Einst haben die Fans ihre deutschen Helden angefeuert. Heute braucht der Radsport eine Pause. Auch die Zuschauer.
Die Tour de France und der gesamte Radsport sind im Rückblick eine Posse. Man erinnert sich mit Abscheu an die schweißigen Hände, das fiebrige Gemüt und die Spannung im Magen als Jan Ullrich versuchte, Lance Armstrong nach L'Alpe d'Huez zu folgen. Man wäre am liebsten mitgeradelt oder hätte angeschoben, so lieb wäre einem ein Sieg des melancholischen Helden aus Rostock gewesen.
Zwei Geständige, ein Verdächtigter: Zabel, Aldag, Ullrich (v.l.), bei der Tour 1997. (© Foto: AP)
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Udo Bölts wurde verehrt, weil er Ullrich in schlechten Zeiten stilecht anfeuerte ("Quäl dich, du Sau!"). Erik Zabel sollte mit seinen riesigen Oberschenkeln ins Grüne Trikot sprinten, und der nette Herr Aldag gab Interviews stets dreckverschmiert. Sie waren die Götter der französischen Straßen, die Könige des Julis.
Nun ist die Begeisterung von einst der unangenehmen Erkenntnis gewichen: Man hat wohl einer Horde Betrügern zugejubelt. Und deshalb: Schluss jetzt mit diesem Unsinn. Keine Emotionen mehr, kein Anfeuern mehr, keine Tour mehr.
Inzwischen ist der ganze Laden in die Luft geflogen: Dietz, Bölts, Henn, Zabel, Riis, Aldag. Ach ja, der nette Aldag aus dem Fernsehen. Es folgte die Beichte von Jörg Jaksche, die auch von Doping in der Gegenwart handelt. Und die Last der Indizien gegen den Helden Jan Ullrich wiegt schwer.
Nicht nur die Deutschen sind betroffen. Die Beispiele Basso, Hamilton, Landis sind nur die bekannten Namen. Und wie viele wurden nicht erwischt?
Jesús Manzano, der erste offen geständige Fahrer, hat gesagt, ohne Doping sei es unmöglich die Tour de France mitzufahren. Kein Wunder, wenn die Besten drei Wochen lang eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 40 Kilometer pro Stunde fahren. Ähnlich einem Moped.
Es geht dabei nicht nur um die betrogene Leidenschaft der Zuschauer, es geht auch um viel Geld. Zehntausende original Magenta-Trikots sind verkauft worden. Die Einschaltquoten der Sender stiegen in den Himmel, die Gehälter der Fahrer im gleichen Maße. Die Sponsoren hatten das seltene Glück, omnipräsent zu sein. Am Radsport-Boom haben alle Beteiligten bestens verdient.
Während seines Geständnisses lud Bjarne Riis die bösen Kritiker gnädig nach Hause ein, um sein Gelbes Trikot abzuholen. Was sie nicht mehr bekommen, sind die Koffer voller Geld, die der Däne mit seinen Erfolgen verdient hat. Alles ist verjährt.
Und das Doping hält an. Wenn man Experten wie den Heidelberger Professoren Werner Franke glaubt, sind neue Mittel längst auf dem Markt. Mittel, die für Dopingfahnder nicht nachweisbar sind.
Als sich die Leiter der Rennställe am Donnerstag über den neuen Ethikcode des Weltverbands stritten, verließ Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer wütend den Raum. Beim Thema Eigenblut-Doping kam es zum Eklat: "Ein Vertreter eines spanischen Teams hat doch tatsächlich gesagt, das sei kein Doping, sondern Medizin", berichtete Holczer. Einige haben offenbar immer noch kein Unrechtsbewusstsein für ihre Manipulationen am menschlichen Körper.
Und so ist es ausgeschlossen, sich guten Gewissens weiter die Tour de France anzusehen, wie die Männer mit den dicken Waden und der unendlichen Ausdauer die Alpen und Pyrenäen hinaufsprinten. Die Tour de France und der gesamte Radsport brauchen eine Auszeit. Auch der Zuschauer.
Die andere Meinung: Pro Tour de France.
(sueddeutsche.de)
Wenn Herr Hummel so naiv war, das Offensichtliche nicht zu erkennen, dann soll er sich mit seinen "Schweisshaendchen" lieber zurueckhalten und schweigen. Grenzenlos ueberheblich allerdings ist seine Forderung nach einer Radsportpause, die angeblich auch der Zuschauer brauche. Schon als Kinder haben wir gesagt: "Dummheit und Stolz waechst auf einem Holz".
Anhand der "Dopingdiskussion" (der Begriff verkommt schon zur Hülse) lässt sich ein ebensolches Verhalten vieler ablesen:
1. Schritt - Behauptung: Böser Journalist, hast früher mitgelobt und -gefeiert und hättest es doch "besser wissen müssen"
2. Schritt: (Halb-)juristische Hinweise auf die Strafbarkeit usw., wo es doch immer "nur" um die Moral des Handels geht, wenn auch Journalisten ein "betrügerisches Verhalten" des ein oder anderen vermeintlichen Radstars ankreiden
3. "In anderen Sportarten wird auch gedopt, armer Radsport!" schreien, was ja wirklich viel erklärt und vor allem rechtfertigt
Mir wurde bislang klar, dass ...
