Schalke 04 kann eine verbesserte Reservemannschaft von Manchester United nicht gefährden und verabschiedet sich mit 1:4 verdient aus der Champions League. Was Schalke damit noch bleibt, ist das Pokalfinale gegen den MSV Duisburg.
Die Aufstellung von Sir Alex Ferguson war natürlich eine Frechheit. Da ging Manchester United ohnehin als gigantischer Favorit ins zweite Halbfinale gegen Schalke 04, vielleicht hätte Ferguson tatsächlich die vereinseigene U17 nominieren können, um den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel zu verteidigen. Doch der Wettbewerb hieß immerhin "Champions League" und nicht "niederschottische Bezirksmeisterschaft". Schickte es sich da für einen Adeligen, einen im Hinspiel unterlegenen Gegner schon mit der Aufstellung hochzunehmen?
Schalke: "Müssen ManUs Leistung anerkennen"
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Positiv formuliert hatte sich Ferguson einiges einfallen lassen. Hinspiel-Torschütze Ryan Giggs? Nur auf der Bank. Die Ein-Mann-Naturgewalt Nemanja Vidić? Ebenfalls. Sturm-Bulle Wayne Rooney? Nicht im Kader. Die womöglich entscheidende Partie in der Premier League am kommenden Sonntag gegen den FC Chelsea überstrahlte aus britischer Sicht bereits am Mittwochabend alles. Die besten Kräfte wurden geschont, die Pflichtaufgabe gegen Schalke möge schon irgendwie gelingen.
Schalke 04 indes hatte schon vor dem Anpfiff die Gewissheit, dass es Wundersames benötigte, um aus dieser Dienstreise noch Gewinnbringendes mitzunehmen. Vor allem sollten sich den Roten aus Manchester diesmal ein paar mehr Spieler entgegenstellen als lediglich Torhüter Manuel Neuer, um das desillusionierende 0:2 vor einer Woche doch noch wettzumachen.
Schalke-Trainer Ralf Rangnick versuchte es nach dem Mittelfeld-Fiasko aus dem Hinspiel diesmal mit einer völlig neuen Konstellation: Die Offensive besetzten Jefferson Farfán, Alexander Baumjohann und der junge Julian Draxler, davor sollte Raúl versuchen, einen besseren Tag als im Hinspiel zu erwischen. Farfán hätte es bereits nach sieben Minuten beinahe geschafft, den Favoriten zu übertölpeln: Sein vielversprechender 20-Meter-Versuch strich jedoch deutlich vorbei.
Recht schnell war jedoch klar, dass auch Manchesters modernisierte Elf für Schalke gut genug sein würde. Nach 26 Minuten verlor José Manuel Jurado im linken Mittelfeld den Ball, Manchester schaltete schnell: Über Anderson und Darron Gibson kam der Ball steil auf Antonio Valencia, Schalkes Abwehr war augenblicklich seziert, Valendia guckte Keeper Neuer aus und schloss überlegt zum 1:0 ab (26.).
Auch der listige Sir Alex hatte nun die Gewissheit, dass seine kräfteschonende Aufstellung eine ziemlich gute Entscheidung war: Den Spielzug zum Führungstreffer hätten auch Rooney, Giggs oder gar ManU-Legende Eric Cantona nicht besser dargeboten.
Fünf Minuten später überlegte Ferguson dann tatsächlich, ob er für die zweite Halbzeit nicht noch den einen oder anderen U17-Akteur nachnominieren könnte. Mittelfeldmann Gibson zog von der Strafraumgrenze ab und ausgerechnet Manuel Neuer, der im Hinspiel seinen Marktwert noch im Minutentakt gesteigert hatte, unterlief ein Fehler: Gibsons mäßig harter Schuss sprang ihm an den Unterarm, von dort touchierte der Ball den Pfosten und sprang ins Netz (31.). "Uns fehlte ein bisschen die Courage, auch der Mut", befand Schalke-Sprotdirektor Horst Held hinterher, "da war uns Manchester selbst mit seiner B-Elf einen Schritt voraus."
