Fußball Champions League: Die Erben von Buffalo Bill

Da sind die Indianer hin: Fans in Gent.

(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)
  • Nachdem KAA Gent rund um die Jahrtausendwende noch die Insolvenz drohte, gehört der Klub mittlerweile zu den finanzstärksten Vereinen Belgiens.
  • Im vergangenen Jahr feierte die Mannschaft von Trainer Hein Vanhaezebrouck den ersten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte.
  • Das offensiv ausgerichtete 3-5-2-System könnte Wolfsburg im Achtelfinale der Champions League vor Probleme stellen.
  • Tabellen und Ergebnisse der Champions League finden Sie hier.
Von Javier Cáceres, Brüssel

Am Dienstag feierte der Trainer des KAA Gent, Hein Vanhaezebrouck, seinen 52. Geburtstag. Doch als er um 13 Uhr vor die Medien trat, am Tag vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den VfL Wolfsburg (20.15 Uhr/ZDF), hatte sich am Ablauf eines normalen Arbeitstags nichts geändert. "Wissen Sie", sagte er einem Reporter, "wenn man mal über 50 ist, sind Geburtstage nicht mehr so wichtig. Dann will man eigentlich, dass alles etwas langsamer läuft." Außer im Fußball.

Zuletzt war alles auch sehr viel schneller gelaufen als geplant. Als Vanhaezebrouck 2014 das Traineramt übernahm, setzte er sich fünf Jahre als Zeitrahmen, um mit dem KAA Gent um den Titel zu spielen. Doch schon im vergangenen Sommer war es so weit: Gent feierte den ersten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte. Im Dezember überstand das Team auch noch die Gruppenphase der Champions League, hinter Zenit St. Petersburg, aber vor Olympique Lyon und dem FC Valencia. Ein solcher Erfolg war einem belgischen Klub zuletzt 2001 gelungen, dem RSC Anderlecht.

Buffalo Bill im Wappen

Der KAA Gent ist ein in vielfacher Hinsicht besonderer Klub, besonders seines verwegenen Wappens wegen. Es zeigt einen stilisierten Sioux-Häuptling mit Federschmuck. Es geht auf einen überaus aufregenden Besuch von William Frederick Cody alias Buffalo Bill zurück, er gastierte 1900 mit seinem Western-Zirkus in der Stadt - just in dem Jahr, da der einst als Hockey- und Leichtathletik-Verein gegründete Koninklijke Atletiek Associatie sein Angebot um Fußball erweiterte.

Das Stadionmagazin heißt Wigwam, der immer wiederkehrende Anfeuerungsruf der Fans lautet "Buffalos, Buffalos". Mindestens einen Indianer hatten sie auch mal im Kader: Jean Beausejour, chilenischer Nationalspieler, Abkömmling des Mapuche-Volks. Er spielt längst bei einem anderen Klub mit Häuptlingswappen: Colo Colo aus Santiago.

Nach Jahren hektischer Transferpolitik setzt Gent auf Kontinuität

Dass Beausejour nicht lange in Gent blieb, passt zu einem Klub, der in Personalfragen als Durchlauferhitzer gilt. Was kein Zufall ist: Rund um die Jahrtausendwende stand Gent dermaßen vor der Pleite, dass der frühere belgische Ministerpräsident Wilfried Martens, ein Flame, bei lokalverbundenen Unternehmern in Gent um Hilfe für den Verein warb. Ivan De Witte engagierte sich besonders, der Europa-Manager einer Headhunter-Firma namens "Hudson Global" setzte sich an die Spitze des Klubs.

Er agierte nicht als Mäzen, sondern sorgte für eine Transferpolitik, die auf den ersten Blick ziemlich irritierend erscheint: Es wurde billig eingekauft, möglichst teuer verkauft, ohne Rücksicht auf Namen oder Erfolgsaussichten. "Vereinslegenden haben wir deshalb keine", sagt ein hoher Angestellter. Kein Wunder: Zwischen 2012/13 (als gleich vier Trainer ihr Glück versuchen durften) und 2014/15 brachte es KAA Gent auf insgesamt 53 Zugänge und 52 Weggänge. Das führte zu einem positiven Transfersaldo von mehr als 13 Millionen Euro seit 1999 - und zur 2013 verkündeten endgültigen Entschuldung.

Damals wurde auch das neue Stadion eingeweiht, es bietet offiziell 19 999 Zuschauern Platz und ist bei 18 000 Dauerkarten stets ausverkauft. Auch das hat dazu beigetragen, dass Gent seinen Etat inzwischen auf 30 Millionen Euro anheben konnte. Das ist zwar immer noch weniger, als Wolfsburg allein im Sommer für Julian Draxler an Schalke 04 überwies. Für die Verhältnisse in Belgien aber ist es ein gigantischer Betrag - was dazu führt, dass Gent den Charme der Kontinuität entdeckt hat.