Champions League Gladbach fehlt ein Treffer zum Wunder

Borussia Mönchengladbach erspielt sich beim Rückspiel der Champions-League-Qualifikation bei Dynamo Kiew zahlreiche Gelegenheiten und hat bis zum Ende die Chance auf die Teilnahme an der Königsklasse. Am Ende reicht es dennoch nur zu einem knappen Sieg, der nach der Niederlage im Hinspiel nicht reicht.

Von Jürgen Schmieder

Es ist schon gemein, dass vor den Qualifikationsspielen zur Champions League die offizielle Hymne der Königsklasse gespielt wird. Dieses Lied erinnert an Georg Friedrich Händels "Zadok, der Priester" und enthält Textbausteine wie Die Besten und Eine große sportliche Veranstaltung.

Viele Chance, zu wenig Treffer: Kiews Torwart Maksim Koval rettet in dieser Szene vor Patrick Herrmann.

(Foto: dpa)

Die Akteure von Borussia Mönchengladbach wussten vor der Partie bei Dynamo Kiew, dass sie nur die Viertbesten der vergangenen Bundesliga-Saison gewesen waren und dass sie einen hohen Sieg benötigen würden, um tatsächlich an dieser großen sportlichen Veranstaltung teilnehmen zu dürfen.

Dieser hohe Sieg gelang ihnen nicht, am Ende fehlte bei etwa 20 Torchancen ein mickriger Treffer, um sich für die Champions League zu qualifizieren. 2:1 (0:0) für Gladbach hieß es nach 90 Minuten, was nach dem 1:3 im Hinspiel bedeutete, dass die Borussia künftig in der Europa League antreten wird. Und das, obwohl die Elf tatsächlich ganz nah dran war, das "Wunder vom Dnepr" zu schaffen - oder wie immer man diesen Abend dann genannt hätte.

"Die Mannschaft hat hervorragend gespielt, aber leider diesen einen Treffer zu wenig geschafft", sagte Sportdirektor Max Eberl. Trainer Lucien Favre ergänzte: "Wir haben im Hinspiel zu viele Fehler gemacht und zu viele Tore bekommen, heute bin ich sehr zufrieden."

Die Gladbacher begannen forsch und kreativ, sie erspielten sich sogleich schöne Gelegenheiten. Juan Arango schnibbelte den Ball mit dem Außenrist auf Patrick Herrmann, der lupfte das Spielgerät über Kiews Torhüter Maksim Koval, allerdings auch am Tor vorbei (2.). Dann steckte Mike Hanke fein auf Arango, doch der kam zu spät gegen Koval (8.), nach einem Eckball stocherte Hanke das Spielgerät über das Tor (13.). Herrmann wuchtete den Ball aus 22 Metern an Kovals Fäuste (22.). Sportdirektor Max Eberl sagte während der Pause: "Einer hätte reinfallen müssen, aber nun werden wir versuchen, in 45 Minuten drei Dinger zu machen."

Die Gladbacher versuchten es wirklich, sie blieben drückend überlegen, was freilich auch daran lag, dass Kiew von Beginn an vor eine Fünfer-Abwehrkette eine Vierer-Abwehrkette stellte und die Akteure das Spielgerät genüsslich nach vorne prügelten auf Brown Ideye, der als Einer-Sturmkette teils fünf Gladbacher zu beschäftigen wusste und sich hin und wieder sogar Gelegenheiten erlief, erdribbelte und erstoppte.

Es entwickelte sich deshalb eine ansehnliche und temporeiche Partie, bei der die Zuschauer nicht lange auf die nächste packende Szene und schließlich auch auf Tore warten mussten. Zunächst brauchte es einen Spieler von Kiew, der den Ball ins eigene Tor beförderte: Evgen Khacheridi köpfte in der 70. Spielminute eine Flanke von Arango unhaltbar neben den rechten Pfosten. Sieben Minuten später zeigte Arango, dass er auch mit der Stirn recht gefühlvoll umgehen kann und köpfte die Kugel nach einem Eckball aus elf Metern ins Tor.

War dieses Wunder tatsächlich möglich? Ja, war es - denn auch nach dem Treffer von Brown (88.) hätte ja ein Tor gereicht, um die Partie um 30 Minuten zu verlängern. Igor De Camargo musste seinen Kollegen Nachhilfe-Unterricht geben. Laustark und gestenreich erklärte er ihnen, dass dieser gerade erzielte Treffer nicht wirklich prägend sei. Camargos Mitspieler guckten erst verdutzt, dann versuchten sie, noch ein Tor zu erzielen.

Die Gladbacher spielten, sie flankten, sie schossen - doch dieser Treffer wollte nicht mehr fallen. Kurz vor dem Ende rutsche Alexander Ring in eine Hereingabe und drückte sie aus drei Metern neben das Tor.

In der Europa League wird vor den Partien übrigens auch eine Hymne gespielt. Die hat zwar keinen Text und keinen Titel und erinnert auch nicht an Georg Friedrich Händel - aber in Gladbach werden sie dennoch versuchen, sie so oft wie möglich zu hören in dieser Saison.