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Jeder, der sich mit englischem Fußball beschäftigt weiß, dass man hier von einer B-Mannschaft nicht sprechen kann, jeder Spieler aus dem Kader ist eine Klasse für sich. Ich würde mir wünschen, dass die SZ einmal wirklich ein Spiel nach Taktik und spieleríscher Leistung analysiert und nicht einfach Klischees aneinander reiht. Dann wäre beispielsweise aufgefallen, dass Jurado der spielerisch beste Schalker ist, der im defensiven Mittelfeld ein adäquates Pendant braucht. Dass Metzelder ein katastrophaler Fehleinkauf war, dass Schalke zum ersten Mal seit mehreren Jahren in der Lage war, ansatzweise so etwas wie Kombinationsfußball zu zeigen und gleichzeitig mit Herz spielte.
Ein unerträglicher Zustand für die beteiligten Vereine Schalke, Bayern, Manchester, die Fans und Herrn Neuer selbst. Wenn es bisher nur eine einzige Interessensbekundung aus München gibt, ist es mit dem Marktwert für Torhüter nicht weit her. Es gibt einfach genügend! Wahrscheinlich reichen fünf Millionen Euro für diesen Transfer. Nach dem Motto: besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Bei Vertragsende 2012 gibt für Schalke noch ein Jahr lang den Nationaltorhüter und es gibt 0 €. Auch gut!
... schon das Hinspiel wesentlich höher als "nur" 2:0 gewinnen hätte müssen, dann dürfen die Schalker noch brav "Danke" sagen, dass die Endabrechnung "nur" 6:1 lautete.
Ehrlich: Ich hatte nach dem Hinspiel die Chancen auf's Weiterkommen für S04 auf allerhöchstens 10 % eingeschätzt. Und die 10 % auch nur, weil's ab und zu mal "Fußballwunder" gibt. Aber dieses Wunder war schon das 5:2 in Mailand und Wunder passieren halt nicht alle vier Wochen. In der CL schon gar nicht. ;-)
Trotzdem darf S04 auf das in der CL erreichte stolz sein. Vor Beginn der Gruppenphase hatte ich den Gelsenkirchenern nicht einmal das Überstehen der ersten Runde zugetraut. Am Ende war's das Halbfinale gegen einen um zwei bis drei Klassen stärkeren Gegner mit dem logischen Ausscheiden.
Sollte sich jedoch im Pokalfinale der MSV Duisburg als Sieger hervortun, dann wäre das wohl eine Blamage allererster Güte und die Fans würden wohl kaum noch einen Gedanken an die Sternstunden gegen Inter Mailand verschwenden. Fußball ist halt doch nur Tagesgeschäft.
Bei der Leistung von Manuel Neuer sollte man Nachsicht haben. Er war halt bei seiner ersten Präsentation in Old Trafford nervös, wahrscheinlich weil er bei seinem neuen Publikum keinen schlechten ersten Eindruck hinterlassen wollte.
Schalke kann sich mit den deutschen Fußballfans dennoch freuen, unter die letzten Vier gekommen zu sein. Das hätten sie allerdings mit Magath auch schaffen können. Ein Wunder war nicht zu erwarten, denn auch die B-Elf von ManU war eine Nummer zu groß. Der kämpferische Einsatz Schalkes im Rückspiel war dennoch bewundernswert. Über die 1:6-Klatsche der beiden Spiele kann ein Pokalsieg gegen den Zweitligisten Duisburg hinwegtrösten. Denn noch sind ein deutscher Titel und die Europaliga möglich.
Leider hat Schalke mit seiner B-Elf am zurückliegenden Spieltag der Bundesliga den Abstiegskampf verfälscht. Denn das saft- und kraftlose Spiel vor der Champions League hat mit der unerwarteten Niederlage dem zuletzt noch abstiegsbedrohten 1. FC Kaiserslautern Vorteile verschafft, die jetzt möglicherweise ein anderer Verein mit dem Abstieg büßen muss.
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