Manchester United schafft mit einem 1:0 gegen Barcelona den Einzug ins Champions-League-Finale.
Paul Scholes weiß, wie die Champions League funktioniert. Es weiß, wie gut sie zu einem sein kann, er kennt aber auch ihre bösen Seiten. Er war dabei, als Manchester United im Jahre 1999 in einem längst legendären Spiel dem FC Bayern in der Nachspielzeit die Trophäe entwendete - aber er durfte nicht spielen. Er saß gelbgesperrt auf der Tribüne. Paul Scholes kennt sich aus, ihm kann keiner etwas vormachen, auch Lionel Messi nicht. Der rannte ihm im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales zwar gleich in der ersten Minute davon, aber Scholes foulte wie ein echter Champions-League-Routinier: Millimeter vor dem Strafraum. Es war auch Scholes zu verdanken, dass die Champions-League-Reise für Manchester United weitergeht: Sein herrliches Distanzschusstor (14.) erbrachte jenes 1:0 (1:0), mit dem sich die Engländer fürs Finale in Moskau am 21. Mai qualifizierten. Es war der verdiente Sieg einer wuchtigen, straff organisierten Gegenwartsmannschaft gegen eine Mannschaft, deren beste Tage in der Vergangenheit liegen.
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Im Finale der Champions League: Manchester United. (© Foto: Reuters)
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Scholes' Treffer hatte den Teams schon früh signalisiert, dass es nach dem 0:0-Hinspielergebnis garantiert keine Verlängerung geben würde. Niemand musste sich hier also seine Kräfte einteilen, und so war es wohl kein taktisches Kalkül, sondern eher ein kleiner Schwächeanfall, der dem FC Barcelona zu schaffen machte. Zu Beginn der Partie hatten sie dank Messis flinken Füßen noch recht gut ausgesehen, aber Scholes' Tor beeindruckte die Katalanen sichtlich. Sie stehen ja schwer unter Druck, nachdem sie sich aus dem spanischen Meisterschaftsrennen verabschiedet haben. Die Champions League war das letzte Ziel dieser einst so zauberhaften Elf, die ihren Zauber zwar nicht völlig verloren, aber eben nicht mehr dauerhaft im Programm hat. Der Zauber dieser Elf hängt mehr vom individuellen Zauber des Jungstars Lionel Messi ab, als das für eine Mannschaft gut sein kann.
Auch in Manchester war früh zu erkennen, wie viel Verantwortung schon auf diesem kleinen Flügeldribbler lastet. Wenn er nicht für Entlastung sorgte, dann tat es erst mal keiner - für Barcelona eine gefährliche Spielentwicklung, zumal die Viererabwehrkette zu drei Vierteln wackelte (Zambrotta, Puyol, Milito). Zambrotta war es auch, der Scholes vor dem 1:0 den Ball mit einem abenteuerlichen Fehlpass in den Lauf legte. Barcelonas Abwehrspieler können kreativen Fußball spielen, aber den Sprint haben sie nicht erfunden. Sie wirkten mitunter etwas überfordert vom Tempo der Engländer, die als die Speedfreaks im europäischen Fußball gelten. Wenn Manchester gut drauf ist, schaltet kaum eine Elf so schnell von Abwehr auf Angriff um, und in dieser Phase waren sie gut drauf. Im Hinspiel hatte Manchester in der zweiten Hälfte jegliches Offensivspiel verweigert, sie hatten ein einziges Mal aufs Tor geschossen. An diesem Abend aber kümmerten sich Cristiano Ronaldo und Carlos Tevez nicht darum, dass Nebenmann Wayne Rooney verletzt fehlte; sie machten sich einen Spaß daraus, ihre Sturmpositionen so oft zu wechseln, dass die Statistikabteilung der Uefa aus Protest den Abdruck eines Aufstellungsschemas verweigern sollte. Stürmt Ronaldo links oder rechts? Oder kommt er zentral aus dem Mittelfeld, aus dem manchmal auch Tevez kommt, vorausgesetzt, er stürmt nicht gerade über links oder rechts?
