Champions-League-Hinspiel gegen Juventus Turin fehlt der Faktor Pirlo

Ohne den Faktor Pirlo stockte die Turiner Maschine. Denn so musste zum Beispiel der Abwehrspieler Leonardo Bonucci Spielzüge eröffnen, was mehr einem Aufbau mit der Flinte glich als einem geordneten Wirken. Die Bälle flogen wie verirrte Schrotkugeln durch die Münchner Nacht.

Dazu kam der Umstand, dass Juventus zwar zwei Angreifer aufgestellt hatte, diese jedoch am Geschehen kaum teilnahmen. Denn ein Pressing, gerade ein derart mächtiges wie das des FC Bayern am Dienstagabend, müssen Gegner auch mit weiten Pässen auflösen können. Dumm nur, dass diese weiten Bälle nach etwa zwei Sekunden wieder zurückgeflogen kamen, weil weder Fabio Quagliarella noch Alessandro Matri auch nur einen Zweikampf gewann.

Weil hinten null Gefahr drohte, rückten die Münchner immer weiter nach vorne und brachten die italienische Abwehr so immer mehr in Bedrängnis. Das 2:0 durch Müller (63.) nach einem Torwartfehler von Gianluigi Buffon war überfällig und hoch verdient. Sammer lobte vor allem seine verteidigenden Angreifer: "Die Stärke der Mannschaft, gegen den Ball geschlossen zu agieren, war heute entscheidend. Das beginnt vorne in der ersten Reihe, das war der Schlüssel." Doch Sammer wäre nicht Sammer, würde er nicht warnend in die Zukunft blicken.

"Wenn wir nach Turin fahren und irgendwas anderes machen wollen, können wir ein Problem bekommen. Wir sollten versuchen, auch dort zu gewinnen und nicht irgendwas zu verteidigen." Sammer weiß: Nur der eigene Schlendrian kann diese Mannschaft stoppen und es ist seine Rolle, das zu verhindern. Wobei er sich da wenig Sorgen machen muss.

FC Bayern gegen Juventus im SZ-Liveticker Kaputtes Ende für Juventus

Eine Wackelphase ist halb so schlimm, wenn es schon 1:0 steht. Und eine Verletzung ist zu verschmerzen, wenn der Ersatzmann richtig Schwung bringt. Die Bayern haben beim 2:0 gegen Juve nur ein richtiges Problem. Sein Name ist Clattenburg.

Ob Thomas Müller, ob Bastian Schweinsteiger, ob Arjen Robben, ob Franck Ribéry: Alle betonten, dass dieses 2:0 zwar ein schönes Ergebnis, aber das Halbfinale noch nicht erreicht sei. Der Schreckmoment vom Arsenal-Spiel, als das 3:1 im Hinspiel fast noch verspielt worden wäre, zeigt Wirkung. Turin darf im Rückspiel nicht auf einen nachlässigen Gegner aus München hoffen. Auf was darf Turin dann überhaupt hoffen? Ihr bester der Partie in München, Arturo Vidal, ist gelbgesperrt und fehlt genauso wie der Schweizer Stephan Lichtsteiner.

Bei den Bayern kehrt mit Javi Martínez sogar ein weiterer Stabilisator für das Gesamtgebilde zurück. Und so fragte am Ende ein italienischer Fernsehsender Karl-Heinz Rummenigge: Wie würden sie in Zahlen die Chancen auf ein Weiterkommen beziffern? "Bayern 51 Prozent, Juventus 49 Prozent", antwortete Rummenigge. Und lächelte dabei spitzbübisch. Er hatte einfach einen freundlichen, höflichen Tag.