Claudio Pizarro Fangnetz im Karriereknick
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Claudio Pizarro ist zurück bei Werder Bremen - es ist eine Zweckgemeinschaft, von der sich beide Seiten viel versprechen.
Claudio Pizarro ist einer dieser Menschen, die gar nicht anders können, als zu lächeln. Werder Bremens prominenter Leihspieler, vom FC Chelsea für die gerade begonnene Saison angemietet, ist ein Sonnenschein in kurzen Hosen. Also lächelte der Peruaner an seinem ersten Arbeitstag in Bremen, was die Mimik hergab. Er lächelte freundlich den Jogger an, der seinen Lauf zur Weser unterbrach, um dem neuen Angreifer nur das Beste zu wünschen.
Claudio Pizarro spielt wieder für Werder Bremen.
(Foto: Foto: dpa)Er lächelte etwas verlegen seinen Berater an, als der ihm während der Pressekonferenz mit ein paar Details aus seinem Arbeitsvertrag aushelfen musste. Und er lächelte sogar, als er beherzt durch die falsche Tür stürmte. Dort, wo es vor sieben Jahren noch zur Kabine von Werder Bremen ging, ist heute nämlich der Eingang für die VIPs. Zweifel an seiner Ortskenntnis wollte er aber nicht aufkommen lassen: "Ich kenne mich noch aus."
Claudio Pizarro ist zum zweiten Mal in Bremen, doch der Verein und der Spieler haben sich sehr verändert. 1999 präsentierte der damalige Jung-Manager Klaus Allofs einen vollkommen unbekannten Mann aus Lima als seinen ersten großen Transfer für Werder Bremen. Eine Wundertüte. Der Klub war gerade mit Mühe und Not nicht abgestiegen, das Trainer-Talent Thomas Schaaf stand vor seiner ersten kompletten Saison als Chefcoach. Es war nicht abzusehen, dass für den torgefährlichen, kopfballstarken und gewitzten Angreifer Pizarro damals eine hübsche Karriere beginnen sollte, die ihn über die Station Bayern München bis zum großen FC Chelsea führte. Dort, sagte Pizarro am Dienstag und lächelte keck aus dem Trainingsanzug von Werder Bremen, "wäre ich gerne geblieben".
Das Angenehme an diesem Wechsel ist, dass sich erst gar niemand die Mühe macht, der Rückkehr Pizarros irgendetwas Romantisches anzudichten. Zweckmäßiger kann eine Verbindung zwischen einer Fußball GmbH und Co. KG auf Aktien und einem kickenden Kleinunternehmer kaum sein. Auf der einen Seite Claudio Pizarro: In München verschlampte der kleine Prinz, dem das schöne Leben liegt, viel von seinem Talent in den Lounges der VIP-Discos. Immer wieder deutete er an, was er kann - nie bestätigte er es auf Dauer.
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Lotterleben in den Lounges
In der peruanischen Nationalmannschaft schoss er sich ins Aus, weil sein fröhliches Wesen nach zu viel Spaß im Trainingslager verlangte, von Orgien war gar die Rede, und nichts blieb geheim. Und dennoch rief, erinnert sich Claudio Pizarro, vor einem Jahr "einer der besten Trainer der Welt an und wollte mich haben". Das war Jose Mourinho vom FC Chelsea. Er bekam den damals ablösefreien Spieler, der zuvor in München die Finanziers des FC Bayern mit absurden Gehaltsforderungen für eine Vertragsverlängerung amüsiert hatte. "Natürlich hatte ich Pech, dass der Trainer nach drei Monaten weg war", sagte Pizarro, denn Mourinho ward gefeuert, und er fristete ein Leben als hochbezahlter Bankdrücker.
Werder Bremen wiederum sucht seit einem Jahr nach einem bezahlbaren, renommierten, treffsicheren Stürmer. Die Lücke, die Miroslav Kloses unappetitlicher Wechsel nach München damals an der Weser gerissen hat, konnte etwa Boubacar Sanogo nie schließen. Schon damals fragte Werder bei Pizarro an, ob eine Rückkehr nach Bremen möglich sei - doch da war längst Chelsea mit im Boot, Werder chancenlos.
Die Bremer versuchten ihr Glück mehrmals bei in Europa teilweise unbekannten Spielern aus Südamerika, doch so einen wie Pizarro fanden sie nicht wieder, vor allem nicht zu den damals üblichen Konditionen. Am verheißungsvollsten war noch der Deal mit dem Bolivianer Marcelo Moreno, doch der zog, handelseinig mit den Bremern, im letzten Moment ein besseres Angebot aus dem ukrainischen Donezk vor. "Vor drei, vier Monaten", sagte Sportdirektor Klaus Allofs, habe der Verein dann erneut bei Pizarro angefragt, ob ein Wechsel zurück in die Bundesliga möglich wäre. Oder, wie Claudio Pizarro sagte: "Ich wollte in Chelsea bleiben, aber dann waren der Klaus und der Thomas da", der Allofs und der Schaaf.
Streiten mit Hull City
Es begann ein zähes Ringen, denn noch wichtiger, als "in der Bundesliga und in der Champions League zu spielen", wie Pizarro am Montag sagte, war seinem Clan, das Gehaltsniveau zu halten. In London läuft sein Vertrag bis 2011, er verdient angeblich mehr als vier Millionen Euro. Doch die Signale waren eindeutig: Chelsea legte dem Spieler nahe, sich anderswo wieder zu empfehlen; bei den Fans war er als lebenslustiger Tagedieb ohnehin schon durchgefallen.
Am Ende stritt sich Werder mit einem Klub namens Hull City, Aufsteiger in die englische Premier League, um Pizarros Dienste. Zustande kam schließlich ein Ausleihgeschäft für eine Saison, Werder zahlt kolportierte 1,5 Millionen Euro Leihgebühr, Chelsea einen Teil des üppigen Gehalts von Pizarro. Es gibt, versichert Allofs, keinerlei Option für die Zukunft.
Für Pizarro ist Bremen eine Art Fangnetz im Karriereknick. Spielt er gut, kann Chelsea ihn zurückholen oder teuer transferieren. Spielt er durchschnittlich, wird sich vielleicht Werder Bremen bemühen, ihn länger zu behalten. Spielt er schlecht, schaut er sich abends seinen gültigen Arbeitsvertrag mit dem FC Chelsea an und dürfte, während er beruhigt einschläft, selig lächeln.