Fünf Leichtathletik-Trainer haben in einer Erklärung gestanden, ins DDR-Dopingsystem involviert gewesen zu sein. Die Dopingopfer wehren sich vehement gegen eine schnelle Schlussstrich-Politik.
Erst hat ja, wenn man auf die Details blickt, alles gut ineinandergegriffen. Am späten Montagnachmittag - Redaktionsplanungen sind da generell weitgehend abgeschlossen - ging jäh die Erklärung fünf ehemaliger DDR-Leichtathletik-Trainer zu ihrer Dopingvergangenheit raus, in Windeseile begrüßt von Innenminister und Sportverbänden. Letztere würdigten die aufrechten Selbstanzeiger, Schäuble schob flott die Verantwortung zu den Funktionären rüber und sprach wieder mal von einer "Angelegenheit des Sports" (wie schon 2006 bei der Verhinderungsdebatte um ein effektives Antidopinggesetz im Land).
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Aber die Vergangenheit des Sports ist ein heikles Thema hierzulande und offenkundig lästig. Das stört beim Medaillenzählen, es soll endlich Ruhe herrschen im Karton - sollte dies, wie es aussieht, das Kalkül der eiligen Allianz gewesen sein, ist ihr Schuss nach hinten losgegangen.
Als "politische Perversion" und "Vertuschung" bewerten die Dopingopfer die konzertierte Aktion, in die sie, die Geschädigten, praktischerweise gar nicht eingebunden wurden. Die Grünen rügen eine "Schwammdrüber-Mentalität", und am Dienstagabend rief der Dopingopferhilfe-Verein zur Vorstandssitzung. Anzunehmen ist, dass er sich an den Petitionsausschuss wenden wird.
Kaskaden aus Wut und Empörung also im Lager der Betroffenen haben die Trainer und ihre politischen Doppelpasspartner entfesselt, mit einer Erklärung zur Beteiligung am DDR-Dopingsystem, die in der Tat so vage ist, dass sich die Frage stellt, warum es dafür 20 Jahre gebraucht haben soll. Beispielhaft heißt es, die Unterzeichner würden es sehr bedauern, "soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davongetragen haben sollten".
Nur: Ist das nicht längst geklärt durch Prozesse, Gutachten und die Existenz einer Dopingopferhilfe per se? Dass für die Täter von Gestern weiter der Konjunktiv die Grundhaltung ist , zählt zu den stärksten Argumenten der Opfer. Instant-Entschuldigungen wie diese lehnen sie ab.
Das Opfer-Paar Andreas und Ute Krieger richtet einen offenen Brief an Schäuble, DOSB-Chef Bach und DLV-Chef Prokop: "Ohne Einbeziehung der Geschädigten wurde hier zugunsten der genannten Trainer eine "Lösung konstruiert, die nicht dazu taugt, eine Annäherung von Tätern und Opfern herbeizuführen". Politiker und Funktionäre versuchten, ihren "Anteil an der zwei Jahrzehnte währenden Ignoranz gegenüber den Opfern, an der Duldung eines (...) Leugnens beteiligter Trainer, an mutmaßlich jahrelangen Verstößen gegen die Antidopingklauseln in den Zuwendungsbescheiden des BMI an die Sportverbände, mithin an der missbräuchlichen Verwendung von Steuergeldern, zu vertuschen". Flugs wies Bach all das per offenem Brief zurück; es gelte weiter "Einzelfallgerichtigkeit". Neben der Pauschal-Entschuldung.
Erklärung setzt Ski-Verband unter Druck
Die jüngste Sommermärchen-Sportpolitik steht auch in Kontrast zu geltenden Regelungen. 2006 bei der Novellierung des Stasi-Unterlagengesetzes wurde der Sport ausgenommen, wegen seiner besonderen Verantwortung. Auch vor dem Hintergrund, dass sein schmutziges Treiben von der Stasi abgesichert worden war. Funktionäre, Trainer, Betreuer auf hoher Ebene sollen weiter überprüft werden können - dahinter steckt ein Sinn.
Geradezu kurios aber wirkt, dass diese Trainer-Erklärung nun den Skiverband unter Druck setzt. Der DSV hat einen Stab aus DSVlern eingesetzt, inklusive Marketingchef, der Bundestrainer Frank Ullrich anhören soll, welcher exklusive Wissenslücken aus seiner Zeit als DDR-Athlet und -trainer zurückbehalten hat. In Sachen Doping hat Ullrich eher nichts mitgekriegt, der DSV geht davon aus, dass er "weder als Aktiver noch als Trainer mit Dopingfragen direkt oder indirekt befasst gewesen sei. Die fünf Leichtathletik-Trainer indes waren das schon, wiewohl ja auch sie damals keine hohen Ämter innehatten.
Maßstab in der Klärung dieser Frage sind die Opfer. Die nicht unversöhnlich sind, aber nicht übergangen werden wollen; im Geist einer nur auf Erfolg gedrillten Sportpolitik, die anhaltend Leid über die Athleten bringt. Frag' nach in Wien, wo eine gewaltige Dopingaffäre Kreise auch ins Ausland zieht, und deren Schlüsselfiguren enge Anbindungen an DDR-Trainer hatten.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 08.04.2009)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
. . . ist unsportlicher als der Sport!
Total zerfressen von der Orientierung an Medaillenspiegeln und Macht-Gier ist die Funktionaers-Clique eine rechte Zierde, die sich wohl gar noch als Elite begreift (Aehnlichkeiten mit Bankern und Politikern sind vollkommen zufaellig).
Es gibt da kein Unrechtsbewusstsein, keine Scham. Das laesst sich ja auch schoen beim BDR (Scharping!) verfolgen.
Irgendwie wird auch vollstaendig verdraengt, dass es auch um Betrug geht, nicht nur um die Gesundheit der gedopten Sportler - von Glaubwuerdigkeit will ich hier nicht reden, das verstehen diese Herrschaften nicht, aber die Auswirkungen (abspringende Sponsoren, nicht uebertragendes TV, am Ende gar noch Kuerzungen von Subventionen durch die Steuergeld-Verbrenner) sollten sie schon noch erkennen koennen.