Von Jörg Marwedel

Die deutschen Profiklubs diskutieren über einen möglichen Einstieg von Investoren.

Über die TSG 1899 Hoffenheim wird zurzeit viel geredet. Martin Kind zum Beispiel, Präsident von Hannover 96, ist sich sicher, dass "Herr Hopp es beweisen wird, dass man mit gezielt eingesetztem Geld etwas bewegen kann". Der millionenschwere Geldgeber, der den gerade in die zweite Liga aufgestiegenen Dorfklub in die Bundesliga bringen will, hat indes nicht nur Freunde im deutschen Fußball. Bernd Hoffmann etwa, Vorstandschef des Hamburger SV, mag sich "bei allem Respekt vor Herrn Hopp nicht vorstellen, dass die Bundesliga irgendwann 18 Hoffenheims hat". Es geht um die von Kind losgetretene Debatte, dass künftig Investoren mehr als 49 Prozent eines Klubs besitzen dürfen.

Carlos Eduardo Hoffenheim

Brasilianer in Hoffenheim: Zugang Carlos Eduardo (© Foto: dpa)

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Während Hopp den Klub als Hobby betreibt, hat Kind die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerade zu einem Dialog aufgefordert. Er möchte wie andere Profiklubs die Schranken für neue Geldgeber öffnen. Auch wenn nicht nur DFL-Präsident Reinhard Rauball warnt: "Wenn die Schleuse einmal geöffnet wird, kriegen wir sie nicht mehr zu." Im Grunde geht es auch darum, ob man mit einer Änderung dieses typisch deutschen Fußballgesetzes zumindest einen Teil des Vorsprungs anderer Länder aufholen kann. Allein in England sind acht der 20 Premier-League-Klubs von Investoren übernommen, und die wollen, mit Ausnahme des Oligarchen und Fußballfreundes Roman Abramowitsch beim FC Chelsea, "sicher stellen, dass mit ihrem Risiko-Kapital auch etwas Vernünftiges angestellt wird", wie Martin Kind sagt.

Ob eine solche Gesetzesänderung die deutschen Klubs international wieder ein Stück an die führenden Engländer, Italiener, Spanier und Franzosen heranbringen würde, ist ungewiss. Solange die Einnahmen vom Fernsehen derart auseinander gehen wie derzeit, werden sie kaum herankommen. Die 420 Millionen Euro in Deutschland wirken wie ein besseres Trinkgeld im Vergleich zu den englischen Klubs, die bis 2010 jährlich 1,3 Milliarden Euro TV-Geld kassieren. Selbst der Letzte der Premiere League kassiert immer noch 30 Millionen. In Italien wird die Summe bis 2010 von 735 auf 900 Millionen Euro steigen, und selbst in Frankreich (618) und Spanien (575) gibt es mehr Geld, wobei in Spanien auf Grund der Einzelvermarktung 70 Prozent von Real Madrid und vom FC Barcelona abgeschöpft werden.

"Die ersten Zehn in Europa sind ein Closed Shop, an den auch der FC Bayern nicht herankommt", sagt Bernd Hoffmann, der einst als Geschäftsführer beim Sportvermarkter Sportfive auch international Geschäfte machte; erst dann käme der Rest. Vereine wie Manchester United, mit mehr als 1,2 Milliarden Euro reichster Klub des Planeten, Arsenal London oder Real Madrid seien eine eigene Welt, wobei in den südlichen Ländern die Kommunen oft mithelfen, dass ihr Verein gut dasteht. In Italien wiederum gleichen der Fiat-Konzern bei Juventus Turin, Präsident Massimo Moratti bei Inter Mailand oder Silvio Berlusconi beim AC Mailand jedes Jahr einen guten Teil des Minus aus, während die Schulden des FC Chelsea von 360 Millionen Euro durch Abramowitsch abgedeckt sind.

Auch in Ländern, die früher international keine Rolle spielten, inzwischen aber teilweise an den deutschen Klubs vorbeigezogen sind - etwa aus Rumänien und Russland -, sind es auch meist Mini-Oligarchen, die den Klubs zumindest Bundesliga-Standard ermöglichen. "Vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein internationaler Topspieler zum ZSKA Moskau wechselt", sagt Hoffmann. Und selbst ein kleiner Klub wie der AZ Alkmaar könne nun dank der Hilfe eines der reichsten Niederländer mit deutschen Klubs fast mithalten.

Immerhin: Bei den Sponsoring- und Merchandising-Einnahmen liegen die Deutschen angeblich mit 683 Millionen knapp vor den Engländern und deutlich vor den übrigen Ländern, was einen Teil des Minus wieder ausgleicht. Auch aus Italien kommt gute Kunde: Ab 2010 gibt es dort keine TV-Einzelvermarktung mehr. Die großen Klubs, die bislang jedes Jahr etwa 80 Millionen Euro kassierten, kommen dann nur noch auf die Hälfte. Deutsche Spitzenklubs verdienen bislang maximal 24 Millionen Euro aus der zentralen TV-Vermarktung.

Die italienische Fußballkrise hat es dem FC Bayern ermöglicht, einen Weltmeister wie Luca Toni zu verpflichten. Und der Präsident des französischen Meisters Olympique Lyon, Jean-Michel Aulas, hatte das Nachsehen bei Franck Ribéry: "Die 25 Millionen Ablöse hätten wir aufbringen können, aber nicht die vier Millionen netto, die Bayern ihm jährlich zahlt."

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(SZ vom 27.11.2007)