Chronologie der Hoeneß-Affäre Der Fall des Uli H.

Uli Hoeneß: Präsident des FC Bayern und Steuerbetrüger

Uli Hoeneß ist tief gestürzt: Der gefeierte Fußball-Manager wurde zum Steuersünder und zog den Zorn der Republik auf sich. Nun beginnt vor dem Landgericht München II der Prozess - und der könnte mit einer Haftstrafe enden. Die Chronologie der Ereignisse.

Von Saskia Aleythe und Lisa Sonnabend

Es soll mit einer Leidenschaft begonnen haben, die schließlich zur Sucht wurde. Uli Hoeneß zockte. Mit Zahlen, Wahrscheinlichkeiten und dem Risiko an der Börse. Der kleine Pager war stets in Griffweite - ob im Fußballstadion, im Büro oder am Küchentisch. Für Aktien hatte Hoeneß eine Leidenschaft, fürs Steuernzahlen weniger.

Der Fußballmanager flog im April 2013 als Steuersünder auf - er fiel tief und schmerzhaft. Die Bundeskanzlerin wandte sich vom Bayern-Präsidenten ab, stundenlang debattierte das öffentlich-rechtliche Fernsehen über die einstige "Vater Teresa vom Tegernsee". 13 Jahre ist es her, dass Hoeneß ein Konto bei der Schweizer Vontobel-Bank einrichtete. Nun muss sich der Bayern-Präsident vor Gericht verantworten, am Montag hat vor dem Landgericht München II einer der größten Steuerprozesse der vergangenen Jahre begonnen. Die Chronologie des Falls:

  • 2001: Robert Louis-Dreyfus, früherer Adidas-Chef, gibt seinem Freund Uli Hoeneß 20 Millionen Mark als Spielgeld in der Schweiz. Fünf Millionen habe er ihm geliehen, weitere 15 Millionen als Bürgschaft zur Verfügung gestellt, sagt Hoeneß. Das Geld liegt auf einem Konto der Schweizer Privatbankgruppe Vontobel. Hoeneß spekuliert damit an der Börse.

Jüngster Manager, Lautsprecher, Steuerhinterzieher

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  • 2001 - 2009: Hoeneß macht mit seinen Spekulationen erhebliche Gewinne, vor allem durch Devisengeschäfte. Es sind teilweise wilde Geschäfte. Dem Finanzamt verschweigt Hoeneß das Konto in der Schweiz, er zahlt keine Kapitalertragssteuer. 2001 beschließen Adidas und der FC Bayern eine strategische Partnerschaft, außerdem beteiligt sich der Sportartikelhersteller mit 9,1 Prozent an der FC Bayern München AG. "Robert hatte mit dem Deal gar nichts zu tun", sagt Hoeneß im Mai 2013 der Zeit, auch Adidas äußert sich auf Anfrage ähnlich.
  • Dezember 2012: Deutschland verhandelt mit der Schweiz über ein gemeinsames Steuerabkommen, nach dem Steuerbetrüger ihre Schuld anonym begleichen können. Das Abkommen scheitert allerdings an der SPD und den Grünen im Bundesrat, auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt im Dezember keine Einigung zustande. Die Chance für Hoeneß, stillschweigend, ohne juristische Nachspiel nachzahlen zu können, ist dahin. Ende Dezember, so erzählt es Hoeneß, habe er den Entschluss gefasst, eine Selbstanzeige vorzubereiten. Doch es dauert, bis es soweit kommt.
  • Januar 2013: Der Bayern-Präsident hat es plötzlich eilig mit der Selbstanzeige. Hoeneß hat laut Medienberichten von einem Mitarbeiter der Vontobel-Bank einen Anruf erhalten: Der "Stern" recherchiere nach einem Prominenten aus dem Sportbereich, der bei der Bank ein Konto besitze. Hoeneß drängt darauf, die Anzeige abzugeben, sein langjähriger Steuerberater kümmert sich darum, ist mit der Komplexität aber wenig vertraut. Für das Zusammenstellen der Dokumente bräuchte es eigentlich Wochen, Hoeneß und sein Team erledigen es offenbar in einer Nacht.
  • 17. Januar 2013: Die Selbstanzeige wird am Morgen beim Finanzamt in Rosenheim eingereicht. Der Eingangsstempel zeigt 8.15 Uhr.
  • 17. Januar 2013: Der "Stern" veröffentlicht seinen Artikel über "Das geheime Fußballkonto". Der Name von Hoeneß taucht nicht auf, die Rede ist von einem "Spitzenvertreter der Bundesliga". Drei Tage zuvor hatte das Magazin um eine Stellungnahme von Vontobel gebeten, bei Hoeneß selbst ging keine Anfrage ein.