Champions-League-Qualifikation Lothar Matthäus, Fußballlehrer-Lehrling

Auf dem Weg, ein großer Trainer zu werden, hat Lothar Matthäus mit Partizan Belgrad ein Etappenziel erreicht: Gegen Newcastle kann er sich nun für den Cup der Meister qualifizieren.

Von Gerhard Fischer

Stockholm - Eigentlich will Lothar Matthäus sein Image ändern. Er will nicht länger als schnell sprechender Nichtssager namens Loddamaddäus gelten. Lothar Matthäus will ernst genommen werden. Dazu muss er als Trainer erfolgreich sein. Das hat am Mittwoch geklappt: Sein Klub, Partizan Belgrad, zog durch ein 2:2 bei Djurgarden Stockholm in die dritte Runde der Champions-League-Qualifikation ein.

Außerdem muss er fair auftreten und nicht jähzornig, seriös und nicht urwüchsig. Das ist ihm in der Pressekonferenz nach dem Spiel zunächst gelungen. Er lobte die Spieler von Djurgarden und das schwedische Publikum für ihre sportliche Art, das Aus zu akzeptieren. "Ich mag diese Mentalität", sagte Lothar Matthäus. Und er sei "überglücklich, gegen so eine starke Mannschaft mit ein bisschen Glück eine Runde weiter gekommen zu sein". Außerdem sei er stolz auf seine Mannschaft. Klar, er hatte gut reden, er war der Sieger. Aber es gab trotzdem nicht viel auszusetzen, vielleicht nur, dass er bei seinen wohl gewählten Worten kaum Emotionen zeigte. Man hatte manchmal den Eindruck, er sagte das, was man eben sagen soll, und nicht das, was er wirklich dachte. Und dann kam ein Moment, der aus Lothar Matthäus wieder Loddamaddäus machte. Dabei hat er nicht einmal geredet. Er hat nur geschaut. Er blickte auf die blanken, langen Beine einer Journalistin, die sich von den Stühlen erhob, um sich neben einen Kollegen zu stellen. Matthäus schaute entschieden zu lang und entschieden zu auffällig. Und er hat es nicht einmal gemerkt. Aber er war authentisch.

Eigentlich ist Lothar Matthäus kein Kopfmensch, auch nicht als Trainer. "Meine Medizin war die Motivation", sagte er, angesprochen auf sein Erfolgsgeheimnis für das Rückspiel in Stockholm. "Wir hatten uns nach dem unglücklichen 1:1 im Hinspiel noch in der Kabine geschworen, alles zu geben." Die anfängliche Nervosität erklärte er mit dem Druck, der auf seinen Spielern lastete. Zum einen durch den Lärm, den 28287 im Rasunda-Stadion verursachten, zum anderen durch die Erwartungshaltung in der Heimat. Dort würde man kaum verstehen, wenn flinke Partizan-Kicker gegen vermeintlich hölzerne Schweden scheitern würden. Aber von wegen hölzern: Die Schweden waren in der ersten Halbzeit zielstrebig, ballsicher und zweikampfstark, und sie schossen ein herrliches Tor: Regisseur Andreas Johansson ballerte die Kugel per Drop-Kick aus zwölf Metern ins Netz (10). Ivica Kralj, der Nationaltorwart, der stets mit langer Hose spielt, stand wie festgemauert.

Manchmal ist es im Leben so, dass sich der Stärkere dem Schwächeren anpasst, um ein Miteinander zu gewährleisten. Djurgarden jedenfalls ließ plötzlich nach, und Partizan befand sich nach der Pause auf Augenhöhe. Kurios war allerdings, dass Belgrad das Spiel binnen vier Minuten drehte. Erst kopierte Belgrads Spielmacher Sasa Ilic das Tor des Kollegen Johansson (strammer Linksschuss ins linke Eck, 61.), dann verwandelte Nikola Malbasa einen Elfer, den Torwart Isaksson an Stojanoski verschuldet hatte (65.). Djurgarden schaffte nur noch den Ausgleich (Wowoah, 76.), und Partizan kam bei Punkt- und Torgleichheit durch einen mehr erzielten Auswärtstreffer weiter. Nach dem Abpfiff lief Matthäus auf den Rasen, um fast alle seine Spieler zu umarmen. Zwischendrin rückte er den Anzug zurecht, so wie man es von Ottmar Hitzfeld kennt, der stets sein Erscheinungsbild wieder strafft, nachdem er Emotionen gezeigt und Frisur oder Kleidung in Unordnung gebracht hat.

Nun spielt Partizan Belgrad gegen Newcastle United um den Einzug in die erste Runde der Champions League. Die Engländer sind eine Kategorie höher angesiedelt als Djurgarden - und auch als Partizan. Lothar Matthäus sagte, sein Klub müsse mit einem Jahresetat von vier Millionen Euro leben. Vor der Saison habe man daher Spieler verkaufen müssen, zum Beispiel den bärenstarken Zvonimir Vukic für gut vier Millionen Euro zum Bernd-Schuster-Klub Schachtjor Donezk. Geholt wurden nur Kicker, die keine Ablöse kosteten. Lothar Matthäus muss mit dem auskommen, was er hat.