Clásico-Blamage für FC Barcelona Ronaldos Show, Messis Krise

Auch Lionel Messi kann seinem Teamkollegen Dani Alves nicht das richtige Rezept einflüstern.

(Foto: Getty Images)

Ist die Ära des schier unbesiegbaren FC Barcelona beendet? Nach der Niederlage in der Champions League in Mailand folgt eine krachende Pleite im Pokal gegen den Erzrivalen Real Madrid. Die Absenz des krebskranken Trainers Tito Vilanova wirkt sich offenbar negativ aus.

Den Erzrivalen gedemütigt, Lionel Messi klar ausgestochen und seinem Trainer den Job gerettet: Gründe hätte Cristiano Ronaldo zuhauf gehabt, doch Real Madrids Stürmer dachte gar nicht daran, den Pokaltriumph beim FC Barcelona verbal auszuschlachten. Nur wenige Minuten, nachdem Barças Demütigung perfekt gewesen war, richtete der Matchwinner den Blick schon wieder nach vorne.

"Ein Sieg im Camp Nou gibt unglaubliches Selbstvertrauen und pusht uns ungemein für das Spiel gegen Manchester", sagte Ronaldo, der das Halbfinal-Rückspiel des spanischen Königspokals mit seinem Doppelpack entschieden hatte. Während Barças blass gebliebener Angreifer Lionel Messi in den Katakomben des katalanischen Fußball-Tempels am späten Dienstagabend konsterniert nach Erklärungen für die 1:3-Schmach im eigenen Stadion suchte, zog der Portugiese mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen von dannen. Wohlwissend, dass er seinen Trainer José Mourinho womöglich gerade vor einer Entlassung bewahrt und Barcelona endgültig den Glanz der vergangenen Jahre geraubt hatte.

"Madrid demütigt Barcelona. Cristiano regiert im Hause Messis", titelte die Marca und lobte den Teamgeist der Königlichen in den höchsten Tönen. Nach dem 1:1 aus dem Hinspiel präsentierte sich das Team um die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira so stark wie lange nicht mehr.

Neuer Mut für die Champions League

Durch den souveränen und mit kalter Effizienz herausgespielten Erfolg im 255. Clásico (89 Real-Siege, 87 für Barca) schöpft Real neuen Mut für die schwere Aufgabe im Achtelfinale der Champions League. Bei Manchester United muss Madrid am kommenden Dienstag nach dem 1:1 im Hinspiel vermutlich gewinnen. Immer stärker unter Druck gerät derweil der FC Barcelona, der auch gegen Real ohne ihren an Krebs erkrankten Trainer Tito Vilanova auskommen musste.

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Die zweite enttäuschende Vorstellung binnen einer Woche wirft etliche Fragen auf. Zwar liegen die Katalanen in der spanischen Meisterschaft mit zwölf Punkten Vorsprung quasi uneinholbar vorne, doch nach der Pokal-Blamage droht auch in der Champions League das Aus. Vor Wochenfrist hatte schon der AC Mailand dem Messi-Klub 2:0 besiegt.

Wiedergutmachung in der Liga

"Das Spiel gegen Madrid war ein Desaster, aber jetzt gilt es aufzuwachen", mahnte die katalanische Zeitung Sport in ungewohnter Schärfe: "Das Team sollte schnell genesen, um das Spiel gegen Milan noch umzubiegen." Geschieht das nicht, könnte es für das Starensemble und vor allem für den Interimscoach Jordi Roura Konsequenzen geben. Einige Kritiker beschwören sogar schon das Ende der inzwischen viereinhalb Jahre andauernden Barça-Ära.

Selbst beim Präsidenten herrscht angesichts der schwierigen Situation und der ersten Heimpleite nach 22 Spielen Ratlosigkeit. "Die Niederlage gegen Real haben wir so nicht erwartet. Aber dieses Team verdient es, an es zu glauben", sagte Sandro Rosell: "Ich weiß, dass es schwer ist, aber wir dürfen nicht vergessen, was sie geleistet haben." Die erste Chance zur Wiedergutmachung hat Barcelona am kommenden Wochenende. Nur ein Sieg in der Liga dürfte die Gemüter in der katalanischen Hauptstadt wieder beruhigen. Der Gegner am Samstag heißt Real Madrid, diesmal allerdings im Bernabeu-Stadion in der Hauptstadt.