Seit 1908 wartet der Traditionsclub auf eine Meisterschaft. Am Sonntag startet der nächste Versuch: Die Baseballer der Chicago Cubs wollen endlich den Bann brechen.
Wer Anhänger des Baseball-Traditionsvereins Chicago Cubs ist, muss eine gehörige Portion Galgenhumor besitzen. Daran erinnert das kürzlich in den USA erschienene Buch The Cubs Fan's Guide to Happiness - auf deutsch: ,,Der Leitfaden des Cubs-Fans zur Glückseligkeit''. Bereits das Cover des Werkes sagt viel. Zu sehen ist eine karikierte Figur, die ein T-Shirt mit einem riesigen Vereinswappen und dem Aufdruck ,,Meister 1908'' trägt - eine Erinnerungsstütze an den letzten Titelgewinn. In der Hand hält der Protagonist mehrere leere Bierbecher, schließlich braucht der Fan ,,genug Bier, um eine weitere Cubs-Niederlage zu vergessen'', wie eine beigefügte Sprechblase verrät.
Auf dem Sprung: die Chicago Cubs. (© Foto: dpa)
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Ausgerechnet dieser Klub, der am längsten von allen Teams aus den vier großen nordamerikanischen Profiligen auf eine Meisterschaft wartet, schickt sich mit dem Beginn der neuen Saison in der Major League Baseball (MLB) an diesem Sonntag an, sein Schicksal umzukehren und endlich wieder eine Spitzenmannschaft zu werden. Angesichts der Tatsache, dass die Cubs im vorigen Jahr die drittschlechteste Bilanz in der MLB hatten, mag dieses Ziel lachhaft erscheinen, doch der Klub hat im Winter einen Kader zusammengestellt, der durchaus höheren Ansprüchen gerecht werden könnte. ,,Wir haben jetzt das Potential, um die Sache schnell umzubiegen'', sagt Chicagos neuer, temperamentvoller Trainer Lou Piniella.
Tiefer Griff in die Kasse
Hauptanlass für den ungewohnten Optimismus ist Alfonso Soriano. Der 31-Jährige schlug in der vergangenen Spielzeit 46 Homeruns für die Washington Nationals und war danach der begehrteste Akteur auf dem Spielermarkt. Um sich gegen die zahlreichen Mitbieter durchzusetzen, lockten die Cubs mit einem hoch dotierten Vertrag: 136 Millionen Dollar für acht Jahre. Dank weiterer lukrativer Offerten köderten die Cubs unter anderem auch Ted Lilly und Jason Marquis, zwei Spieler, die der dünn besetzten Werferrotation auf die Sprünge helfen sollen. ,,Alle diese Verpflichtungen zu tätigen war geradezu Yankees-mäßig'', kommentiert Chicagos wiedergenese Stammkraft Derek Lee unter Anspielung auf den Ligarivalen New York Yankees, dem Inbegriff der finanziellen Freizügigkeit in der MLB, die aggressive Personalpolitik seines Klubs.
Für Cubs-Manager Jim Hendry ist der tiefe Griff in die Kasse indes keineswegs fragwürdig, vielmehr dient er einem guten Zweck. ,,Wir sind es den Fans einfach schuldig, dass wir wieder ernsthaft ins Geschehen eingreifen'', sagt er, denn sogar im ,,schrecklichen letzten Jahr'' sind im Schnitt knapp 40000 Zuschauer ins Stadion gekommen. Dass die Cubs populärer sind als ihr Lokalrivale Chicago White Sox, Meister von 2005, und als ,,liebenswerte Verlierer'' gelten, liegt an dem Mythos, der den Verein aus dem Norden der Stadt umweht.
Der Fluch des Ziegenbocks
Die Mannschaft trägt ihre Heimpartien in einer Spielstätte aus, die 1914 errichtet wurde und deren Spielfeldbegrenzungen efeubehangen sind. Das große rote Begrüßungsschild am Haupteingang mit der Aufschrift ,,Wrigley Field - Heimat der Chicago Cubs'' ist ebenso bedeutungsträchtig wie das ,,Dies-ist-Anfield!''-Schild, das die Fußballprofis im Spielertunnel der ehrwürdigen Anfield Road in Liverpool willkommen heißt. Kurzum: Wrigley Field ist eine Baseballkathedrale.
Und dann gibt es natürlich noch diesen ominösen Fluch, der auf den Cubs lastet. Bei der Finalteilnahme der Mannschaft im Jahr 1945 besuchte ein griechischer Immigrant namens Billy Sianis das vierte Spiel der so genannten World Series, an seiner Seite hatte er einen ungewöhnlichen Begleiter: einen Ziegenbock. Der Legende nach wurden die zwei Gäste wegen des unangenehmen Geruchs des Tieres des Stadions verwiesen. Der hocherzürnte Sianis schwor daraufhin lautstark, dass das Team nie wieder eine Finalbegegnung im Wrigley Field absolvieren würde. Ein Bann, der noch immer Bestand hat. Was Coach Piniella vom ,,Fluch des Ziegenbocks'' hält, zeigte er bei einem Pressetermin in der Saisonvorbereitung: Er stampfte genüsslich eine Ziegenbockattrappe in den Boden.
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