Von Moritz Kielbassa

Luca Toni trifft mit Florenz auf eine alte Liebe. Doch vor dem Champions-League-Abend diskutiert Bayern über seine Verletzung, Taktik und abgeschnittene Ohren.

Seit Mehmet Scholl einst im Jahrbuch des FC Bayern witzelte, er wolle im nächsten Leben "Hund bei Uli Hoeneß" werden, ist es jedes Jahr ein vergnügliches Ritual, dort nachzulesen, mit wem die Münchner Profis spaßeshalber mal tauschen wollten. Hamit Altintop verriet diesmal, er wäre gerne einen Tag Papst. Lucio reizt die Rolle eines Rettungsschwimmers, Schweini würde probeweise am liebsten Poldi sein - und auch Luca Toni hegt einen listigen Wunsch.

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Luca Toni (re.) mit Trainer Klinsmann bei seiner verletzungsbedingten Auswechslung im Spiel gegen den KSC. (© Foto: AP)

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Dessen italienische Torjäger-Ehre ist stets gekränkt, wenn er, was selten vorkommt, nicht mitspielen darf: "Auf der Bank wäre ich unbequem", gab Toni vor dem Champions-League-Duell mit seiner alten Liebe AC Florenz zu (Dienstag, 20.45 Uhr). Da würde es sich fügen, wenn er selbst die Dispositionen träfe. Toni wäre also gern: "Jürgen Klinsmann, dann könnte ich die Aufstellung machen."

Spielt Toni trotz Rippenprellung?

Noch lieber wäre er gerade: kerngesund. Denn Toni wird zwar vermutlich spielen gegen die Fiorentina, in deren violetten Hemden er von 2005 bis 2007 schöne Jahre erlebte. Doch seine Rippenprellung vom Samstag bleibt ein Handicap, sogar das Atmen tat Toni weh. "Wenn die Ärzte grünes Licht geben, spielt er von Beginn an", legt Trainer Klinsmann fest. Denn "manchmal", sagt Toni, "macht man ein Tor, wenn man nur 20 Prozent fit ist. Und klar, es ist ein besonderes Spiel für mich. Wir müssen gewinnen." Das Besondere an letzterer Banalforderung: Charmeur Toni, sonst kein Freund der Fremdsprachen-Fortbildung, sagte das Wir-müssen-gewinnen am Montag auf Deutsch. Auf Italienisch und im Scherz drohte ihm derweil AC-Geschäftsführer Mencucci: "Wenn er gegen uns trifft und so jubelt wie sonst, schneide ich ihm sein Ohr ab." Ohrschrauber Toni hätte keine Angst ums Hörorgan: "Ich spiele mit den Füßen, das wäre halb so schlimm."

Für Jürgen Klinsmann ist das dritte Gruppenspiel in Europas Königsklasse "eine Riesenchance, die Tür zur nächsten Runde weit aufzumachen." Mit vier Punkten ist Bayerns Ausgangslage komfortabel. Manager Hoeneß äußerte bereits die vage Befürchtung, sein Team könne heuer zwei Gesichter zeigen: eine Schokoladenseite in Europa und ein weniger hübsches Antlitz in der Liga. Jetzt aber will man wettbewerbsübergreifend den Turnaround schaffen. Auch für Toni gilt das, dem seit fünf Wochen kein Tor mehr gelang - und in der Champions League noch nie eines. Er spielt mit 31 zum ersten Mal in der Prestigeliga mit der Hymne.

In Karlsruhe war der Star zuletzt das Ergebnis (1:0). Die Zufriedenheit der Bayern beruhte weniger auf ihrem mittelprächtigen Spiel - sie hatten Katastrophenalarm verhindert, das zählte. Für den Manager ist die Formtiefbewältigung Kopfsache: "Es ist eine Frage des Selbstvertrauens", hofft Uli Hoeneß, "und das kommt jetzt zurück". Sein neuer Trainer griff zuletzt in der Wahl der Stilmittel - nach anfänglicher Probezeit für Systeme und Spieler - auf alte Münchner Erfolgsmuster zurück, weshalb in den Medien schon von einer kleinen Konterrevolution die Rede ist: Wieder 4-4-2 mit zwei wellenbrechenden Sechsern im Zentrum, Demichelis (Abwehr) und Kapitän van Bommel (Mittelfeld) zurück auf ihren ursprünglichen Schlüsselposten, die Findung einer nun wohl größtenteils gesetzten Stammelf, und trotz der neuen Tempofußball-Idee wieder ein paar ruhige Querpässe mehr im Mittelfeld - vieles erinnerte in Karlsruhe an Hitzfeld-Zeiten.

Ohne großes Rotieren

Nun kommen die taktisch schlauen Florentiner, für die Tonis Stürmerfreund Alberto Gilardino, 26, gerade sein 100. Tor in der Serie A erzielt hat - Toni selbst hat 99 auf dem Konto. Bei Bayern sind Klose (Saltopanne) und Ribéry (Prellung) fit, insofern glaubt Hoeneß, dass "wir ohne großes Rotieren mit unserer zurzeit besten Mannschaft weiterspielen". Den Spielern gibt die gewohnte Raumaufteilung mit zwei Viererreihen ein Gefühl von Sicherheit. Und es stößt auf Wohlwollen, dass Klinsmann nun auf stabilere Hierarchien setzt: "Neue Leader nehmen die Dinge in die Hand, nachdem die dominante Figur Olli Kahn weg ist", sagte der Trainer dem kicker. Und er zählte auf: "van Bommel, Lucio, Demichelis, Lahm, Klose."

Noch keine Leithammelrolle wird von Bastian Schweinsteiger erwartet. Sportlich aber ist der 24-Jährige zurzeit in blendender Verfassung. Fit wie ein ganzer Turnschuhladen, wirbelt er in der Offensivzone umher - auch dort nun, wo Zweikämpfe wehtun. Auf das Florenz-Spiel freut sich Schweinsteiger, weil das ein "Gegner ist, der selber Fußball spielen will, das kommt uns entgegen." Doch halt, ruderte er zurück: "Italiener spielen auswärts ja defensiv." Da musste er über sich selber lachen.

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(SZ vom 21.10.2008/JBe)