Champions League Real triumphiert, Karius leidet

Gareth Bale feiert seinen Treffer zum 3:1 - nach einem Fehler von Loris Karius.

(Foto: REUTERS)
  • Real Madrid gewinnt das Finale der Champions League mit 3:1 gegen den FC Liverpool.
  • Liverpools Torwart Loris Karius unterlaufen zwei große Fehler, Gareth Bale trifft per Fallrückzieher.
Von Javier Cáceres

Wer weiß, was Loris Karius trösten wird. Und vor allem: Wer weiß, wann der deutsche Torwart des FC Liverpool so weit sein wird, auf den Abend des 26. Mai 2018 zurückzublicken, ohne die trübsten aller Gefühle zu verspüren. Als die Partie abgepfiffen wurde, sank Karius am Fünfmeterraum auf die Knie und so tief auf den Rasen des Olympiastadions von Kiew, dass man meinen wollte, er würde sich am liebsten vergraben. Er wusste zu gut, dass sein Name auf immer mit einem 3:1 (0:0)-Sieg von Real Madrid im Champions-League-Finale verbunden bleiben wird. Denn mit zwei katastrophalen Fehlern offerierte er Real Madrid den 13. Henkeltopf der Vereinsgeschichte. Eingepackt in Zellophan von Karius.

Die Fehler, die sich Karius leistete, werden in keinem Jahresrückblick fehlen. In der 51. Minute warf er Karim Benzema (51.) bei einem Abwurf den Ball in den Fuß, von dort prallte der Ball zum 1:0 für Real ins Netz. In der 83. Minute ließ er dann einen 30-Meter-Schuss, der genau auf ihn zuflog, zum 1:3 durch die Finger flutschen. Zwischenzeitlich hatte Sadio Mané für Liverpool ausgeglichen (55.). Doch der Waliser Gareth Bale stellte mit einem brillanten Fallrückzieher aus 14 Metern das 2:1 her.

Bale ist gerade mal zwei Minuten auf dem Feld, als er erstmals trifft

Bale hatte vor der Partie die Enttäuschung verdauen müssen, dass Zidane sich dafür entschied, die gleiche Elf aufs Feld zu schicken wie vor einem Jahr, als man im Finale von Cardiff Juventus Turin besiegte. Für Bale, der in den vergangenen vier Ligaspielen fünf Tore geschossen hatte, spielte Isco. Liverpools Coach Klopp bot das Team auf, das allgemein erwartet worden war. Es spielte also das torgefährlichste Offensivtrio der abgelaufenen Champions League: Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané, die zusammen 29 Tore erzielt hatten.

Liverpool versuchte von Beginn an, das Spiel unter Strom zu setzen. Durch hohes Pressing provozierten die Reds enorm viele Ballverluste der Madrilenen. Sie hatten in der Anfangsphase enorme Probleme, drei Pässe aneinanderzureihen. Nur wenn sie Toni Kroos fanden, gelang es dem Titelverteidiger, dem Spiel so etwas wie Ruhe zu verleihen. Aber selbst dem deutschen Weltmeister unterliefen - unerhört! - ein, zwei Fehler.

Ein Foul von Sergio Ramos wie beim Judo sorgt für einen deutlichen Bruch im Spiel

Nach einer Anfangsphase, in der Liverpool das Spiel an sich reißen zu schien, führte Reals Kapitän Sergio Ramos einen Bruch im Spiel herbei. Bei einem Zweikampf im Mittelfeld riss er Mo Salah mit einem Judo-Griff um. Der Schiedsrichter ließ Straflosigkeit walten. Salah stürzte unglücklich auf die linke Schulter, krümmte sich vor Schmerzen, wurde behandelt, spielte zunächst weiter - und brach drei Minuten später weinend zusammen. An ein Weiterspielen war nicht mehr zu denken, Klopp wechselte Adam Lallana ein. "Es ist wohl ein Schulter- oder Schlüsselbeinbruch", sagte er nach der Partie im ZDF-Interview.

Real Madrid hatte ebenfalls einen verletzungsbedingten Ausfall zu beklagen: Rechtsverteidiger Carvajal zog sich, wie schon im Champions League-Finale 2016, eine Muskelverletzung zu und musste durch Nacho ersetzt werden. Doch der Ausfall Salahs traf Liverpool ungleich härter, die Reds wirkten geschockt. Madrid erlangte nun die Kontrolle über das Spiel und kam vor der Pause durch Nacho, der einen Ball ans Außennetz setzte, und einen 18-Meter-Schuss von Benzema in der Nachspielzeit zu Torgelegenheiten.

Mané trifft nur den Posten - dann patzt Karius ein zweites Mal

Nach der Pause war es dann Isco, der das erste Ausrufezeichen setzte: Nach einer verunglückten Abwehraktion jagte er den Ball an die Querlatte (48.). Die Szene der Partie ereignete sich kurz danach: Torwart Karius leistete sich seinen ersten Lapsus. Er hatte einen Steilpass im eigenen Strafraum abgefangen - und warf ihn ins Feld, als hätte er Benzema übersehen, der zwei Meter neben ihm stand. War der deutsche Keeper benommen von einem Zusammenprall mit Sergio Ramos nach einem Eckball?

Die Freude der Madrilenen über die glückliche Führung währte kaum ein Augenzwinkern lang. Denn nach einer Ecke von Firmino gewann Dejan Lovren ein Kopfballduell gegen Ramos - und Sadio Mané bugsierte den Ball mit einem Ausfallschritt ins Netz. Es folgte der erste Auftritt von Bale. 122 Sekunden nach seiner Einwechslung für Isco jagte er eine Marcelo-Flanke mit einem traumhaften Fallrückzieher aus 14 Metern zum 2:1 unter die Latte (64.). In seiner Schönheit stand er jenem von Ronaldo aus dem Viertelfinalspiel gegen Juventus Turin in nichts nach. Karius war ohne Chance.

Mané traf noch einmal aus 18 Metern an den linken Pfosten, Liverpool schien keineswegs chancenlos auf den erneuten Ausgleich zu sein. Auch Karius war zwischenzeitlich wieder auf der Höhe, vereitelte mit einer Glanzparade eine Volleyabnahme von Benzema (83.). Doch dann leistete sich der deutsche Torwart den zweiten Bock des Abends - beim Schuss von Bale. Real spielte die Uhr herunter - und stemmte den Pokal in den Himmel von Kiew. Real ist nun das erste Team seit den Bayern von Franz Beckenbauer und Gerd Müller (1974-76), das den wichtigsten Europapokaltitel drei Mal in Serie gewinnen konnte.


Mehr Statistiken finden Sie im Champions-League-Liveticker und im

Champions-League-Datencenter