Der kriselnde VfB Stuttgart unterliegt dem FC Sevilla 1:3. Das Spiel zeigte jedoch in vielen Phasen, dass sich der VfB nicht auf dem Weg in den Abgrund befindet.
Die Zuschauer hatten das Pfeifen gegen das eigene Team am Ende wieder eingestellt, weil sie sahen, dass der VfB Stuttgart sich bemühte. 1:3 (0:1) lag die Mannschaft im Champions-League-Gruppenspiel gegen den FC Sevilla zurück, sie hatte munter begonnen und war in Rückstand geraten, sie hatte flott weitergespielt und war höher in Rückstand geraten, und in der 90. Minute vergab Julian Schieber noch eine Chance zum 2:3, was die Niederlage ein wenig - sofern man das sagen kann - ansehnlicher gemacht hätte.
Gut gespielt, wieder verloren: der VfB Stuttgart gegen den FC Sevilla. Im Bild: Zdravko Kuzmanovic. (© Foto: dpa)
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Als der Schiedsrichter die Begegnung nach vier Minuten Nachspielzeit beendete, war die Niederlage zwar nicht sonderlich ansehnlich. Doch das Spiel hatte in vielen Phasen gezeigt, dass der kriselnde VfB sich nicht auf dem Weg in den Abgrund befindet.
Nach einer guten Viertelstunde hatte es sogar so ausgesehen, als sei die Krise des VfB Stuttgart beendet. Schönste Kombinationen zeichnete die Elf auf den Rasen, besonders Aliaksandr Hleb schien auf der großen Bühne hochmotiviert zu sein und zu alter Form zu finden. Mit seine Pässen zerschnitt er die Defensive Sevillas, er spielte durch kleinste Lücken, er jagte die Kugel durch winzigste Spalte, die sich kurz nur auftaten - Hleb erspähte und nutzte sie. Dass diese Elf sich tatsächlich in einer Krise befinden sollte, erschien unvorstellbar. Wer den VfB erstmals in dieser Saison sah (und keine Zeitungen gelesen hatte), der musste mit Recht annehmen, dass hier eine erstklassig besetzte Mannschaft auf dem Platz stand, die sich anschickte, den FCSevilla mit Wonne zu zerlegen, oder, wahlweise, an die Wand zu spielen.
Bereits in der ersten Minute kam der VfB zur ersten Chance, Zdravko Kuzmanovic setzte einen Kopfball neben das Tor. Das war das Startsignal für einen furiosen Beginn. Wenig später köpfte Julian Schieber über das Tor, und dann, nach zwölf Minuten, war da schon der erste wunderschöne Angriff: Hleb passte gedankenschnell zu Cacau, der von links auf das Tor zulief, dann aber aus rund 16Metern Entfernung genau auf den Torwart Javi Varas schoss.
Kuzmanovic erzielte ein Abseitstor (13.), schwungvoll ging's zu, und bald folgte so allmählich eine Phase, in der die Pessimisten ahnten, was kommen würde. Mehrmals rauschte der Ball durch den Strafraum des FC Sevilla, und jedes Mal war kein Stuttgarter zur Stelle, um der Kugel die entscheidende Richtungsänderung zu geben. In solchen Phasen braucht eine Mannschaft entweder einen Stürmer, der instinktiv an der richtigen Stelle steht, oder sie braucht Glück. Der VfB hatte weder das eine, noch das andere, und es zählt zu den stehenden Redewendungen des Fußballs, was denen blüht, die kein Glück haben: Pech.
In der 23. Minute flankte Adriano nach kurz ausgeführter Ecke in den Strafraum, lange, sehr lange war der Ball unterwegs, am Fünfmeterraum schraubte sich Sebastien Squillaci in die Luft und beförderte die Kugel ohne Mühe zum 0:1 ins Tor. Ein Ruck ging durch die Stuttgarter Mannschaft, und zwar ein Ruck, der Köpfe und Schultern hängen ließ. Dennoch spielte die Elf weiter mit Engagement, wenn auch mit weniger Schwung, mit weniger Selbstbewusstsein - ein Tor mochte trotz der Mühen nicht fallen.
Gefährlich wird es bei Fußballteams, wenn die Krise zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. Stuttgart scheint derzeit so ein Team zu sein. Bälle strichen knapp am Tor des Gegners vorbei, Pässe verfehlten jetzt knapp den Mitspieler, und als in der 55. Minute Torwart Jens Lehmann eine Flanke nach vorn abklatschte, stand da natürlich Jesus Navas und schob den Ball zum 0:2 ins Netz. Und nachdem Trainer Markus Babbel einen Haufen Spieler eingewechselt hatte (Hitzlsperger, Progrebnjak und Elson), in der Hoffnung, diese mögen die Wende bringen, zirkelte Sevillas Ivica Dragutinovic eine Freistoßflanke in den Stuttgarter Strafraum, wo sich erneut Squillaci materialisierte und erneut per Kopf traf, diesmal zum 0:3 (72.).
Die Spieler des VfB gaben kurz eine mitleiderregende Figur ab, niedergeschlagen schlichen sie zum Anstoßkreis. 0:3, obwohl sie sich so bemüht hatten. Immerhin gelang Elson dann noch mit einem herrlichen Freistoßtor aus 25 Metern das 1:3 (74.), und anschließend spielte der VfB so ordentlich, dass die Spieler sich sagen konnten: Wir haben das Spiel, nicht aber unsere Würde verloren.
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(SZ vom 21.10.2009/jüsc)
Bergkirchweih in Erlangen
Amen. Habe mich gestern auch bestens unterhalten gefühlt und konnte mir die Schadenfreude über Barca und Liverpool nicht verkneifen.
Wer den gestrigen CL-Spieltag versäumt hat, der hat was vom Fußball an-und-für-sich versäumt. Was für Spielverläufe!? Was für Ergebnisse!? Der Irrsinn in sich! Oder: Mit Fußball kann man die Welt erklären.
Bsp. Stuttgart: Welch ein aufopferungsvoller Wille, welch Tragik im Abschluss, welch Unglück in den Niederschlägen, welch Drama. Eine nicht unübliche Facette der Welt.
Bsp. Liverpool: Welch Gleichklang in der Gegenausprägung von the flow" a la Rangnick, was die Stuttgarter wohl in der extremsten Ausprägung haben, erfasst den Liverpool FC: Die Kacke am Schuh und überhaupts .
Bsp. Barcelona & Inter & Rangers: Hochmut kommt vor dem Fall. Diese Spiele bestätigen diesen, wahrscheinlich so schon sinngemäß seit Jahrtausenden verwendeten Spruch aufs Deutlichste.
Was bleibt? Der Fußball in seiner anarchischen Form der Aufführung ist durch nichts und niemanden kleinzukriegen. Nicht mal auf CL-Niveau!