Von Von Wolfgang Gärner

Am Dienstag waren sie beim Tiefschneefahren, am Mittwoch schauten sie in die Nebelbank hinunter, die um die Mausefalle waberte, lange und gründlich, und die sportliche Leitung der Hahnenkammrennen hatte schon ein Alternativprogramm parat, falls auch am zweiten Tag kein Abfahrtstraining zustande gekommen wäre.

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Hermann Maier war am Dienstag nicht beim Tiefschneefahren, sondern im Hotel geblieben und gab sich lethargisch: Ihm sei die innere Spannung verloren gegangen, seitdem sie vom amerikanischen Weltcup-Zyklus zurück sind; nichts Gescheites mehr seitdem, wettertechnisch, am trübsten vergangene Woche in Wengen, fünf Tage waren sie rumgehangen im Berner Oberland, hatten gerade eine Übungsfahrt zusammen gebracht.

"Das Problem ist, dass man tagelang herumhängt", sagte Hans Knauß. Über dieses Problem brauchten sich die 250 nicht zu beklagen, die wieder einmal das altbekannte, deshalb nicht weniger dramatische Stück Kampf um die Streif zu Aufführung bringen.

40 Zentimeter Neuschnee

So plangemäß war alles vorbereitet, Mitte November die Grundbeschneiung erledigt, seitdem 100.000 Kubikmeter Schnee aufgebracht, vorigen Sonntag das Geläuf zum letzten Mal vereist. 2004 werde die Streif ihrem Ruf als brutalste Strecke der Welt wieder gerecht, hatte Pistenchef Peter Obernauer verheißen, so hart wie die Strecke sei und schlägig.

Leider war zu jenem Zeitpunkt die Wetterprognose schon äußerst bescheiden, zutreffend zudem: Von Montagnacht bis Dienstagabend schneite es derart heftig über den Kitzbüheler Bergen, dass Anton Giger, Cheftrainer des österreichischen Teams, erst mal nur eines hoffte für die Hahnenkamm-Woche: "Dass den Pistenarbeitern die Kraft nicht ausgeht."

Die hielten durch und hatten bis Mittwoch morgen 40 Zentimeter Neuschnee aus der Strecke geschaufelt. "Aber von einer Eispiste kann nicht mehr die Rede sein", sagte bedauernd der Südtiroler Rennfahrer und Eisspezialist Klaus Sulzenbacher, der als Erster übungshalber hinuntergefahren war.

Da hatten sie schon wieder einen Kampf um die Streif gewonnen: den, dass endlich ein Training stattfände, denn ohne mindestens eines kann es keine Abfahrt geben, wäre das Programm in Schieflage geraten. Heute die von Wengen übernommene Abfahrt, die für die Hahnenkamm-Kombination gewertet wird, morgen ein Super-G, Samstag die originale Hahnenkammabfahrt, Sonntag der Slalom.

Die Voraussetzungen für das heutige Rennen sind erfüllt, weil der Start nach unten verlegt wurde auf den Mausfallen-Boden, nachdem sie lange genug in die Nebelbank geschaut hatten. Die Sicht sei immer noch nicht extra klar gewesen, "das hat es nicht leichter gemacht", erklärte der Deutsche Florian Eckert, der sich der Streif insgesamt zum zweiten und erstmals seit seiner zweijährigen Verletzungspause nähert.

Bestzeit von Eberharter

Die Absicht, das Programm für heute so zu ändern, dass um zehn Uhr ein weiteres Training stattfände und das Rennen um 13 Uhr, käme einem wie ihm zupass, erst recht Benjamin Raich, 25. Der tritt als Weltcup-Spitzenreiter an und will diesen Status in der Kombination festigen.

Während Eckert 2001 hier immerhin zwei Abfahrtstrainings absolvieren konnte, ehe er den Super-G im Fangnetz beendete, hat Raich die Streif erst einmal bewältigt - auf Slalomski. Mangels detaillierterer Streckenkenntnis müsse er im Training einen Sicherheitslauf hinlegen, meinte er und hielt sich auch dran mit fünf Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Stephan Eberharter.

Eckert war mehr als zwei Sekunden schneller als Raich und damit nicht unzufrieden, entwickelte aber keine solche Glückgefühle wie Hermann Maier. Der schaute versonnen in den Flockenwirbel und hing den "schönen Erinnerungen an den Schneetriumph" nach. Bevor er vergangenes Jahr den Super-G von Kitz gewann, hatten nämlich die Pistenarbeiter auch stark an ihre Grenzen gehen müssen.

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