Von René Hofmann

Kein glorreicher Auftakt der Deutschen beim Davis Cup: Philipp Kohlschreiber gleicht gegen Österreich mit einem Fünfsatz-Erfolg aus.

Am Ende zeigte die Uhr 22:52, womit die Zuschauer im Olympia-Eisstadion in Garmisch-Partenkirchen an diesem Freitag mehr als siebeneinhalb Stunden Davis-Cup-Tennis gesehen hatten. Die erste Partie - Rainer Schüttler gegen Stefan Koubek - war zäh gewesen.

kohlschreiber davis cup, AP

Am Ende drehte Philipp Kohlschreiber eine Partie für sich, die bereits entschieden schien. (© Foto: AP)

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Schüttler unterlag 4:6, 5:7, 7:5 und 2:6. Wer will, kann es ein Fehlerfestival nennen. Von den 284 Punkten, die ausgespielt wurden, waren 113 von vermeidbaren Fehlern geprägt.

"Ich kann wirklich nicht zufrieden sein", sagte Schüttler. Philipp Kohlschreiber ging nach der Begegnung mit Jürgen Melzer mit einem ganz anderen Gefühl nach Hause. Der Augsburger gewann - und das in einer Art, die dem Team Auftrieb geben sollte: Er drehte die Partie, die bereits entschieden zu sein schien.

Melzer gewann die ersten beiden Durchgänge, führte im dritten 4:2 und hatte Breakbälle. Weil Kohlschreiber aber nicht aufgab, verspielte Melzer die komfortable Führung noch. Nach drei Stunden und 55 Minuten musste er Kohlschreiber als Verlierer die Hand reichen. 6:7 (4), 4:6, 6:4, 6:3, 6:3.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Kohlschreiber der Triumph in dem beinahe epischen Vergleich glückte. Im Januar bei den Australian Open hatte er nach einer Fünf-Satz-Niederlage gegen den Franzosen Fabrice Santoro noch ausgiebig über Spiele geschimpft, die sich gewaltig in die Länge ziehen können.

Schüttler mit vielen Fehlern

Dank seines Durchhaltevermögens in der Halle, in der normalerweise die Eishockeyauswahl des SC Riessersee auftritt, steht es in der Erstrunden-Partie der Weltgruppe vor dem Doppel 1:1. Der Ausgleich war für die deutsche Equipe enorm wichtig. Das Doppel der Gäste ist stark. Julian Knowle und Jürgen Melzer haben zusammen bereits vier Turniere gewonnen. Insgesamt kommen die beiden auf 15 Trophäen in Duo-Wettbewerben.

Für Deutschland sind Nicolas Kiefer und Debütant Christopher Kas nominiert, doch Teamchef Patrik Kühnen dürfte diese Auswahl vor dem ersten Aufschlag an diesem Samstag um 13.30 Uhr wohl noch einmal überdenken. Mit seiner Entscheidung fürs Auftakteinzel lag der Kapitän der Equipe Schwarz-und-Rot-und-Gold schon einmal ziemlich daneben - das fand zumindest einer der Protagonisten.

Stefan Koubek formulierte nach seinem Erfolg Verwunderung darüber, wen ihm die Gastgeber gegenübergestellt hatten. "Ich war überrascht, dass Rainer gespielt hat", sagte Koubek. Vor den mächtigen Aufschlägen von Nicolas Kiefer hätte er mehr Angst gehabt.

"Mit Rainer hatte ich schon einige Klassiker", sagte Koubek: "Wir kennen uns in- und auswendig. Gegen ihn komme ich immer in meinen Rhythmus. Auch wenn das komisch klingt: Gegen ihn fühle ich mich immer als der bessere Spieler."

Die Bilanz zwischen den beiden 32-Jährigen vor der Begegnung: drei zu zwei für Schüttler. In der Weltrangliste wird der Korbacher derzeit als Nummer 31 geführt und damit 224 Plätze vor Koubek. Der Abstand aber täuscht: Koubek hat ein schweres Jahr hinter sich. Er wurde an der Bandscheibe operiert und musste sechs Monate lang pausieren. Im Moment müht er sich darum, wieder Anschluss ans Mittelfeld der Rangliste zu finden. Beim Turnier in Delray Beach gelang ihm das jüngst ganz ordentlich: In Florida erreichte Koubek das Viertelfinale.

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