China bei den Paralympics Erfolg im Sog des Staatsapparats
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China dominiert die Medaillenwertung der Paralympics, und zwar aus gutem Grund: Im Gegensatz zu anderen Nationen bildet das Land behinderte Menschen systematisch zu Profisportlern aus. Sichtungsturniere und Trainingslager gehören zum Standardprogramm.
He Junquan ist ein Strich in der Landschaft, denn er hat keine Arme. Er hat im Grunde nicht einmal Schultern, wenn er am Startblock steht, wirkt es immer, als habe jemand am Computer was wegretuschiert, so schnurgerade ist sein durchtrainierter Oberkörper. Für seine Startposition zum Rückenschwimmen nimmt er ein Handtuch zwischen die Zähne, dessen anderes Ende sein Betreuer hält, und dann geht die Post ab.
Ins Handtuch beißen und los: Chinas Schwimmer He Junquan.
(Foto: REUTERS)He Junquan hat schon oft erzählt, dass er sich immer böse den Kopf anhaut, wenn er im Ziel anschlägt, je schneller er ist, desto schmerzhafter, und He Junquan ist ziemlich schnell. Bei den Paralympics in London hat er am Donnerstagabend Silber über 50 Meter Rücken gewonnen, in 36,41 Sekunden. Es war seine 13. Medaille seit seinem Spiele-Debüt vor zwölf Jahren in Sydney, sieben Mal war er schon Paralympics-Sieger.
He Junquan ist damit Zeitzeuge und Mitgestalter des chinesischen Aufstiegs zur paralympischen Supermacht. Es gibt viele Teams, die mit ihrer Position im Medaillenspiegel zufrieden sein dürfen bei diesen Paralympics. Die Briten zum Beispiel, die schon am Donnerstagabend ihr Ziel von 103 Medaillen-Gewinnen übertrafen. Die Ukraine belegt einen beachtlichen vierten Platz hinter Russland, die Deutschen sind auch ganz gut dabei auf Platz sieben. Aber die Chinesen sind unangefochten. Mehr als doppelt so viele Goldmedaillen wie die zweitplatzierten Briten haben sie - Stand Freitagabend - schon gesammelt, 81 zu 32, bei 204 Medaillen für China insgesamt.
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Man darf die Medaillenzählerei nicht zu wichtig nehmen, aber die Bilanzen sagen halt doch ein bisschen etwas über die Trends und Zustände in der Sportwelt. Bei Olympia lagen die USA vor China auf Platz eins der Tabelle, jetzt liegen die Amerikaner abgeschlagen auf Platz sechs. Bei der kommerziellen Olympia-Show vor einem Monat noch vorne, bei den Spielen der bodenständigen Paralympier zurück und auch nur am Rande berücksichtigt von Fernsehrechte-Inhaber NBC - das passt schlecht zum moralischen Anspruch der amerikanischen Sportnation.
Es scheint dem US-Team auch irgendwie unangenehm zu sein. Zum Beispiel Jessica Long, 20, einer charismatischen Schwimmerin ohne Unterschenkel, die im Aquatics Centre schon vier Goldmedaillen für die USA gewonnen hat. Sie erzählt gewinnend über ihre Liebe zum Sport ("Im Wasser bin ich eine Meerjungfrau") und ihre russische Mutter, die sie als Baby an ein Waisenhaus abgab ("Sie war 16, als sie mich bekam"). Aber wenn die Sprache auf das magere TV-Angebot in den Staaten kommt, lobt sie erst die Unterstützung daheim, sagt dann, dass es "immer noch besser werden" könne. Und steht für Nachfragen nicht mehr zur Verfügung.