Warum sich Bremer und Hamburger nur wenig Hoffnung machen dürfen, alle vier Duelle der nächsten Zeit gewinnen zu können. Ein bisschen Fußballgeschichte und ein bisschen Mathematik.
Zum letzten und wirklich allerletzten Mal - versprochen Ottmar Hitzfeld, versprochen Karl-Heinz Rummenigge - muss an dieser Stelle die Formulierung aufgegriffen werden, nach der Fußball angeblich keine Mathematik ist. Und ihr widersprochen werden. Natürlich ist Fußball Mathematik, beispielsweise wenn im Zeitraum vom 22. April bis zum 10. Mai der Hamburger SV und Werder Bremen gleich vier Mal aufeinander treffen, im Uefa-Cup, im DFB-Pokal, und in der Meisterschaft - und nun diskutiert werden darf, wie wahrscheinlich es ist, dass eine der beiden Mannschaften alle vier Spiele gewinnt. Da hilft ein bisschen Mathematik in Verbindung mit ein bisschen Fußballgeschichte schon weiter.
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Das Bundesligaspiel am 16. September 1972 gewannen die Bayern gegen Oberhausen ebenso wie alle anderen Duelle mit RWO in der Saison 1972/73. (© Foto: Imago)
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32 Mal hat es in den verschiedenen Europapokal-Wettbewerben schon deutsch-deutsche Duelle gegeben. In 17 Partien war ein Klub aus der ehemaligen DDR daran beteiligt, einmal (im Pokalsieger-Wettbewerb der Saison 1992/93 beim Duell Bremen gegen Hannover) trafen ein Erst- und ein Zweitligist auf internationaler Ebene aufeinander. In 14 Fällen also kam es im Europapokal zu Begegnungen zwischen zwei Mannschaften, die auch in der Bundesliga gegeneinander antraten, ergo: spielten die beiden Mannschaften vier Mal gegeneinander.
Dabei zeigten die Klubs eine auffällige Leistungsausgeglichenheit. Verblüffenderweise konnte in keinem der 14 Fälle eine Mannschaft alle vier Partien gewinnen. Am nächsten an die ideale Ausbeute kam noch Borussia Mönchengladbach in der Saison 1974/75 gegen Köln (zwei Siege im Uefa-Pokal-Halbfinale, 2:1 und 1:1 in der Bundesliga). Manche Klubs schafften immerhin eine Bilanz von drei Siegen und einer Niederlage, in der Mehrzahl der Fälle jedoch konnte keine Mannschaft mehr als zwei der vier Paarungen für sich entscheiden.
Manchmal war regelrecht ein Bruch zwischen nationalen und internationalen Spielen zu erkennen. In der Saison 1997/98 beispielsweise setzte sich Bayern München in der Liga zweimal gegen Dortmund durch (2:0, 4:0), zog aber im Champions-League-Viertelfinale den Kürzeren. 1987/88 qualifizierte sich Bayer Leverkusen mit einem 1:0 und einem 0:0 gegen Werder Bremen fürs Uefa-Pokal-Endspiel, erreichte aber in der Liga nur einen von (damals) möglichen vier Zählern.
Wer glaubt, diese Feststellung gelte nur für den Vergleich zwischen Bundesliga- und Europapokalspielen, der irrt. Weil in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 das Weiterkommen im DFB-Pokal generell per Hin- und Rückspiel entschieden wurde, gab es in diesen Jahren oft die Situation, dass zwei Bundesligisten insgesamt vier Mal gegeneinander spielten - exakt 32 Mal.
