Die Lobby des Hotels "Goldener Greif" in Kitzbühel. In drei Tagen steigt ein paar Meter weiter das Hahnenkamm-Rennen, Inbegriff des alpinen Abfahrts-Sports. Der Kalifornier Daron Rahlves, 32, hat vor drei Jahren die "Streif" gewonnen, ist derzeit bester Abfahrer im Weltcup - und will nach Olympia die Rennski für immer in die Ecke stellen und lieber Motorradfahren. Warum eigentlich?
Herr Rahlves, Sie haben mal gesagt, das Hahnenkamm-Rennen sei der Superbowl der Skifahrer. Was bedeutet Ihnen diese Abfahrt?
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Kitz ist die Abfahrt, das Ski-Ereignis schlechthin. In diesem Jahr kommen 30 meiner Freunde aus Colorado und Kalifornien nur für dieses Rennen. Alles professionelle Party-Menschen - wie alle meine Freunde. Das Problem ist nur, sie alle unterzubringen. Ich hab' schon im vergangenen Mai alle Hotels abtelefoniert: nix. Ein paar werden nun in meinem Wohnwagen schlafen (Rahlves und Mannschaftskollege Bode Miller sind die einzigen Athleten im Weltcup, die im Wohnwagen statt im Hotel nächtigen; nur im Kitzbüheler Trubel flüchten sie ins ruhigere Hotel, Anm. d. Red.), ein paar im Apartement über dem "Londoner" (Kitzbühels berühmt-berüchtigter Pub, wo vor allem Amerikaner und Norweger ihre Siege feiern: mit viel Bier und gern auch mit blankem Oberkörper) - und der Rest? Keine Ahnung. Hauptsache, sie sind da. Das gibt mir mehr Energie.
Die kann man auf diesem Berg ja gut gebrauchen. Was ist das Besondere an der Streif?
In Kitzbühel Ski zu fahren und Rennen zu fahren, ist ein Unterschied. Ich mag diese Strecken, die einem alles abverlangen, die einen zwingen, den eigenen Dämonen ins Auge zu schauen. Heute beim ersten Training ist einer unserer jungen Fahrer zum ersten Mal die Streif runter. Im Ziel hab' ich ihn gefragt, wie es war. Er hat nur gesagt: "Ich bin unten. Frag' mich nicht, wie ich das gemacht hab'." Und dann überlegen sie, ob man nicht die weiten Sprünge etwas abbauen sollte - nein! Ich mag diese Sprünge über 40, 50 Meter. Es muss gefährlich sein. Das ist auch das, was die Zuschauer sehen wollen. Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?
Nicht das Zutrauen zu haben, das totale Risiko zu gehen: Davor hab' ich Angst. Ich mag es, ein bisschen zu erschrecken. Was ist das Beste an der Streif?
Ganz klar: der Start. Oben in diesem Häuschen zu stehen und sich immer wieder klarzumachen, warum man das alles so unbedingt gewollt hat. Und natürlich im Ziel. Meinen ersten Podiumsplatz in Kitzbühel werde ich nie vergessen, das war 2001. Und - logisch - den ersten Sieg, 2003. Danach willst du noch mehr davon. Was ist größer: die olympische Goldmedaille oder ein Sieg in Kitzbühel?
Hm. Schwer zu sagen. Die Strecke in Sestriere hat nichts, wovor man sich ängstigen müsste, auch wenn ständig was los ist, man viel tun muss. Ideal wäre sicher eine olympische Goldmedaille in Kitzbühel. Noch wertvoller ist aber der Abfahrts-Weltcup, das ist ein großes Ziel. Da hab' ich in diesem Jahr schlecht angefangen und muss Gas geben, wenn ich den noch gewinnen will.
Sie sind derzeit in blendender Form, haben in diesem Winter schon die sehr schwierigen Abfahrten in Beaver Creek, Bormio und vergangene Woche in Wengen gewonnen. Erleben wir gerade den besten Daron Rahlves, den es je gab?
Stimmt, Wengen war wohl der beste Lauf, den ich je gemacht habe. Ich weiß noch, wie ich diese Strecke (die längste im Weltcup, d. Red.) zum ersten Mal sah: Hier gewinn' ich nie! Das ist so schwer, so anders. Und jetzt zwei Sekunden Vorsprung auf den Fünften! Das kam meinem Ideal sehr nahe: Mit dem Berg fahren, nicht gegen ihn.
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