Allerdings beschränkte sich Manchester mit der Führung im Rücken auf gelegentliche Blitzzüge, sie drückten nicht konstant, was den Feinfüßen aus Barcelona die Gelegenheit gab, sich wieder ins Spiel hinein zu kombinieren. Vor allem Deco machte sich um Barcelonas Rückkehr ins Spiel verdient. Mit zwei Schüssen, die das Tor von Edwin van der Sar nur knapp verfehlten (34., 37.), gab er das Signal zum Aufbruch, was bei Manchester prompt Wirkung hinterließ. Eine Minute später ließ van der Sar einen harmlosen Ball prallen, aber Eto'o brachte den Ball nicht im Tor unter.
Zu Beginn der zweiten Hälfte fehlten zunächst die zwingenden Aktionen, aber es war ein hochintensiver Kampf um kleinste Vorteile, ein Kampf, der aber meist außerhalb des Strafraums stattfand. Den Katalanen gelang es zu selten, den gefährlichen Zonen nahezukommen - sie blieben zu berechenbar im Angriff. Allein Messi wirbelte, Eto'o behauptete zu statisch seinen Platz in der Sturmmitte, und der Mittelfeldstratege Iniesta wirkte auf dem linken Flügel etwas deplatziert. Torgefahr entwickelte sich vor allem dann, wenn Manchester konterte - wie in der 57. Minute, als Tevez aus der Drehung übers Tor zielte. Nach Bojans Einwechslung erhöhte Barcelona noch einmal das Risiko, und Manchester erinnerte sich plötzlich wieder an die Hinspieltaktik. Sie ließen jetzt die anderen machen und vertrauten ihrer kompakten Defensive. Am Ende trauten sie sich sogar, ihren kleinen Champions-League-Kenner auszuwechseln. Paul Scholes ging in der 77.Minute.
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(SZ vom 30.4.2008/dgr)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Natürlich findet in England ein Ausverkauf statt, wenn z.B. bei Liverpool zwei zerstrittene Amis in der Owner's Box sitzen. Das will ich gar nicht mal bestreiten und ist gerade das, was ich mir ebenso wie Sie in Deutschland nicht wünsche.
Ich bleibe aber dabei, dass ich das typisch spanische, typisch italienische und typisch deutsche im Fussball genauso wenig sehe wie das typisch englische. Gerade Spanien und Italien haben doch noch viel weniger eine eigene Fussballseele. In Spanien macht man Leute wie Roberto Carlos, Marcos Senna und Ronaldinho zu Spaniern, damit sie entweder nicht die Ausländerplätze belegen oder in der Selección spielen können. Und in der Serie A ist das einzig typisch italienische, dass sich die Vereine bis heute für sich behalten, der Hang zum Skandal (jedenfalls fällt mir wenig anderes ein).
Und selbst, wenn es diese nationalen Eigenheiten noch gäbe: wer will sie eigentlich wirklich noch haben?
Will wirklich jemand Ferguson sagen "lass das mal mit dem technisch anspruchsvollen Hochgeschwindigkeits-Kurzpass-System-Gewirr und schlag die Bälle wieder hoch Richtung Rooney"?
Oder sollte man tatsächlich Diego das Grätschen beibringen, damit die deutsche Fussball-Tradition weiter hochlebt?
hmm, ich weiss nicht recht. Warum denn diese Kritik am englischen Fussball?
Zunächst mal sind die Zeiten rein englischen/deutschen/italienischen Fussballs vorbei. Längst und endgültig.
Und natürlich wäre die Premier ohne das viele Geld nicht besser als die BuLi. Geld regiert die Welt und genauso den Fussball. Wo die Kohle ist, sind die Stars.
