Von Raphael Honigstein

Arsenals spanischer Torwart Almunia hat sich zum besten Torhüter der Premier League entwickelt. Nun soll er rechtzeitig vor der WM in Südafrika Brite werden.

Die Partie gegen Manchester United war Manuel Almunias wichtigstes Spiel im Trikot des FC Arsenal - und der Spanier zerbrach an diesem Druck. Zwei haarsträubende Fehler des Torwarts bescherten der Mannschaft von Alex Ferguson ein 4:2 bei den Londonern; Almunia, berichtete später ein Teamkollege, habe in der Kabine aus Scham geweint.

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Einst wegen seiner Flatterhaftigkeit verspottet, heute umworben: Manuel Almunia. (© Foto: Reuters)

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Nach dem Malheur im Ligaspiel vor vier Jahren kam wieder Stammkeeper Jens Lehmann ins Tor der Gunners - und von dort zurück ins Tor der deutschen Nationalelf. Almunia, da waren die Experten damals sicher, werde bald wieder in der spanischen Provinz die Bälle aus den Netzen klauben. Doch der Mann mit den wasserstoffblonden Haaren, den sie auf der Insel wegen seiner chronischen Flatterhaftigkeit gerne mit dem schusseligen Kellner Manuel aus der Comedy-Serie "Fawlty Towers" verglichen, behielt  - nicht nur zu Lehmanns Unverständnis  -  die Arsenal-Handschuhe an. Und die erstaunliche Geduld des Arsenal-Teammanagers Arsène Wenger wurde letztlich belohnt: Almunia, 31, ist in dieser Saison zum stabilsten Torwart in der Premier League gereift.

Nach dem 0:1 bei United im Halbfinal-Hinspiel der Champions League vergoss in der Arsenal-Umkleide niemand Tränen. Im Gegenteil, die Stimmung sei gut gewesen, erzählte Wenger, denn man habe das Gefühl gehabt, im Old Trafford "noch einmal davongekommen" zu sein. Das lag allein an Almunia, der seine hoffnungslos unterlegene Mannschaft mit einer Weltklasseleistung vor dem K.o. bewahrte. Auch vor dem Rückspiel an diesem Dienstag gilt der Mann aus Pamplona als Schlüsselfigur: Schon ein Tor für United würde Arsenal  in die Verlegenheit bringen, gegen den Titelverteidiger und designierten englischen Meister drei Mal treffen zu müssen - das traut den jungen Kanonieren kaum einer zu. United ist in der Königsklasse seit 24 Spielen ungeschlagen.

"Er ist der Beste"

"Wer nach einem 0:1 zu Hause gewinnen muss, hat Angst vor dem Gegentreffer", sagt Ferguson: "Das gilt für jede Elf, egal ob sie Manchester United oder Glenbuck Cherrypickers heißt." Die "Kirschenpflücker" waren die Dorfmannschaft von Matt Busby, Uniteds legendärem Trainer der Nachkriegsjahre. Cherrypickers nannte man in den Kohlewerken die Arbeiter, die  an der Spitze des Grubenschachtes Steine entfernten.

Geht es nach den Arsenal-Fans, soll Almunia demnächst an der Spitze zupacken. "Englands number one", Englands Nummer eins, singen sie seit Wochen, und das ist nicht ironisch gemeint. Almunia könnte nach fünf Jahren an der Themse (er kam 2004 von Celta Vigo) die britische Staatsbürgerschaft erwerben und tatsächlich für England auflaufen - er hat nie für Spanien gespielt. "Er ist nicht nur gut genug, er ist der Beste", sagt Wenger: "Ich würde England dazu raten, ihn zu nominieren." Almunia bestätigt, dass er bis Januar 2010 - rechtzeitig vor der WM in Südafrika - ein Brite sein könnte: "Vielleicht mache ich das. Wenn man mich wirklich will, werde ich die Situation analysieren, und eine Entscheidung treffen, die für mich und meine Familie  gut ist."

Zunächst hatte Almunia nur scherzhaft mit der Vorstellung kokettiert, eines Tages zum Flankenpflücker Ihrer Majestät zu werden. Doch nun wird die Debatte konkret. "Wenn ich die WM nur mit einem Spanier im Tor gewinnen könnte, würde ich lieber gar nicht gewinnen", sagte Fußballpatriot Harry Redknapp, der Trainer von Tottenham. Die Mehrheit seiner Landsleute sieht die Sache angesichts chronischer Not im Strafraum pragmatisch. "Falls ihn nur das Gefühl abhält, dass so eine Regelbeugung im Grunde Betrug ist, darf Almunia ganz beruhigt sein", kommentierte der Observer. "Entweder man hat Prinzipien, oder nicht. Wir Engländer haben - mit unserem italienischen Nationaltrainer und dem kosmopolitischen Cricket-Team - keine."

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(SZ vom 05.05.2009/dop)