Sechs Spiele, fünf Siege
Und bei der Betrachtung der Ergebnisse fällt auf, dass wie im Europapokal eine gerechte Resultatsverteilung (zwei Siege, zwei Niederlagen oder zwei Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage) der häufigste Ausgang war. Ab und an schaffte es mal eine Mannschaft, drei der vier Spiele zu gewinnen, aber dass ein Klub vier Mal siegreich war, kam nur ein einziges Mal vor. Und wie könnte es anders sein, hält auch diesen Rekord der FC Bayern. In der Saison 1972/73 siegten die Münchner in der Bundesliga 5:0 und 5:3 gegen Rot-Weiß Oberhausen und bezwangen RWO im DFB-Pokal-Achtelfinale mit 2:1 und 3:1.
Dennoch gelang es einer Mannschaft, mehr als vier Siege gegen einen bestimmten anderen Klub einzufahren: Borussia Mönchengladbach traf in der Saison 1972/73 gleich sechs Mal auf den 1. FC Kaiserslautern, je zwei Mal in der Bundesliga, im DFB-Pokal und im Uefa-Cup. Fünf dieser sechs Duelle konnten die "Fohlen" gewinnen, doch das Auswärtsspiel in der Liga endete mit 3:1 für die "Roten Teufel". Diese Partie war das erste Match, danach folgten fünf Gladbacher Siege. (siehe Interview mit Rainer Bonhof)
Im Klartext: Wenn zwei Bundesligisten in einer Saison vier Mal oder häufiger gegeneinander spielten, schaffte es nur in einem Fall von fast 50 Fällen ein Bundesligist, alle Spiele zu gewinnen. (Bremen kann dies ja schon gar nicht mehr einstellen, weil sie das Bundesliga-Hinspiel, das fünfte Duell der beiden Klubs in dieser Saison, mit 1:2 verloren haben.) Und nur in zwei von fast 50 Fällen gelang es einem Bundesligisten, in einer Saison vier Spiele in Serie gegen einen anderen Bundesligisten zu gewinnen.
Entsprechend dieser Mischung aus historischem Abriss und mathematischer Rechnung dürfen sich Hamburg und Bremen nicht der Illusion hingeben, zwischen dem 22. April und dem 10. Mai alle vier Spiele zu gewinnen. Sie müssen sich schon für einen Wettbewerb entscheiden. Angesichts der Tabellensituation liegt die Lösung doch auf der Hand: Bremen schenkt den Sieg in der Bundesliga her, Hamburg den im DFB-Pokal, und im Uefa-Cup kann man ja sportlich ernst messen, wer die Nummer eins im Norden ist.
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(sueddeutsche.de/hum)
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Die Konstellationen sind tatsächlich nur bedingt mit der jetztigen Hamburg-Werder-Situation vergleichbar, da die ja gleich in 3 Wettbewerben aufeinandertreffen und damit insgesamt sogar 5x in einer Saison gegeneinander spielen. Die Hamburger haben das erste Duell ja schon in der Hinrunde für sich entschieden. Da das Spiel gestern ja offiziell unentschieden ausging, steht schon jetzt fest, dass keines der beiden Teams die 4 Spiele gewinnen werden wird.
Davon abgesehen: Nur ganz wenige, sehr gierige, Bremer wollten alle 4 Spiele gewinnen. Den meisten, so wie mir, ist die Bundesliga-Partie in der Rückrunde völlig schnurz. ;-)
und ein kleiner Nachtrag, die 1/8 sind natürlich Schmarrn bzw. gelten nur, wenn es keine Unentschieden gäbe ...
was soll denn dieser Artikel jetzt?
Man sollte diese weitgehend uninteressanten Zahlenspielereien nicht mit Mathematik und Statistik gleichsetzen. Ein derart starkes Leistungsgefälle zwischen zwei Clubs, so dass einer immer gewinnt, gibt es nun mal nicht. Tagesform und die Psychologie, die sich aus der Abfolge der Ergebnisse ergibt, tun ihr übriges.
Wären zwei Mannschaften exakt gleich stark, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mannschaft alle Spiele gewinnt, bei 1/8. Und besonders signifikant sind die Abweichungen der Zahlen im Artikel da nicht.