Champions League Wer Lewandowski und Müller hat, ist gegen Sportunfälle versichert

Eine von zwei Lebensversicherungen des FC Bayern: Stürmer Robert Lewandowski.

(Foto: AP)

Die Nachrufe auf Pep Guardiola als Bayern-Coach kommen vorerst in den Schredder.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Am Ende mündete doch noch alles in ein monumentales Schlachtengemälde, mit Verlängerung, Drama und einem jubelumtosten Finale. Dabei waren die Nachrufe schon geschrieben. Auf eine kurze Zeit, auf die Guardiola-Ära, in der sich - so der Eindruck dieser Horror-Halbzeit - nahezu nichts entwickelt hatte. Zunächst nur Ballbesitz und Ballgeschiebe, Nachlaufen und Naivität, wie damals, im April 2014.

Auch damals hatten die Münchner meist den Ball, und die anderen schossen die Tore. Auch damals wurden sie in der eigenen Arena von einer gut sortierten Horde weißer Riesen überfallen, die ihre Konter wie Nadelstiche setzten. Sergio Ramos und Cristiano Ronaldo erzielten je zwei Tore beim 4:0 von Real Madrid im Halbfinale der Champions League. An jene Bilder fühlte man sich erinnert - beim Drei-Sekunden-Konter von Cuadrado, der zum 2:0 für Juventus und tief ins Herz der Bayern traf.

Pep-Nachrufe in den Schredder

Dass nun doch nicht schon zwei Runden früher Schluss ist, dass die Nachrufe auf das Münchner Projekt des Pep Guardiola in den Schredder kommen, hat der Trainer allerdings weniger seiner Hochrisiko-Strategie zu verdanken, mit der er die Mannschaft in Spiel schickte -, sondern vielmehr der Qualität seines Personals. Das gibt ein Spiel erst verloren, wenn es vorbei ist. Und es hat in Robert Lewandowski die eine Spitze, die zuverlässig trifft, und in Thomas Müller die andere, die als das Phantom der roten Arena gelten muss. Die lange nicht zu sehen ist, an der das Spiel vorbei läuft, die aber dann auftaucht, wenn der Schiedsrichter die Pfeife zum Abpfiff schon im Munde führt. Wer die Doppelspitze Lewandowski/Müller in die Reihen hat, ist bestens gegen Sport-Unfälle versichert.

Nun ist also doch noch nicht Zeit fürs Europacup-Fazit nach einem Duell, in dem die Bayern bis in die Verlängerung hinein haarscharf am Abgrund balancierten. In dessen Verlauf die internationale Drei-Jahres-Bilanz der Pep-Ära aber eigentlich schon gezogen werden musste: 2014 jener Blitz-K.o. gegen Real, 2015 jener gegen den FC Barcelona, nun die zunächst so bittere Juventus-Lektion.

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Wie die Wende zu erklären ist?

Kopfschüttelnd begleitete Guardiola in der Mittwochnacht lange den Sisyphos-Fußball, den er seine Profis gelehrt hatte. Sehr viel Ballbesitz, aber der schien zum Werkzeug für den Alltag abgestumpft zu sein, für Spiele gegen Darmstadt oder Bremen. Jedoch ungeeignet für Galaabende, an denen Real, Barcelona, Juventus anrücken, die taktisch cleveren, die großen Jungs.

Wie die Wende zu erklären ist? Wie aus einem 0:2 ein 4:2 werden konnte?

Recht einfach: Dieses Mal hat es nicht der Trainer-Guru, dieses Mal hat es das Personal gerichtet. Es hat sich emanzipiert, hat die Hochrisiko-Strategie in der Defensive mit einer unglaublichen Qualität in der Offensive überspielt. Motto: Schießt der Gegner zwei Tore, schießen wir vier. Das geht nur bei jenen gut, die Fortuna auf der Seite haben, zudem zwei Joker, die in allen Krisenlagen treffen können. Die Reise geht weiter. Der Dank geht an die Nummer "9" (Lewandowski) und an die Nummer "25" (Müller).

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