Ein dramatisches Nachwuchsproblem sehe ich in England trotzdem nicht wirklich. Sie sagen es selbst: die Gerrards, Lampards und Rooneys in Ehren.... wieviele deutsche Spieler halten denn dieses individuelle Niveau? Schreiben Sie mal (exemplarisch) die Namen Richards, Defoe und Walcott auf nen Zettel, kramen Sie den Zettel in 5 Jahren wieder hervor und erinnern Sie sich an meine Worte zum engl. Nachwuchs!
Welche "Verhältnisse" man sich von seiner Liga wünscht, ist aber sicher Geschmackssache. Ist auch schwierig, Erfolg (UK) gegen Integrität (Bilbao) aufzuwägen. Somit respektiere ich Ihre Meinung. Auch wenn ich ne andere habe.
Engl. Verhältnisse will ich in der Tat auch nicht haben. Dort wird Erfolg durch Abhängigkeit erkauft (soll aber nicht heissen, dass man von der Premier nichts zu lernen hätte. TV-Vermarktung z.B.).
Was aber hin und wieder in Bilbao abläuft, halte ich für völlig übertrieben. Da diskutiert man z.B. monatelang, ob denn ein dunkelkäutiger "Baske" für Athleti spielen darf, wenn ihm das basken-typische Rhesus-negativ fehlt. Manche nennen das Tradition, ich nenn es Rassismus. Und die unbestreitbaren Erfolge liegen Jahrzehnte zurück. Seit die baskischen Stars à la Xavi Alonso lieber Geld verdienen und Titel gewinnen als für Athleti zu spielen, gibt's nicht mehr viel zu holen. Natürlich wurde das auch in Bilbao erkannt, also nahm man Navarra mal wieder ins Baskenland und Navarros ins Beuteschema auf. Mittelfristig reicht aber selbst das nicht. So gesehen die letzten Jahre. Meine Prognose ist, dass der 1. Abstieg nicht mehr fern ist. Und dann wird sich zeigen, wie weit an der eigenen Identität festgehalten wird...
Am Lustigsten finde ich aber, und das noch am Rande, dass es vor etwa 100 Jahren gerade Engländer gebraucht hat, um den Basken ihren heiligen Fussball-Club zu geben.
"dann müssten beim FC Bayern nur sog. waschechte Bayern spielen. Das wäre sicher ziemlich langweilig. "
Vielleicht habe ich mich ein wenig missverständlich ausgedrückt...
Ich sehe gerade auch in der Bundesliga die Legionäre natürlich als Bereicherung, keine Frage, um das geht es mir überhaupt nicht.
Trotz vieler Legionäre in Ländern wie Spanien, Deutchland und auch Italien wird dort trotzdem noch die hiesige Fussballkultur gelebt-das gerade ist in England nicht der Fall, dies kritisiere ich!
Das Schöne am Fussball ist doch auch, dass jede Region diese Sportart traditionell ein wenig anders zelebriert, dies Vielfalt machte m.E. auch immer den Reiz der europäischen Wettbewerbe bzw. auch der intern. Turniere aus.
"Englischer Fussball"-zumindest dass, was man gemeinhin immer darunter verstanden hat, wird von den dortigen Spitzenteams nicht mehr gespielt..
Erfolg hin oder her, ich halte dies für den Ausverkauf des engl. Fussballs, einfach nur Schade....
Also wenn Athletic Bilbao und seine Nachwuchspolitik als Vorbild dienen soll, dann wird Nationalismus zum Maßstab erhoben in einem Bereich, wo man schon genug Probleme mit Rassismus und Beschimpfung schwarzer Spieler. Auf Deutschland übertragen hiesse das eine Debatte darüber anzetteln, ob Franken zu Bayern gehört oder nicht, ob also z.B. Lothar Matthäus bei Bayern spielen darf. Keine gute Idee.
Scholes hat vorgemacht wie man eine Abwehr knacken kann, Weitschüsse,
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