Champions League Schwarze Schafe online

Das Duell FC Bayern München gegen Real Madrid am 24. Februar elektrisiert den Schwarzmarkt.

Hier in der Redaktion geht es ja nicht viel anders zu als in den Geschäftsräumen des FC Bayern: Plötzlich rufen Leute an, deren Existenz man irgendwie verdrängt hat, weil man ihnen vielleicht noch Geld schuldet oder das Gesicht früher aber auch überhaupt nicht hat leiden können. Solche Menschen melden sich also in diesen Tagen, und sie flöten dann wie selbstverständlich durch den Hörer: "Na, kennste mich noch?" Auch Markus Hörwick bekommt solche Anrufe, wie der PR-Chef des Deutschen Meisters berichtet, "da sagt dann einer: ,Ich hab' doch damals in der ersten Klasse drei Reihen hinter dir gesessen!'" Hörwick weiß dann sofort: Es geht um das Aufeinandertreffen mit Real Madrid.

Am 24. Februar erscheint der königliche Klub aus Spanien im Münchner Olympiastadion zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League, und die Aussicht auf die papierweißen Real-Originaltrikots erzeugt in München eine Unruhe wie bei Mondsüchtigen ein praller Vollmond. Nur 59.000 Tickets stehen zur Verfügung, vielmehr standen sie es, denn das Spiel ist längst ausverkauft. 300.000 Karten hätten sie verkaufen können, erzählt Hörwick, "und für ein Achtelfinale ist das schon extrem". Aber es kommen ja die Popstars des Fußballs, Beckham und Zidane, Figo und Ronaldo, das hat auch Manfred Angermeyer früh gemerkt. Er leitet den Kartenservice des FC Bayern, und bereits Mitte Dezember hat er den E-Mail-Account des Klubs schließen müssen. Wegen Verstopfung, schon nach wenigen Tagen waren einige zehntausend Bestellungen eingegangen. Dabei sind die Chancen auf eine Karte eher gering gewesen: Insgesamt 51.000 Tickets gingen an Vereins- oder Fanklubmitglieder und Jahreskarteninhaber, 3000 nach Madrid und 2000 an Vips und Sponsoren - machte gerade noch 3000 Exemplare für den freien Verkauf, Mitglieder bevorzugt.

Ein solch enger Markt lockt naturgemäß diejenigen an, denen es weniger um königliche Kombinationen geht - sie möchten vielmehr mitverdienen am Hype um ein großen Spiel. Vorzugsweise per Mausklick wie jener Online-Verkäufer mit dem Decknamen der ersckrecker, der im Internetmarktplatz von e-bay einen Sitzplatz für die Haupttribüne anbietet. Kostenpunkt: bescheidene 300 Euro, "für ein einmaliges Stadionerlebnis bei jedem Wetter!" Normaler Verkaufspreis sind 50 Euro. Ticket-Chef Angermeyer kann noch höhere Summen aufrufen, "Höchstgebot bei e-bay waren bisher 790 Euro für zwei Tribünenkarten."

Angermeyer und einige seiner 30 Mitarbeiter kennen sich gut aus mit den Geboten, denn sie steigern bisweilen mit und kaufen sogar Tickets - sie fahnden nach organisierten Mitgliedern, denen es offensichtlich nur um die Gewinnmarge geht. Hörwick ergänzt: "Jede Karte, die rausgeht, ist bei uns notiert." Interessiert haben sie sich besonders für jene Anbieter, die bereits Anfang Januar inseriert hatten - lange vor dem Kartenversand durch den Verein. Die Kontrolle sei man "jenen Mitgliedern schuldig, die leer ausgegangen sind", sagt Hörwick, "wir müssen unsere Ware und unsere ehrlichen Kunden schützen".

Dass es schwarze Schafe gibt, weiß Angermeyer, "da ist alles dabei, vom 15-jährigen Schüler bis zum Banker". In den vergangenen Wochen sind ihnen einige Dutzend ins Netz gegangen. In der Vergangenheit haben Angermeyers Mitarbeiter sogar "regelrechte Briefkasten-Fanklubs" aufgespürt, deren Betreibern es einzig darum ging, möglichst viele Karten für den Schwarzhandel aufzutreiben. Wer nun ein zweites Mal auffliegt, erhält keine Jahreskarte mehr oder wird aus dem Verein ausgeschlossen, denn der FC Bayern legt seinen Schreiben stets die Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei- sie untersagen dem Käufer den gewinnbringenden Verkauf. Strafbar ist der Vorgang indes nicht. Den Gewinn fixierten Schwarzhändlern widmet sich das Gewerbeamt, es belegt Wiederholungstäter oder mit einem auffällig üppigen Portfolio ausgestattete Anbieter mit Bußgeldern. Unterstützung gibt am Abend des 24. Februar die Münchner Polizei, wie Sprecher Dieter Gröbner mitteilt. "Wir wissen, dass die Schwarzhändler kommen", sagt er, "aber man kann davon ausgehen, dass die Polizei das im Auge behält.