Spanien erwartet von seinen Tennisspielern den Daviscup-Sieg gegen Tschechien. Doch Rafael Nadal und seine Kollegen durchleben eine Schwächephase.
Es begann frostig. Eine Kältewelle ist über Barcelona geschwappt, und nach dem ersten Training im Palau Saint Jordi bekannte Radek Stepanek: "Wir haben alle blaue Finger." Sein Teamchef, Tschechiens Davis-Cup-Kapitän Jaroslav Navratil, sagte: "Hoffentlich wird es ab Freitag, wenn die Zuschauer kommen, etwas wärmer." Da sollte sich Navratil mal keine Sorgen machen!
Rafael Nadal und der Davis Cup: die spanischen Fans erwarten den Sieg von ihren Spielern. (© Foto: AP)
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In der Arena, in die ein Sandplatz gelegt wurde, finden 17.000 Zuschauer Platz. Und so viele werden wohl auch zum Davis-Cup-Finale kommen, obwohl das billigste Ticket 100 Euro kostet und das teuerste immerhin 12.000. Die Spanier sind heiß auf spanische Sporterfolge, und der Mannschaftswettbewerb, mit dem die Tennissaison traditionell endet, verspricht einen vergleichsweise leichten Heimerfolg.
Spanien ist der Titelverteidiger. Spanien kann Rafael Nadal aufbieten, die Nummer zwei der Weltrangliste, Fernando Verdasco, die Nummer neun, und David Ferrer, die Nummer 18. Ein ausgeglicheneres Team lässt sich kaum finden. Auch ohne Nadal, der zwischenzeitlich verletzt war, hat die Equipe im Viertelfinale Deutschland 3:2 bezwungen und im Halbfinale Israel 4:1. Und für den letzten großen Auftritt hat sie sich eine ganz besondere Bühne ausgesucht: Im Palau Saint Jordi gewannen die Spanier vor neun Jahren gegen die von Pat Rafter und Lleyton Hewitt angeführten Australier zum ersten Mal den riesigen Davis-Cup-Pokal. Nadal war damals 14 Jahre alt und spielte bloß eine Nebenrolle: Er durfte eine Flagge schwenken. Dieses Mal wird mehr von ihm erwartet.
Nadal ist gesetzt, er bestreitet die erste Einzelpartie gegen Tomas Berdych. Obwohl sein Onkel Toni, der ihn trainiert, zuletzt kund tat, dass die jüngsten Verletzungen seiner Spiellust nicht gerade gut getan hätten. Rafael Nadal hat sich anschließend beeilt, das Gegenteil zu versichern. "Mein Onkel mag seine Meinung haben. Aber meine Moral ist in Ordnung", sagte er, "ich bin froh, hier zu sein und mit dem Ziel in das Finale gehen zu können, es zu gewinnen." Ein zweiter Triumph im Palau wäre erneut geschichtsträchtig: Den Davis-Cup-Titel zu verteidigen- das ist seit dem Sieg der Schweden 1998 keiner Nation geglückt.
Im vergangenen Jahr setzten sich die Spanier im Finale in Mar del Plata gegen Argentinien durch. Teamchef Emilio Sanchez wurde daraufhin von Albert Costa abgelöst. Gleich im Premierenjahr eine Mannschaft ins Finale zu führen - so eine Bilanz haben wenige. Vor dem großen Showdown hat der 34-Jährige einstige Profi nun alle Mühe, die Erwartungen zu dämpfen. "Wir sind ein bisschen Favorit, aber nicht viel", sagt Costa. In der vergangenen Woche musste er aber tatsächlich einiges sehen, was ihm nicht gefallen konnte. Beim hochdotierten Jahresabschluss-Turnier der besten acht Profis der ATP-Tour gewannen Verdasco und Nadal in London nicht ein einziges Match. Das einstige Wunderkind Nadal blieb sogar ohne Satzerfolg. Selbstvertrauen holt sich so niemand.
Routinier Radek Stepanek, der es im Alter von 31 Jahren auf der Tennistour auf mehr als 430 Matches bringt, warnt allerdings davor, die kleine Delle in der Formkurve der Gegner überzubewerten. "So bald die Spanier ihre Sandschuhe anziehen und vor eigenem Publikum auflaufen, sind sie ganz anders drauf", ahnt er. Während sich die Stars der Szene in der gewaltigen Arena in der britischen Hauptstadt duellierten, schwitzte der unscheinbare Stepanek in Florida beim Training mit seinem Coach Petr Korda und einem Fitness-Experten. "Wir sind hier, um unseren Traum zu erfüllen. Dafür habe ich zwei Wochen gearbeitet", erklärt er selbstbewusst, "in meinem Alter weiß man nie, wie viele Davis-Cup-Endspiele man noch bestreiten kann."
2000 Tschechen in Barcelona
Im Halbfinale, zu dem die Tschechen in Kroatien antreten durften, entschied er eine ziemlich ungewöhnliche Begegnung für sich. Gegen den Gewalt-Aufschläger Ivo Karlovic prasselten 78 Asse auf Stepanek nieder. Es dauerte fünf Stunden und 59 Minuten, bis er seinen 2,08 Meter großen Gegenüber 6:7, 7:6, 7:6, 6:7 und 16:14 niedergerungen hatte. Seitdem hat Stepanek die Devise: "Die Spielzeit ist mir wurscht. Ich bin nur da, um zu gewinnen. Wenn es zehn Stunden dauert, bis ich einen Punkt hole, dann spiele ich auch zehn Stunden."
Der 24 Jahre alte Tomas Berdych, der als zweiter Einzelspieler gesetzt ist, hat ebenfalls Erfahrung mit Marathon-Auftritten. Im Viertelfinale gegen Argentinien holte er gegen Juan Monaco einen 0:2-Satzrückstand auf. In der Runde zuvor hatten es die Tschechen schon mit den starken Franzosen zu tun bekommen. "Frankreich, Argentinien, Kroatien. Als wir am Anfang des Jahres die Auslosung gesehen haben, hätte niemand gedacht, dass wir es bis ins Finale bringen", gibt Kapitän Jaroslav Navratil zu. 2000 Zuschauer aus Tschechien erwartet er in Barcelona. Auch sie werden für eine heiße Atmosphäre sorgen. Das Land hat den Davis Cup erst einmal gewonnen, 1980, auf einem Hartplatz, der in Prag ins Eishockeystadion gelegt worden war. Damals war es allerdings Teil der Tschechoslowakei. Und Ivan Lendl spielte noch.
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