Von Andreas Burkert und Moritz Kielbassa

Die Bundesliga muss um ihre Startplätze in der Champions League bangen - ganz unschuldig daran ist sie nicht.

Vielleicht ist das Problem gar nicht so komplex, wie es erscheint, vielleicht liegt alles nur an der richtigen Bedienung des Balancereglers. Mirko Slomka, 40, der die Fußballer des FC Schalke nach neuesten fachlichen Erkenntnissen trainiert, hat gesagt, die Kunst des modernen Fußballs sei die Synthese aus Tempo und Ruhe: "Wir brauchen eine hohe Geschwindigkeit im Spiel - ohne hektisch zu sein." Klingt gut. Wie Briten das Spiel beschleunigen und trotzdem kontrolliert wie Südländer die Kugel kreisen lassen. Das wäre der goldene Weg.

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Tatsächlich aber führt Deutschland im Herbst 2007 erregte Debatten über seine Bundesligisten, die im Blendlicht der erfolgreichen Nationalelf eher schlecht aussehen im europäischen Vergleich. Warum haben Spanier, Franzosen, Engländer, Italiener und, huch!, bisweilen sogar Russen, Rumänen oder Portugiesen ein besseres Gefühl für Raum und Zeit und Ball? Ist es das Zweikampfverhalten, das der Bundestrainer Löw bemäkelt? Das Fernsehgeld, das fehlende? Sind es die Spätfolgen versäumter Jugendarbeit? Taktische Rückstände? Fehlender Erfolgshunger? Eine Spurensuche.

Der Koeffizient

Den Ist-Zustand kann jeder nachlesen: unter www.5-jahres-wertung.de. Bis auf die Tausendstel hinterm Komma dokumentiert die Uefa in ihrer Koeffizienten-Rangliste die Resultate der letzten fünf Europacup-Jahre (siehe Tabelle unten). Deutschland, 1992 noch Erster, ist inzwischen Fünfter (hinter SPA, ENG, ITA, FRA) und muss mindestens Sechster bleiben, um den bedrohten Status quo zu wahren. Das sind: zwei Champions-League-Startplätze plus ein Qualifikant sowie drei Uefa-Cup-Plätze. Die fetten Champions-League-Jahre von Bayern München (Sieger 2001) und Bayer Leverkusen (Finale 2002) sind gerade aus der Wertung gefallen, in der laufenden Runde wurde die bisher karge Ausbeute von Stuttgart, Schalke und Bremen (zwölf Spiele, zwei Siege) nur durch gute Ergebnisse im Uefa-Cup gemildert.

Die mit Oligarchen-Millionen aufstrebenden Osteuropa-Nationen Rumänien (6.) und Russland (7.) wollen der Bundesliga den dritten Startplatz für die Champions League abluchsen: "So weit darf es nicht kommen", sagt Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Beruhigend ist: Bis auf Steaua Bukarest sind diesmal schon alle Rumänen-Klubs ausgeschieden, und die miserable Bundesliga-Bilanz 2003/04 fliegt bald aus der Wertung. Weniger beruhigend ist: Tycoone wie Abramowitsch und Berlusconi hantieren nicht mehr nur in Europas Topligen, auch in Russland und Rumänien finden jetzt "Milliardäre Vereine interessant, deshalb können sie inzwischen auch dort die Stars verwöhnen", sagt DFB-Scout Urs Siegenthaler.

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