Champions League, Halbfinale Magische Mailänder
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Titelverteidiger FC Barcelona droht nach dem 1:3 bei Inter Mailand das Aus im Halbfinale der Champions League. Italiens Meister siegt dank einer taktischen Meisterleistung und eines starken Holländers.
Wiederholt sich Geschichte? Und wenn ja, welche? Das war die Frage vor dem Kulturkampf im Champions-League-Halbfinale zwischen Inter Mourinho und dem FC Messi, offiziell: Mailand gegen Barcelona. Würde es also Jose Mourinho, dem scharfsinnig-kapriziösen Trainer der Italiener gelingen, den Titelverteidiger und seinen Superdribbler Lionel Messi mit einer ähnlichen Spielverderbertaktik zu bremsen, wie es im Halbfinale 2008 Manchester United gegen Barcelona geschafft hatte (0:0/1:0) und im Halbfinale 2009 der FC Chelsea (0:0/1:1), der nur vom Schiedsrichter um den Lohn gebracht wurde?
Wesley Sneijder war der überragende Mann bei Inters 3:1 gegen den FC Barcelona.
(Foto: Foto: ap)Oder würde sich Mourinho mit Barça einen heißen Schlagabtausch liefern, wie mehrere Male zu seiner Zeit als Chelsea-Coach, mal mit gutem (2005), mal schlechtem Ausgang für ihn (2006). Oder würde Barcelona die Sache souverän im Griff haben, wie bei den Duellen mit Inter in der Gruppenphase dieser Saison (2:0/0:0)? Und liefert Messi wieder eine fulminante Show, wie im Viertelfinale gegen Arsenal?
Barça zittert
Fragen über Fragen, die in ein rassiges Duell mit unerwartetem Ausgang mündeten: 3:1 (1:1) siegte ein wuchtig arbeitender Außenseiter Inter, Barcelona zittert nun ums Endspiel am 22. Mai im Stadion des Erzrivalen Real Madrid. Die strapaziös mit dem Bus angereisten Katalanen - entlang des Mittelmeers mit Übernachtung in Cannes - legten zwar durch Pedro (19.) vor. Doch Snejder (30.), Maicon (48.) und Milito (61.) ließen Mourinho und 80.000 Mailänder jubeln. Messi? Richtete kein Unheil an. Und Abwehrabeit der Weltklasse war zumindest nicht in der porösen Deckung von Barcelona zu besichtigen, deren Chef, Kapitän Puyol, im Rückspiel gelbgesperrt fehlt.
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Vor dem Spiel hatte Mourinho geflunkert: "0:0 wäre ein gutes Ergebnis." Der Provokateur aus Portugal ist bei Gegnern gefürchtet, weil er sein Gift aus taktsichen Winkelzügen und verbaler Kriegsführung mischt. Man war sehr gespannt, mit welcher List, welchem strategischen Bauplan er diesmal Weltfußballer Messi begegnen wollte. Allen Ernstes war über Manndeckung in Italiens Sportpresse debattiert worden, und natürlich war es das Ziel, im Mittelfeld die Versorgungswege für Messi abzuschneiden. Denn wenn Pässe erstmal beim Argentinier ankommen, sind die Verteidiger oft mit dem Latein am Ende. Majestätisch, magisch, göttlich, genial, das alles reichte zuletzt ja nicht mehr auf der Suche immer neuer Sprachsuperlative für Messi.
Abseitsverdacht bei Milito
Dabei spielten durchaus andere mit am Dienstagabend. Etwa Torjäger Samuel Eto'o, Inter, vorige Saison noch Barcelona; und Torjäger Ibrahimovic, Barcelona, vorige Saison noch Inter. Oder Diego Milito, der Mailänder Stoßstürmer, dessen Bruder Gabriel, Verteidiger bei Barca, auf der Bank saß. Der erste Aufreger des Spiels erregte dann bereits wieder Mourinho, den ewigen Verschwörungstheoretiker: Eto'o schickte Milito steil, der seinen Spurt aufs Gästetor wegen eines Abseitspfiffs abbrach (10.); eine knappe, wohl verkehrte Entscheidung.
Barça? Kam nicht gut in die Gänge gegen giftig störende Italiener - und führte plötzlich doch. Durch Pedro, der einen klugen, flachen Rückpass des am linken Flügel durchgestoßenen Maxwell sicher verwandelte (19.). Messi? Unbeteiligt! Lucio, der in Mailand hochgelobte frühere Bayern-Verteidiger? Sah in dieser Szene ebenso schlecht aus wie der Rest der sonst so marmorharten Abwehr. Inter aber machte mutig, unbeeindruckt weiter. Milito, kurz zuvor mit einem Schuss nur Zentimeter gescheitert (27.), verlängerte einen Querpass von Eto'o zu Wesley Sneijder, und der Holländer nutzte seine erstaunliche Freiheit im Strafraum zu einem Abschluss mit der Innenseite: 1:1 (30.), der verdiente Ausgleich.
Starker Sneijder
Nichts war's mit einem zähen Stellungskampf. Und schwungvoll ging es in die zweite Hälfte: Maicon, bei Inter als Rechtsverteidiger beschäftigt, tauchte in Manier des Kollegen Lucio im feindlichen Strafraum auf und verwertete eine Milito-Flanke zum 2:1 (48.). Dann schoss zwar erstmals Messi aufs Tor (53., Faustparade Cesar) und Busquets vergab per Kopf die Chance zum 2:2 (54.). Ins Ziel aber traf wieder Inter. Nach weicher Flanke von Eto'o verlängerte Snejder per Kopf zu Milito, der die Kugel mit der Stirn über die Linie drückte - aus so abseitsverdächtiger Stellung, dass selbst Mourinho mit dem Schiedsrichter (aus Portugal) mal zufrieden sein durfte.
Mourinhos Pendant, Pep Guardiola, wechselte in dieser prekären Sekunde Ibrahimovic aus (62.), was die Inter-Fans wie das 4:1 beklatschten, ohne einen neuen Stürmer (Henry, Krkic) zu bringen. Der ständig gedoppelte Messi? Knockte Inters Torschützem Maicon bei einem Zusammenprall aus (71.). Scheiterte mit einem Freistoß (79.). Und ärgerte sich ein weiteres Mal über eine mutmaßliche Benachteiligung: nach Grätsche von Sneijder gegen Alves gab es Gelb wegen Schwalbe statt Elfer für Barcelona (83.). So passierte - womöglich entscheidend in Richtung Finale - dann doch noch etwas in Inters Abwehr: Eine letzte Chance von Piquet kratzte Lucio von der Linie (87.). Der Brasilianer feierte seine Rettungstat mit einer Boris-Becker-Faust.