Von Arne Perras

Im Zentrum des Confed-Cups steht die Frage, ob Südafrikas Elf bei ihrem Heimspiel in einem Jahr WM-tauglich sein kann.

Gar nicht auszudenken, diese Schmach. Man stelle sich das nur einen Moment lang vor: Südafrika schafft es, 2010 eine tolle WM zu organisieren, die neuen Stadien werden strahlen, alles läuft reibungslos, die Stimmung ist prächtig, die Welt wird staunen, was dieses Land doch hingekriegt hat. Und dann das: Ausgerechnet die eigene Nationalelf fliegt schon in der ersten Runde raus. Für Südafrikas Fußballfans ist das ein wahrlich gruseliger Gedanke.

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Steven Pienaar und Süafrika wollen beim Confed-Cup vor heimischem Publikum überzeugen. (© Foto: dpa)

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"Es ist noch nie passiert, dass der Gastgeber einer WM schon in der ersten Runde rausgeflogen ist. Und wir wollen nicht die Ersten sein", grübelt Südafrikas Fußballheld Marc Fish, der mit dem Team 1996 noch den Afrika-Cup holte. Natürlich hat es schon mehrere Gastgebermannschaften gegeben, die kaum eine Chance auf den WM-Titel hatten. Doch sie alle haben sich zumindest wacker geschlagen.

Die USA haben es 1994 in die zweite Runde geschafft. 2002 kamen Japan und Südkorea weiter, letztere schafften es sogar bis ins Halbfinale. Da will Südafrika 2010 nicht plötzlich aus der Rolle fallen. Doch so, wie das Team in den vergangenen Jahren gespielt hat, lässt sich die Angst vor der großen Blamage leider nicht so leicht vertreiben. Denn verglichen mit den großartigen neunziger Jahren ist das Team von Südafrika nur noch ein Schatten seiner selbst.

Als Marc Fish in der Nationalelf spielte, war das Team ein Quell des Stolzes. Es ist eine Zeit des Aufbruchs gewesen: 1994 besiegt das Land mit seinem Helden Nelson Mandela die Apartheid. Zwei Jahre später sitzt der Übervater im nationalen Trikot im Endspiel des Afrika-Cups und feuert sein Team an. "Fiiiiiiiish" brüllen die Fans immer wieder, bis sie heiser sind.

Der Verteidiger ist einer der großen Stars, genauso wie Mark Williams, der schließlich den Ball zweimal im Tor von Tunesien unterbringt. Südafrika will es wissen an diesem Tag - und Südafrika siegt 2:0. Es ist, als würde die junge Nation in diesem Moment auch sportlich noch einmal wiedergeboren. Bafana Bafana heißt die Elf, das ist Zulu und bedeutet "die Jungs". Bafana Bafana - das klingt im Jahr 1996 noch wie ein afrikanisches Fußball-Märchen.

Williams, der damals die Tore schoss, erinnert sich noch daran, wie Mandela vor dem Spiel zu ihnen kam und sagte: "Denkt immer daran - die ganze Nation steht hinter euch." Das sei wie ein großer Zauber gewesen, erzählt er - nach all den Konflikten, die Südafrika während der Apartheid zerrissen. Ums große Geld sei es damals noch gar nicht gegangen: "Wir waren einfach hungrig, etwas für unser Land zu tun."

Doch heute ist alles ein wenig anders, das Team bereitet Sorgen. Einige der besseren Spieler treten nicht an, und die Kritik am Trainer reißt nicht ab. Von Sonntag an muss sich Südafrikas Elf vor der Welt beweisen. Dann wird der Confederations Cup angepfiffen, die Generalprobe für die WM 2010. Neben dem Gastgeber - der die Auftaktpartie in Johannesburg gegen den Irak bestreitet - spielen der Weltmeister Italien sowie die Sieger der Fifa-Kontinentalverbände. Brasilien und Spanien sind also auch mit dabei. Für Südafrika wird das eine harte Probe. Die Fans malen sich schon mal trotzige Sprüche auf den Bauch. "Yes we can" - wir können es eben doch.

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