Titelverteidiger Manchester United erzeugt beim 3:1-Sieg gegen Arsenal London einen Klassenunterschied und steht erneut im Finale der Champions League.

13 Jahre trainiert Arsène Wenger jetzt den FC Arsenal, der schmale, grauhaarige Mann aus Straßburg hat sich dort sein Reich aufgebaut. Junge Spieler, die wenigsten von ihnen Engländer, besetzen stets die Positionen in seiner Mannschaft, die oft für ihr gediegenes Zusammenspiel gerühmt und für ihre Naivität in großen Momenten gerügt wird. Wenger kann bei Arsenal schalten und walten, wie es ihm gefällt, und natürlich ist es auch deshalb völlig abwegig gewesen, den 59-jährigen Franzosen als angeblichen Interessenten auf das bis zur offiziellen Zusage von Louis van Gaal offiziell noch vakante Amt fürs nächste Jahr beim FCBayern zu nennen. Bevor Wenger nicht endlich einmal die Champions League gewonnen hat, wird er Arsenal ja sowieso nie verlassen, und das kann noch eine Weile dauern. Das Endspiel 2009 findet jedenfalls ohne Arsenal statt, 1:3 (0:2) unterlagen die Londoner im Rückspiel des Halbfinals gegen Manchester United. Wengers im Schnitt rund 23 Jahre junge Mannschaft war chancenlos.

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Obenauf: Manchesters Wayne Rooney klettert auf seinen Teamkollegen Cristiano Ronaldo. (© Foto: AFP)

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Einen derartig einseitigen Verlauf hatten wohl nicht einmal die Gäste erwartet, schließlich verloren sie in der Liga in Highbury (1:2). Entsprechend konservativ hatte ManU-Trainer Alex Ferguson seine Elf formiert, Rooney rückte diesmal als einzige Spitze in den Sturm - sowohl Tevez als auch der zuletzt angeschlagene frühere Leverkusener Berbatov blieben zunächst auf der Bank.

Anstelle des Argentiniers Tevez spielte der Koreaner Park, und nach acht Spielminuten durfte Ferguson für sich beanspruchen, dass er sich auch mit 67 Jahren noch ganz gut auf sein Bauchgefühl verlassen kann. Sein Bauchgefühl hatte ihm vermutlich zugeflüstert, dass Cristiano Ronaldo früh über den linken Flügel dem Strafraum entgegenstürmen und dann, ganz ohne Firlefanz und Übersteiger, den Ball hereinbringen würde; und dass drüben auf der anderen Seite der junge Arsenal-Verteidiger Kieran Gibbs, 19, ein Engländer, ausrutschen würde auf dem eigentlich wunderbar gepflegten Grün. Und ganz sicher ist sich Fergusons Bauchgefühl wohl auch gewesen, dass dann natürlich nur Park der Ball vor die Füße fallen würde und im Fallen das 0:1 erzielen würde. Ein toller Bauch.

Optimistische Zwei-Mann-Mauer

Ein Gegentor in der achten Minute, schlimmer kann es eigentlich nicht kommen für eine junge Mannschaft, die den Anpfiff euphorisch erwartet und trotz des 0:1 im Hinspiel an die Entthronung des Titelverteidigers geglaubt hatte. Drei Tore waren ja jetzt schon nötig gegen ein Manchester, das zuvor 24 Spiele in der Champions League nicht verloren hatte. Arsenal schockte diese Konstellation sichtbar, selbst ihrem spanischen Ideengeber Fabregas unterliefen umgehend ein, zwei seltsame Abspielfehler; der wieder genesene Holländer van Persie wusste sich wiederum nur mit einem Foul an Ronaldo zu helfen - worauf sich der Portugiese den Ball selbst zurecht legte, anlief und den Ball wie üblich mit Wucht über die allzu optimistische Zwei-Mann-Mauer von Keeper Almunia trat. Als der Ball in der Torwartecke und über Almunias Händen im Netz zum 0:2 eingeschlagen war, schüttelte Wenger ungläubig den Kopf (11). Ein Ausrutscher und ein alberner Fehlgriff hatten seinen Traum mal wieder zeitig zerstört.

Dieses mit so viel Spannung erwartete englische Duell um den Finaleinzug war also nach elf Minuten entschieden. Mit kompakter Anordnung und kraftvollen Vorstößen erzeugte ManU einen Klassenunterschied. Arsenal blieb nervös und lange ohne Torchance, während Manchester sicher durch das 4-3-3 der Gastgeber hindurchkombinierte. Almunia parierte einen scharfen Schlenzer Rooneys (18.) und einen flotten Flachschuss von Ronaldo (52.). Arsenal dagegen lief illusionslos an gegen ein tief stehendes Manchester, das sich auf Zerstörer wie Ferdinand oder Carrick verlassen konnte.

Das 0:3 kam dann einer Demütigung gleich, auf welche zahlreiche der 58.000 Zuschauer nach Hause flüchteten. Nach einem Eckball zog ManU einen Konter auf, um nicht zu sagen: es zelebrierte ihn. Park, natürlich der laufstarke Park, er war der Ausgangspunkt am Strafraum; per Hackentrick ließ ihm Ronaldo noch einmal den Ball zukommen, und der Koreaner schickte Rooney mit einem präzisen Steilpass, worauf Englands Nationalstürmer querlegte auf Ronaldo - Direktabnahme aus vollem Lauf, Tor (61.). Das alles war in einem Höllentempo vorgetragen worden. Ein Konter als Kunststück.

Und Arsenal schaute nur zu, es war 90 Minuten ein naiver Bewunderer des englischen Tabellenführers, der jetzt als erste Mannschaft den Titel in der Königsklasse verteidigen könnte. Wenger knabberte draußen an den Fingernägeln, und ihm als Sportsmann wird nicht mal van Persies 1:3 per Strafstoß (76.) Freude bereitet haben. Denn Referee Rosetti hatte Fletchers Attacke gegen Fabregas völlig überzogen als Notbremse gewertet und neben dem Strafstoß auch auf Platzverweis entschieden. Der Sieger Fletcher verließ nicht wirklich gefasst den Rasen, er wird im Finale fehlen. Wie auch Verlierer Wenger, dessen Leiden auf höchstem Niveau anhält. Seit 2005 ist Arsenal nun ohne Titel, und der Triumph in der Champions League ist weit weg.

FC Arsenal - Manchester United1:3 (0:2) Hinspiel: 0:1

Arsenal: Almunia - Sagna, Touré, Djourou, Gibbs (46. Eboué) - Song - Walcott (63. Bendtner), Fabregas, Nasri - Adebayor, van Persie (79. Vela). Manchester United: van der Saar - Evra (65. Rafael), Vidic, R. Ferdinand, O'Shea - Anderson (63. Giggs), Carrick, Flechter - Park, C. Ronaldo - Rooney (66. Berbatov).

Tore: 0:1 Park (8.), 0:2 Ronaldo (11.), 0:3 Ronaldo (61.), 1:3 van Persie (76./Foulelfmeter) Zuschauer: 58.000. Gelbe Karten: Nasri, Adebayor, Eboué. Rote Karte: Fletcher (75./Notbr.).

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(SZ vom 06.05.2009/dop)