Der FC Bayern schafft mit dem 2:1 gegen Real Madrid den Einzug ins Viertelfinale -und entfernt sich immer weiter von seinem Ex-Trainer, auch verbal. Es wird nämlich "alles immer besser".
Der berühmte Schritt mehr. Der, auf den es ankommt, wenn es gegen die Großen geht. Felix Magath hat davon viel zu wenige getan. Genau betrachtet: fast gar keinen. Ganz anders sein Nachfolger. 25 Minuten sind gegen Real Madrid gespielt, Bayern nach dem Elf-Sekunden-Tor von Makaay einsnull vorne, das Viertelfinale in Sicht, als Ottmar Hitzfeld bei Abschlag Kahn seine zwei Stürmer schnell zu sich an die Seitenlinie winkt. Gestikulierend redet er auf Makaay und Podolski ein, kommt ihnen dabei ein Stück entgegen und steht irgendwann ein, zwei Meter im Spielfeld, also zwei, drei Meter außerhalb der so genannten Coaching Zone, deren Einhaltung vom vierten Unparteiischen streng überwacht wird.
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Natürlich ist Hitzfeld in keiner Weise böse oder gar wettbewerbsverzerrende Absicht zu unterstellen. Für ihn ist es einfach selbstverständlich, ständig mit seinen Spielern zu reden. Schiri Nr.4 sieht das genauso, ermahnt Hitzfeld milde. Der nickt verständnisvoll, drückt dem vierten Mann kurz die Hand.
Eine unscheinbare Szene. Und doch sagt sie alles über den Wandel beim FC Bayern. Der Wandel kam mit Hitzfeld. Klingt banal, aber das ist Fußball zuweilen. Hitzfelds Art, auf die Spieler zuzugehen, mit ihnen zu reden, sie zu kritisieren, sie zu analysieren, im Vier- oder Sechs-Augen-Gespräch - nichts anderes steckt hinter der jüngsten Erfolgsserie des Rekordmeisters.
Hitzfeld hat keine neuen Spieler mitgebracht, bis auf Hargreaves und Görlitz keine Langzeitverletzten dazu bekommen, Schweinsteiger wieder an die Linie geschickt, Podolski und Makaay zum Laufen gebracht, Lucio die Ausflüge ausgetrieben - das war's auch schon. Der Rest ist reden. Das konnte Magath auch. Nahm sich immer viel Zeit für die Journalisten. Für seine Spieler blieb wohl nicht genug übrig.
Man wird keinen Bayern-Profi dabei erwischen, wie er schlecht über den Ex spricht. Manager Uli Hoeneß hatte noch am Tag der Trennung verkündet, dass er dafür einstehen werde. Nun, die Spieler reden nicht schlecht über Magath. Sie reden über Hitzfeld. Bei Mark van Bommel, einem, wenn nicht gar dem Wortführer, klingt das so: "Das ist jetzt nichts gegen Felix, aber mit Hitzfeld haben wir ein bisschen Taktik, nee, viel Taktik gemacht...", und dann verliert sich dieser Satz, der so vernichtend ist für Felix Magath.
Seit 1. Februar trainiert Hitzfeld den FC Bayern wieder. Die Bilanz ist okay, die Aussichten sind vielversprechend und - das wohl wichtigste - Stimmung und Gefüge in der Mannschaft stimmen wieder. "Mehr Selbstvertrauen, mehr Stabilität", hat Vorstands-Chef Rummenigge ausgemacht. Salihamidzic sagt: "Der Teamgeist ist wieder zurück gekommen. Man merkt, dass jeder an jeden glaubt."
Der zuletzt arg gescholtene Daniel van Buyten pflichtet bei: "Die Kommunikation ist viel besser. Wir finden uns immer besser auf dem Platz." Alles wird besser - wieso eigentlich? "Es gab sehr viele Einzelsitzungen", erläutert van Buyten, "Hitzfeld kritisiert, zuweilen auch sehr hart." Erst am Abend vor dem Real-Spiel hatte der Trainer seine beiden Innenverteidiger zum Video-Abend eingeladen. Es liefen ein paar unvorteilhafte Szenen aus dem Hertha-Spiel. Hitzfeld sagt: "Man muss viel mit den Spielern sprechen und dabei nicht locker lassen."
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