Er hatte Krebs - und hat ihn besiegt und vielen Mut gemacht. Ist es da nicht egal, mit welchen Mitteln er siegte? Nein, ist es nicht.
Es ist doch ganz einfach. Lance Armstrong hat den Krebs besiegt. Vom Todgeweihten ist er aufgestiegen zum siebenmaligen Gewinner der Tour de France, die ein Mythos ist, weil sie Menschen größtmöglichen Anstrengungen aussetzt. Lance Armstrong hat der Beharrlichkeit ein Denkmal gesetzt. Er gibt ein Beispiel. Live strong! Lebe! Sei stark! Jedes T-Shirt, das in seinem Namen verkauft wird, trägt diese Botschaft. Und nun kehrt er zur Tour zurück im Namen seiner Kampagne gegen den Krebs. Was kann man dagegen sagen? Lance Armstrong ist ein Idol. So einfach ist es doch. Nicht wahr?
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Lance Armstrong (links) und der frühere US-Präsident Bill Clinton bei der Verkündung von Armstrongs Comeback-Plänen. (© Foto: Reuters)
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Alles ist einfach, wenn man nur die richtigen Tatsachen ausblendet. Erst wenn man ein Phänomen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, wird es kompliziert. Und bei Lance Armstrong prallen die Tatsachen so hart aufeinander, dass seine Karriere fast schon ein Lehrstück dafür ist, wie das Sportgeschäft alle Widersprüche auf teuren Polstern aussitzt und sie als Geschichten an eine denkfaule Gesellschaft verkauft.
So viele klare Indizien
Es gibt so viele klare Indizien dafür, dass die spektakuläre Pointe seiner Gesundung, die Dominanz in der Königsdisziplin des Ausdauersports, und damit seine Stellung als öffentlicher Edelmann auf künstlicher Leistungssteigerung basiert. Nachträgliche Tests haben gezeigt, dass Armstrong bei der Tour 1999 gedopt war. Zeugenaussagen belasten ihn. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen haben ergeben, dass Armstrongs Sport zu seiner besten Zeit bis ins Mark verseucht war.
Nur in Gerichtsurteile sind die Erkenntnisse nie geflossen, teilweise aus formalen Gründen. Das reicht vielen, um Armstrongs Beteuerungen zu glauben und ihn sein Geschäft als Hochleistungsüberlebender betreiben zu lassen. Die Politik spannt ihn ein, Veranstaltungen schmücken sich mit ihm, junge Sportler blicken zu ihm auf. Als wollten sie alle betrogen werden.
Warum auch nicht? Ist es nicht egal, mit welchen Mitteln Lance Armstrong die Geschichte geschrieben hat, die so viele ermutigt? Es ist nicht egal. Weil eine Ermutigung durch eine unwahre Geschichte keine Ermutigung ist, sondern eine Illusion. Oder wäre Lance Armstrongs erfolgreicher Kampf gegen den Krebs ohne seine Radsport-Weihen und Titel weniger wertvoll? Das darf kein Krebspatient dieser Welt glauben. Sie müssen doch wissen, dass sie schon stark genug sind, wenn sie einfach nur gesund werden.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Armstrong-Rückkehr "Die UCI ist ein mafiöser Klub" 25.09.2008
- Radsport Comeback zum Nulltarif 24.09.2008
- Armstrongs Comeback Ein Leben in Gelb 24.09.2008
(SZ vom 26.09.2008)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
Hurra, endlich mal ein Kommentar in der SZ, bei dem mir Sinn und Intention völlig schleierhaft sind!! Oder vertritt der Autor wirklich die Position, dass man Armstrongs mutmasslichen Dopinggebrauch in der Vergangenheit, in der mutmaßlich min. 90% der Tour-Teilnehmer gedopt waren, nicht auf sich beruhen lassen kann, weil er mal Krebs hatte?!
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Die Verantwortlichen sind nicht lernfähig. Auf der letzten Tour wurde zwar auch gedopt aber dennoch hatte ich den Eindruck, es waren weniger und der Profi-Radsport ist auf dem richtigen Weg.
Armstrong ist aber ein Rückschlag. Er repräsentiert die Doping-Generation. Mit Fahrern wie ihm ist der Sport und das Image nicht sauber zu bekommen.
Das finde ich persönlich sehr schade, da der Profi-Radsport auch für die Amateure und Freizeitfahrer wichtig ist.
Warum werden neben den Fahrern nicht auch die Funktonäre gesperrt. So gibt es immer wieder die alten Seilschaften, die sich persönlich profilieren, aber den Radsport kaputt machen.
Ich will einen Armstrong bei der Tour nicht sehen.
"Alles ist einfach, wenn man nur die richtigen Tatsachen ausblendet. Erst wenn man ein Phänomen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, wird es kompliziert."
Genau, es ist nämlich auch vielschichtiger als in dem Artikel herausgearbeitet. Armstrong hat ja gegen einen wahrscheinlich ebenfalls gedopten Jan Ullrich gewonnen. Macht ihn das nicht wieder zum Gewinner in einem gleichen Duell. Ich glaube im übrigen nicht daran, dass Armstrong ohne die Krankheit gewonnen hätte. Es ist ja so, dass man sich beim Radfahren trotz Dopings extrem quälen muss. Ullrich konnte das ja nicht in dem Masse. Trotz alledem ist Doping natürlich nicht entschuldbar. Man sollte aber nicht den Fehler machen zu glauben, dass Armstrong nur wegen des Dopings gewonnen hat.
Das ist der besteSatz seit langer Zeit!
Gilt übrigens auch für viele andere Bereiche, z.B. Politik und Wirtschaft!
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