- hier keine journalistische Scheinheiligkeit transportiert werden soll(te)
- auch die Schreiber der heutigen Artikel mal naiv an Dopingfreiheit und Radheldentum glaubten und deswegen teils euphorisch schrieben, deswegen nun wohl besagten moralischen Betrug beschreiben
- auch den meisten Lesern klar ist, dass es im Sport ein Dopingproblem gibt, doch gerade jetzt eben nur über den Radsport berichtet wird
Mit "das war schon immer so", "ich habe es euch doch gesagt" und vor allem "wenn alle dopen, ist es doch gut" kommen wir nicht viel weiter, wird es nie besser und zeigen "wir" auch kein sonderlich objektives Argumentationsniveau, oder?
Bei der Tour haben wir es eben schon früh geahnt und seit Simpson gewußt.
und wie sieht es in anderen Sportarten aus? Die Athleten kommen doch mittlerweile alle so pausbäckig daher, man denke mal an Armin Hary im Verhältnis zu Ben Johnson, als einer Disziplin, in der es nicht auf die Ausdauerleistung ankommt, an Cassius Clay 1960, Bob Beaman 1968, oder die deutsche WM-Mannschaft 1972 - im Vergleich zu der von 2006 alles Hänflingel. Natürlich ist das alles nicht nur Doping etc, aber das fängt ja auch nicht bei Epo in der Tour an, sondern wenn in der Muckibude der Bizeps halt trotz Training nicht mehr wachsen will.
Es wird halt dem Sport zu viel Bedeutung beigemessen, und es ist immer noch ein Feld, in dem sich sozialer Aufstieg, viel Geld und Prestige erreichen läßt. Als Zuschauer unterstütz man diese überbedeutung, aber schön ist's manchmal eben doch, das Zusehen. Insofern werden wir nicht betrogen, indem man immer wieder Höchstleistung sehen will. Es hat schon was von "Brot und Spielen".
Aber es sind ja nicht nur Menschen gedopt, sondern auch z.B. die Pferde. Als Springpferd würde man es vielleicht so sehen: besser gedopt als gebarrt
eine Pause haben will, braucht er ja seine Glotze nicht einzuschalten.
Wenn alle gedopt sind, ändert sich gar nicht so viel, weil dann die von den Fahrern auszuhaltenden Qualen immer noch existent sind - oder glaubt jemand, dass ein Doper einfach mal so locker mit ein paar Epo-Spritzen die Alpenpässe "wie ein Mopped" hochrauscht und nur die "sauberen" Fahrer (falls vorhanden) sich quälen müssen ? Und wenn alle gedopt sind, verlagert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit ein paar (wenige) Prozent nach oben, aber dies und die Qualen/die Leistung usw. auch, und zwar für alle, also ist der Zuschauer auch nicht betrogen.
Ich will dem Doping nicht das Wort reden, es geht ja auch nicht nur um den Profi-Sportler, sondern nicht zuletzt auch um die Vorbildfunktion des Sports für die Jugend - schon alleine deshalb gehört Doping (aber auch Betrug, Spekulantentum, Ehrenerklärungen korrupter Politiker usw. usf.) unterbunden, kein Thema !
Mich kotzt aber dieses scheinheilige Getue der Medien an - oder wurde schon mal der 33igste nach einem Rennen im Ziel interviewt ? Und solche Möchtegern - Fachleute wie z.B. Herr Hummel können meinetwegen bleiben wo der Pfeffer wächst, ich verfolge die Tour de France (und fahre selbst Rennrad und Rennen) seit 30 Jahren - früher haben die Medien in Deutschland so gut wie gar nicht darüber berichtet (Ausnahme die Zeit Diddi Thuraus) und man wurde auf der Straße permanent blöd angehupt oder müde belächelt wenn man mit Radhose unterwegs war.
Mittlerweile ist aus dem Radfahren (in Deutschland) ein Riesen - Hype entstanden (den gibt es in anderen Ländern (F, I, B, NL) schon lange) und damit verdient vor allem die Industrie - was nicht zuletzt auch die Fahrer zum Doping greifen lies (und lässt).
Für mich ist der Radsport immer noch (und jetzt erst recht) wichtig und das lasse ich mir weder von der ARD (Eurosport ist sowieso kompetenter) noch von solchen Schreiberlingen wie Herr Hummel vermiesen !
Und außerdem - wie viele Weltrekorde wurden z.B. bei der letzten Schwimm-WM gebrochen ? Oder bei Olympia ? Marathon-Läufer rennen mit über 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit durch die Gegend - das würden die Meisten mit Ach & Krach gerade mal mit dem Fahrrad schaffen, wenn überhaupt. Die schaffen das alle nur mit Luft und Liebe und einem Energie - Drink ?
So? Sie vielleicht.
Andere waren besser informiert.
Der Begriff "Betrüger" ist strafrechtlich sanktioniert. Entweder üble Nachrede oder Verleumdung. Doping hingegen ist nicht strafrechtlich sanktioniert, sondern nur per Vertrag oder Mitgliedschaft in einer Sportvereinigung im Rahmen eines "Kodex" verboten.
Auf der einen Seite strafrechtlich relevante Verleumdung einer ganzen Sportart, auf der anderen Seite vermuteter Medikamentenmißbrauch. Wer wird wohl eher in einer Strafvollzugsanstalt landen. DerVerleumder oder der Pillenschlucker?