglichkeit, die Mannschaft zu verstärken.

Der erste Zugang geriet schon mal recht prominent: Jens Nowotny, 48-maliger Nationalspieler, 334 Bundesligaspiele für Bayer Leverkusen und den KSC, WM-Dritter 2006. Vor einem Jahr musste er endgültig die Stiefel an den berühmten Nagel hängen: Nach vier Kreuzbandrissen verletzte er sich erneut am Knie und beendete schließlich seine Karriere. Nun will er beim DFC als sportlicher Berater wirken: "Für mich ist das nur konsequent. Ich wollte nie Trainer sein, Spieler kann ich nicht mehr sein. Gegen Manager habe ich auch eine gewisse Abneigung. Also war es logisch, dass ich für die Community als Sprachrohr tätig werden möchte", so Nowotny, "und ich werde mein Fähnchen sicher nicht nach dem Wind drehen, sondern meinen Standpunkt gegenüber den Ko-Trainern vertreten. Ich kann ja vieles zu Mannschaftsführung, Taktik oder bei der Beurteilung von Spielern beitragen. Ich bin keiner, der sich in den Vordergrund stellt. Es ist ein Angebot von mir. Klar wird mein Einsatz vom DFC vergütet, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen, das ist hier NRW-Liga. Jeder weiß, dass ich früher sehr gut verdient habe. Aber, ich identifiziere mich mit dem Projekt und werde mir auch sicher Spiele anschauen."

Nowotny stellt sich nun den Mitgliedern und potentiellen Co-Trainern eine Woche lang zur Wahl. Die rund 11.000 User werden per Internet über sein Angebot abstimmen. DFC-Gründer Dirk Stoeveken sagt: "Das ist ein Indiz für die Ernsthaftigkeit des Projekts. Die User können sich nun anhand von Interviews und Videoaufnahmen ein Bild von Jens Nowotny machen, und entscheiden, ob sie ihn wirklich als sportlichen Berater bei DFC haben wollen. Wir wollen Fußball wieder zu den Fans bringen. Es sollen keine Fragen offenbleiben. Und es ist vertraglich sichergestellt, dass die Entscheidungen der Co-Trainer auch umgesetzt werden müssen."

Auch über die Mannschaftsaufstellung würde Nowotny dann nicht nur mit dem realen Trainer Mathias Mink, sondern auch per Chat mit den Co-Trainer-Mitgliedern diskutieren müssen. Schwer vorstellbar, wie das bei mehreren tausend Diskutanten funktionieren soll. Immerhin kann er ja schon mal ein paar Namen lernen: Abdenour Amachaibou trägt die Nummer 15, Ebewa-Yam Mimbala die 33 und Marco Stasiulewski die 11 als reinrassiger Stürmer, der er ja nun schon seit seiner Zeit beim FC Germania Dattenfeld ist - der ist doch sicher gesetzt, oder wie sehen Sie das, Herr Nowotny?