Der FC Bayern baut im Viertelfinal-Rückspiel bei Manchester United auf den wieder genesenen Arjen Robben - und schiebt die Favoritenrolle trotz Rooneys Ausfall den Engländern zu.
Als die Mannschaft noch mit dem Flugzeug unterwegs gewesen ist auf die Insel, hat es sich der FC Bayern trotzdem schon mal richtig gemütlich gemacht, draußen im Worsley Park, einer exquisiten Herberge elf Kilometer außerhalb Manchesters. In einem Foyer errichteten vormittags Helfer den Weißbierstand, der wie der Teambus stets mitreist, wenn die Münchner durch Europa touren.
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Kapitän und Hoffnungsträger: Bayerns Mark van Bommel (li.) und Arjen Robben gehen optimistisch ins Rückspiel in Manchester. (© Foto: getty)
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Die Damen von der Rezeption haben die bayerischen Bauarbeiten amüsiert verfolgt, solchen Luxus kennen sie nicht mal hier, obwohl das in eine Parklandschaft von 81 Hektar drapierte Landhotel allerlei Annehmlichkeiten zu bieten hat, nicht nur den 18-Loch-Championship-Golfplatz, den Uli Hoeneß schmachtend begutachten dürfte: Der Präsident ist frisch am Knie operiert.
Gute Ausgangslage
Aber Hoeneß und die Bayern sind ja schon mal hier gewesen, beim Zwischenrundenspiel im März 2002 (0:0), wie auch im Flur zum schnieken Country Club des hauseigenen Golfklubs nachgewiesen wird. Trikots der besten Teams der Welt, die sich im Old Trafford mit Manchester United gemessen haben, hängen dort hinter Glas an der Wand. Das Bayern-Trikot hängt allerdings in der zweiten Reihe, unten in Kniehöhe. Unter dem Hemd von Real Madrid. Doch von Real spricht inzwischen niemand mehr, zumindest nicht in der Champions League, in der dagegen die Bayern an diesem Mittwoch vorhaben, ihre sehr ordentliche Ausgangslage nach dem 2:1 des Hinspiels mit dem Einzug ins Halbfinale zu nutzen.
Die Stimmung ist bereits bestens, zumal beim Check-in auch Arjen Robben ein Flugticket erhielt, der Flügelstürmer hatte vorige Woche wegen einer Wadenverletzung gefehlt. "Ich bin hier, das ist ein gutes Zeichen", berichtete der Holländer nachmittags im Worsley Park, "nach dem letzten Training werden wir eine Entscheidung treffen - aber ich bin positiv und denke, dass ich dabei bin."
Somit hätten die Bayern schon mal einen Wettbewerb gewonnen, den der Fasern und Sehnen, denn United muss erwartungsgemäß auf Wayne Rooney verzichten. Beim Abschlusstraining am Morgen im gigantischen Old-Trafford-Trainingszentrum in Carrington war jedenfalls die von englischen Medien avisierte Wunderheilung des Nationalstürmers nicht zu erkennen: Unter den 21 Profis fehlte er. "Keine Chance" gebe es für Rooneys Einsatz, versicherte United-Teammanager Alex Ferguson und brummte: "Wir kommen auch ohne ihn zurecht."
Bayerisches Understatement
Das halten auch die Bayern für möglich, zumindest sagen sie das. "Manchester United ist nicht nur Rooney", äußerte Kapitän Mark van Bommel vor dem englischen Empfangskomitee. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge findet ohnehin, mit der guten Laune solle man es in den eigenen Reihen nicht übertreiben, "mir ist das fast einen Schuss zu euphorisch", sagte er - "Manchester ist Favorit". Auch van Bommel sieht das so, "weil sie neben dem FC Barcelona immer noch Favorit auf den Titel sind". Trainer Louis van Gaal, der den Engländern ansonsten einen launigen Vortrag über die Wahrheiten des europäischen Fußballs hielt, widersprach da nicht. "Manchester hat viel Erfahrung, wir haben dagegen einige junge Spieler dabei", sagte er, "und außerdem haben sie ein Auswärtstor geschossen." Aber chancenlos sei man natürlich nicht: "2:1 ist nicht das beste Resultat gewesen, aber wir haben eine Chance."
Van Gaal ließ offen, ob er Robben von Beginn an bringen wird oder doch den zuletzt überzeugenden Platzhalter Hamit Altintop. Ansonsten dürfte die Aufstellung der des Hinspiels ähneln: Sofern Abwehrchef van Buyten wieder einsatzbereit ist, spielt der Belgier im Abwehrzentrum mit Demichelis - und Badstuber deshalb anstelle Contentos Linksverteidiger. Hoeneß wiederum muss wirklich passen, was nicht allein am Knie liegt. "Man kann ja auch über den Platz fahren", sagte er, doch eine Partie Golf vorab verböte sich diesmal: "Dafür ist das Ergebnis zu knapp."
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(SZ vom 07.04.2010/jbe)
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